Im Zusammenhang mit der Aktion “Rettet die Bienen” schlagen die Wellen zur Zeit ja sehr hoch. Und die Bauern wehren sich. Bauern, auf deren Wiesen kaum noch eine Blume zu sehen ist – was vor nicht allzu langer Zeit noch anders war. Da waren die Wiesen im Sommer bunt – heute sind sie überwiegend grün. Bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel diese hier: eine Wiese vor Schondorf, die dem Landschulheim gehört und wo Blumen nicht mit Pestiziden ausgerottet werden.

sommerblume mit Pelzbiene
Hier freut sich eine Pelzbiene über den Nektar in einer Witwenblume.

In einer Leserzuschrift im Landsberger Tagblatt zum Thema Bienen retten wies gestern der Vorsitzende des Gartenbauvereins Schwabmünchen, Josef Wehringer, darauf hin, dass die Blumen nicht nur aus den Wiesen verschwinden, sondern auch aus den Vorgärten. Das stimmt und ist besonders gut hier in Schondorf zu beobachten, wo die Reichen und Schönen die Vorgärten ihrer Villen nicht mit Blumen schmücken, sondern Steinwüsten anlegen, in denen Koniferen ihr tristes Leben fristen.

Vor ein paar Jahren kam unser Hausmeister auf die grandiose Idee, unseren kleinen Vorgarten plattzumachen. Er schlug vor, sämtliche Pflanzen und Blumen rauszureißen, eine Plane auf die Erde legen und mit Steinen beschütten. Hie und da könne man ein Loch zwischen die Steine hacken und eine immergrüne Pflanze reinstecken. Als Begründung sagte der pfiffige Mann, auf diese Weise könne man dem Unkraut den Garaus machen. Offensichtlich war er zu faul sich zu bücken, denn er wird u. a. für die Gartenpflege bezahlt.

Als ich von seinem Plan bezüglich des Vorgärtchens hörte, wurde ich sehr wütend und machte der Hausgemeinschaft das Angebot, mich um den Vorgarten selbst kümmern. Unentgeltlich!

Mein Angebot wurde angenommen, und im Vorgarten summen und brummen von April bis Oktober Bienen, Hummeln und andere Insekten und naschen vom leckeren und lebensnotwendigen Nektar.

Am anderen Ende des Grundstücks konnte der Hausmeister seinen Plan übrigens umsetzen, und dort sieht es nun so aus:

Sag mir, wo die Blumen sind – über die Tristesse der Vorgärten

5 Gedanken zu „Sag mir, wo die Blumen sind – über die Tristesse der Vorgärten

  • 6. Februar 2019 um 18:10
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    Diesen Hausmeister kenne ich vermutlich, denn ich wohne auch in Schondorf. Der Mann hat meinen Garten verhunzt. Dazu hatte er aber nur ein einziges Mal Gelegenheit, danach habe ich einen Fachmann engagiert, der was vom Sträucher schneiden versteht.

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  • 8. Februar 2019 um 09:28
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    Renate, es bräuchte mehr Menschen wie dich, die die Natur als Bereicherung und nicht als Störung empfinden. In den Vorgärten geht der Trend ja leider zum pflegeleicht Praktischen. Eine Sammlung der skurrilsten Auswüchse gibt es auf Facebook in der Gruppe “Gärten des Grauens”: https://www.facebook.com/GaertenDesGrauens/

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    • 19. Februar 2019 um 09:10
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      Ich säe in jedem Frühjahr Wildblumen in die Töpfe von Terrasse und Terrasse. Und dort laben sich viele Insekten, von Mai bis Oktober. Dieses Jahr hat sogar eine einzige Blume durchgehalten bis zum ersten Schneefall.

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  • 19. Februar 2019 um 00:32
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    Ich lebe in einem Neubaugebiet … naja, manche Häuser sind mittlerweile um die 20 Jahre alt, aber es ist umgangssprachlich immer noch das “Neubaugebiet”. Einige Häuschenbesitzer sind mittlerweile im Altenheim oder gar verstorben. In die Häuser zieht neues Leben ein. Und was soll ich sagen? Rund um uns herum entstehen Steinwüsten mit ein paar wenigen Koniferen. Klar – alles pflegeleicht. Allerdings: fast jeder neue Eigentümer bringt ein Haustier mit: Hund oder Katze. Natürlich halten sich zwischenzeitlich alle Katzen in unserem Garten auf, jagen Vögelchen, Schmetterlinge oder sonnen sich im weichen Gras. Manchner neuer Eigentümer legt neben der Steinwüste evtl. noch ein kleines Rasenstück an… dann werden Gänseblümchen oder Löwenzahn aus der Erde entfernt … man möchte ja schließlich einen englischen Rasen haben. Wenn ich eine Biene wäre, ich würde auch die Fliege machen … unter solchen Bedingungen!

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    • 19. Februar 2019 um 09:14
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      Offen gestanden verstehe ich überhaupt nicht, wie man so trostlose Koniferen blühenden Blumen vorziehen kann.
      Im vergangenen Sommer habe ich eine Passionsblume (mit ihren erstaunlichen Blüten) gepflanzt, die sehr üppig blühte und ständig Besuch hatte.

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