kuhAls ich klein war, habe ich mit großer Freude täglich den Bauernhof neben an besucht. Aus unterschiedlichen Gründen. Erstens war ich mit den gleichaltrigen Kindern befreundet, zweitens habe ich gern auf dem Hof “mitgearbeitet” und drittens bin ich jeden Abend mit meiner kleinen Milchkanne rübergepilgert, um melkfrische Kuhmilch abzuholen. “Aha, warst du wieder im Kuhstall”, sagte mein Vater hinterher abschätzig und rümpfte die Nase.

Ja, ich war wieder im Kuhstall! Denn dort hielt ich mich sehr gern auf. Die wohlige Wärme, der Geruch nach Kuh und Kuhmist (im Gegensatz zu Schweinemist empfindet meine Nase Kuhmist nicht als Gestank!), die schummrige Beleuchtung – dieser Kuhstall war für mich ein Ort des Friedens und der Geborgenheit. Und kaum hatte die Bäuerin die Milch in mein Kännchen gegossen, führte ich es auch schon zum Mund und ließ mir die oft noch körperwarme Flüssigkeit schmecken. Die Bauernkinder standen oft daneben und schüttelten sich, denn sie fanden Kuhmilch ekelig. Sie mochten auch das selbstgebackene und außerordentlich köstliche Bauernbrot nicht, und ihre eigenen Hühnersuppe haben sie auch auch verschmäht. Na ja, so ist das halt. Von wegen: was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht …

Ich mochte schon damals die wunderbaren braunen Augen der Kühe, und ich liebte ihre niedlichen Wimpern. Außerdem machten sie auf mich immer einen sehr ausgeglichenen und entspannten Eindruck. Gelassenheit – das ist ein Begriff, der wunderbar zu Kühen passt. Nie im Leben bin ich einer aufgeregten Kuh begegnet. Sie grast, sie wiederkäut oder sie schläft.

Damals waren Kühe selbstverständlich im Sommer auf der Weide, eingezäunt von einem elektrischen Weidezaun, den wir Kinder immer mutig angefasst haben. Leichtstrom – da konnte nichts passieren. Heute gibt es zwar auch noch Kühe, die grünes Gras zu sehen bekommen, und die zählen zu der glücklichen Sorte. Denn die meisten Kühe stehen heutzutage in Ställen.

Damals hatten Kühe auch noch Hörner. Heutzutage sind den meisten (80 % angeblich) die Hörner weggeätzt. Zu diesem Vorgang gibt es hier auch einen sehr aufschlussreichen Artikel, denn Kühe brauchen ihre Hörner. Aber wen interessiert das schon? Hauptsache, die Kühe geben Milch, und selbst die wird nicht mehr wertgeschätzt, denn der Milchpreis geht immer mehr in den Keller. Männliche Küken werden geschreddert, hornlose Kühe vegetieren in Ställen dahin, Schweine fristen ihr freudloses Dasein in viel zu engen Pferchen und werden mit Antibiotika und Kraftfutter vollgestopft. Es ist ein Jammertal … in dem unsere Nutztiere leben!

P. S.: Hier am Ammersee gibt es erfreulicherweise noch viele glückliche Kühe – zumindest dürfen sie draußen grasen. Da sind die weggebrannten Hörner wohl das kleinere Übel …

Zur Erinnerung: eine Kuh mit Hörnern

5 Gedanken zu „Zur Erinnerung: eine Kuh mit Hörnern

  • 29. Mai 2016 um 09:42
    Permalink

    Erfreulicherweise gibt es hier auch noch Kühe mit Hörnern. Habe ich gerade heute Morgen gesehen. Und dabei fiel mir auf, dass die Kühe in meiner Kindheit alle Hörner hatten.
    Grauenhaft, was wir den Tieren alles antun. Das ist der Grund, warum ich schon seit Jahren Vegetarier bin. Zum Veganer hat es noch nicht gereicht, vielleicht wird es ja noch. Für die Tiere wäre es allemal besser.

    Antworten
    • 29. Mai 2016 um 13:12
      Permalink

      Die Kühe auf den Fotos sind allesamt aus der Gegend rund um den Ammersee. Wie man sehen kann, haben die meisten keine Hörner mehr …

      Antworten
  • 30. Mai 2016 um 15:34
    Permalink

    Muss eine Kuh wirklich Horn tragen ? Optisch sieht’s ja schon schön aus… Aber braucht die Kuh die Hörner noch ? Vermisst sie etwas, wenn sie keine Hörner trägt ? Ich denke nein. Im Umgang untereinander brauch keine Kuh Hörner ( Pferde ja auch nicht ) und gegen Raubtiere muss sie nicht mehr kämpfen. Ein Hirsch, der sein Geweih abwirft ist auch nicht “geschädigt”, es ist ein normaler Vorgang. Bei vielen Arten haben die männlichen Tiere ein Geweih und die Weibchen nicht – geht es ihnen deshalb schlechter ? Meine Meinung: lieber keine Hörner als angebunden sein mit !

    Antworten
    • 30. Mai 2016 um 17:55
      Permalink

      Die Antwort auf Ihre Frage steht in dem verlinkten Beitrag.
      Ansonsten gilt auch für mich mein letzter Satz …

      Antworten
    • 2. Dezember 2019 um 05:50
      Permalink

      Kühe kommunizieren mit ihren Hörnern. Das ist ohne Hörner nicht mehr möglich und so entsteht oft Körperkontakt in Form von Puffen, damit der Abstand eingehalten wirden zwischen den Kühen.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.