Meine liebe Freundin Karin Tauer habe ich vor rund 15 Jahren kennengelernt. Wir haben damals beide bei brigitte-online gebloggt und waren uns auf Anhieb sympathisch.

Karin hat damals noch in Spanien gelebt und über ihr Leben dort geschrieben. Ich habe damals schon am Ammersee gelebt und über mein Leben hier geschrieben.

Karin zog dann wieder nach Deutschland zurück – in den hohen Norden – und dort hatte ich das Vergnügen, sie persönlich kennenzulernen. Ich hatte beruflich in Hamburg zu tun, und sie hatte auf einem ausrangierten Schiff im Hamburger Hafen eine Ausstellung. Denn Karin ist Künstlerin.

Seit damals pflegen wir eine lockere freundschaftliche Beziehung. Ab und zu arbeiten wir auch miteinander. Konkret gesagt macht Karin Illustrationen für mich. So auch vergangenes Jahr, als sie das Titelbild für das Kurzgeschichtenbuch “Auf der Pirsch mit Knittelwirsch” gemacht hat.

Heute habe ich elektronische Post von Karin bekommen und darin einen wunderbaren Text gefunden … eine Hommage an ihre neue Heimat.

Ich habe Karin gefragt, ob ich ihren Text veröffentlichen darf, und sie hat Ja gesagt. Eine ihrer süßen Illustrationen hat sie auch mitgeschickt.

Hier ist beides:

Mein lieber Norden,

nun sitze ich hier mit dir und wir wissen beide nicht so recht, wie es mit uns weitergehen wird.

Du, ein wunderschöner Landstrich, der gerade weder Küste noch all deine anderen Schönheiten mit vielen Besuchern teilen kann und ich, eine Zeichnerin, die dich so lieb gewonnen hat und dir eine kleine Hommage schenken möchte.

Du Norden mit deinen klaren Farben, deinem scharfen Wind, dem vielen Wasser. Du Norden, mit all deinen Bewohnern, den glücklichsten aller Deutschen, wenn man den Umfragen glaubt. Ich bin nicht hier hinein geboren, nicht hier aufgewachsen und nicht hier ausgebildet. Ich kam als fertige Erwachsene mit Hoffnungen, Zielen und Vorstellungen. Du hast mich mit offenen Armen empfangen, mir Respekt eingeflößt, mir Mut gemacht einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Immer schön bedächtig, nie zu schnell, aber auch niemals Stillstand.

Und nun stehen wir still.

Mein Geschäft ist geschlossen, die Bürgersteige hochgeklappt, Ängste halten Einzug in die Türen vieler charmanter Altstadthäuser. Manchmal habe auch ich Angst. Eine kurze Angst und dann weiß ich: ich habe schon soviel geschafft und es ist nicht die erste bedrohliche Krise, die mir begegnet. Untergehen werden wir nicht, vielleicht zweifeln, auch einmal klagen oder wütend sein, aber wir werden die Chance sehen, die in der Krise liegt. Vieles ist wohl anders, wenn wir aus dieser Phase wieder auftauchen, „anders“ kann aber auch Gutes beinhalten. Stück für Stück baue ich vielleicht das Alte wieder auf, nehme neue Anteile mit hinein oder erschaffe Neues. Ganz sicher entwickle ich mich weiter, werde noch stärker.

Mein lieber Norden, meine lieb gewonnenen Nordlichter, wir sitzen gemeinsam in dieser Krise und wir arbeiten uns auch gemeinsam wieder heraus. Lasst uns alle die Möglichkeit nutzen, die Anderen in neuem Licht zu sehen, uns zu stützen, gemeinsam zu hoffen, viel zu lachen und wenig zu jammern. Ihr seid mir wichtig mit eurer Klarheit und eurem manchmal etwas sprödem und gleichzeitig verbindlichem Charme. Wer den Weg in euer Herz geschafft hat, fliegt da so schnell nicht wieder raus. Wie schön ist es hier zu sein, mit, neben und zwischen euch.

Lasst uns gemeinsam diesem Sturm, der gerade über uns hinweg fegt, unsere Klarheit und unsere Stärke entgegensetzen.

Wir sind die Kapitäninnen & Kapitäne unseres Lebens!

Wie schön, dass es euch gibt!

Mit lieben Grüßen, den allerbesten Wünschen,
dem feinsten Lächeln und breitestem Grinsen,
dem stärksten Hoffen und wildestem Mut,
mit größtem Optimismus – denn alles wird gut!*

Karin Tauer

*vielleicht wird einiges auch anders, aber auch “anders” wird gut sein.

Post aus dem hohen Norden

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