Zum Thema Reich-Ranicki
Ich konnte ihn nie besonders leiden, den Herrn Reich-Ranicki. Der Grund dafür liegt in seinem Auftreten, das auf mich von je her arrogant, überheblich und besserwisserisch wirkt. Ich kenne viele Menschen, die von gewissen Themen sehr viel Ahnung haben, und mit solchen Menschen zu sprechen, ist immer ein Gewinn. Weil ich von ihnen lernen kann, und weil es Spaß macht, mit ihnen zu diskutieren, denn ich habe zu vielen Dingen eine Meinung – auch wenn sie nicht unbedingt fundiert ist. Und wenn ich gar keine Meinung habe, kann ich mir eine bilden, indem ich Fragen stelle. So, das ist die eine Sache. Die andere Sache ist die, wie jemand seine Meinung vertritt. Damit meine ich,
dass jemand seine Meinung auch zum Besten geben kann, ohne dabei so zu tun, als habe er die Weisheit “mit Löffeln gefressen”. Doch genau so wirkt Herr Reich-Ranicki (auf mich) immer: alle anderen sind doof, nur der Literaturpapst weiß Bescheid und das nicht nur bei Büchern, sondern auch bei anderen Lebensbereichen (ist ja klar, wer so viel Bücher liest…)
Das ist mein Eindruck von diesem Herrn – den ich persönlich nicht kenne, vielleicht wirkt er außerhalb der Öffentlichkeit anders. Soll’s ja geben.
Nun zu seinem Auftritt bei der Verleihung des Fernsehpreises. Dazu muss ich sagen, dass ich seine Schimpf-Attacke nur durch Aufzeichnungen kenne. Die Sendung selbst habe ich nicht angeschaut habe, weil mich derartige Veranstaltungen ähnlich interessieren wie der Musikantenstadl: gar nicht. Herr Reich-Ranicki bemängelt in von ihm gewohnter Weise, nämlich kategorisch, die Qualität des Fernsehens. Dazu gibt es nur zu sagen, das Fernsehen präsentiert lediglich das, was eine Mehrheit der Zuschauer sehen möchte. Denn alles, was der Zuschauer nicht sehen möchte, also geringe Einschaltquoten aufweist, wird zügig vom Programm gestrichen. Das ist Fakt. Und wenn die Menschen Atze Schröder klasse finden, so ist das auch Fakt und kein Grund zum Ausrasten. Dass die Bildzeitung, das am meisten gelesene Print-Medium Deutschlands ist, ist ja auch Fakt und keiner regt sich darüber auf. Das Volk bekommt das, was das Volk will. So lange das ethisch zu vertreten ist, gibt es daran auch nichts auszusetzen.
Was will Herr Reich-Ranicki eigentlich? Er fordert Qualität. Natürlich. Aber was ist Qualität? Und vor allem, wer definiert Qualität? Die Antwort ist einfach: Herr Reich-Ranicki definiert das. Der in die Jahre gekommene, zornige Mann weiß, was Qualität ist. Dabei ist doch bekannt, dass sich über Geschmack trefflich streiten lässt. Und ob ein mit Brillanten besetztes Schreibgerät (Füller) für 20.000 Euro (gesehen bei Mont Blanc) die Menschheit bereichert, steht auf einem anderen Blatt – denn bei einem Füller kommt es auf die Feder an und nicht auf das Design. Erst das macht die Qualität aus. Okay, ich weiß, dieses Beispiel hinkt ein bisschen, aber trotzdem … denn nicht alles, was teuer ist, weist hohe Qualität auf. Hängt immer von der Sichtweise des Betrachters ab.
Zurück zur Qualität des Fernsehens. Herr Reich-Ranicki meint, das Fernsehen sei durchgängig Schrott. Das stimmt nicht! Sobald man selektiv fernsieht, stellt man schnell fest, dass es mehr gute Sendungen gibt als der Zuschauer überhaupt Zeit hat sie zu anzuschauen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob sich der eine für das Leben der Ameisen interessiert (hoch interessant übrigens – die kleinen Krabbler haben ein einmaliges Sozialverhalten) oder der andere bei “Das Wunder von Lengede” Tränen vergießt. Wir haben eine derart hohe Auswahl von Programmen und Sendungen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Immer! Und das ist für mich auch Qualität.
P. S: Elke Heidenreich, die ins selbe Horn stößt wie Herr Reich-Ranicki, meint, Thomas Gottschalk sähe aus wie “ein alter, müder Mann”. Angesichts dieser despektierlichen und völlig nutzfreien Aussage kann kann ich ihr nur empfehlen, einen selbstkritischen Blick in den Spiegel zu werfen…
Noch ein P. S.: Angesichts des Gefühls-Ausbruchs von RR habe ich mich gefragt, ob er gerade wieder ein neues Buch herausgibt. Denn sein Auftritt war ja extrem medienwirksam und hochprofessisonelle PR-Arbeit. Und nun habe ich eine Antwort gefunden: in wenigen Monaten kommt ein Film über sein Leben auf den Markt. Noch Fragen?










Hallo liebe Renate
Mit dem Thema habe ich mich nicht gross beschäftigt, und den Ausbruch dieses Herrn nur über einen Post in einem Blog und den da hineingestellten Videobeitrag mitbekommen. Meine Meinung dazu ist, auch wenn der Herr sooo gescheit ist, kann man von ihm auch etwas Respekt gegenüber Anderesdenkenden oder weniger Gebildeten verlangen. Und was Du jetzt dazu schreibst, macht für mich sehr viel Sinn und das könnte ich voll unterschreiben.
Ein echt gebildeter Mensch ist meines Erachtens auch fähig sein Wissen in einfachen Worten weiterzugeben, ohne sich über die so genannten “Unwissenden” erhaben zu fühlen oder sich sogar über sie lustig zu machen. Letzteres deutet nach meiner Meinung eher nach wenig oder gar keiner Herzensbildung.
Wäre ja wirklich echt scheusslich, wenn er das alles als Werbegag inszeniert hätte!!!
Lieben Gruss, schönes Wochenende und viel Spass beim Joggen!
Elfe
Liebe Elfe, ob es tatsächlich ein Werbegag ist, das weiß ich natürlich nicht. Aber als vor ein paar Jahren Eva Hermann in aller (Medien)Munde war, konnte man deutlich ihre Absicht erkennen: ihr neues Buch.
Herzlicher Gruß von Renate am Ammersee
P. S.: woher weißt du denn, dass ich joggen war?
Hi, hi Du hast es in einem Kommentar in meinem Blog geschrieben *lach*. Oder war das eine andere Renate? Ich habe jetzt Links in meinem Blog von etwa drei verschiedenen Renaten. Doch die Renate vom Ammersee bist doch Du?
Lieben Gruss
Elfe
ah ja, ich erinnere mich – joggen war wieder schön. Ich bin zwar immer noch nicht süchtig danach (wie mir anfangs prophezeit wurde), doch ich raffe mich alle zwei Tage auf und laufe 35 – 45 Minuten. Da ich dauernd vor dem Computer hocke, tut mir das gut und ist gesund. Und hinterher bin ich so richtig stolz auf mich… ;-)
Lieber Gruß und viel Spaß heute Abend!
Renate (vom Ammersee)
liebe renate,
“Das Volk bekommt das, was das Volk will.” brot und spiele. so haben es schon die alten römer gehalten und viel hat sich seidher nicht geändert.
“Sobald man selektiv fernsieht, stellt man schnell fest, dass es mehr gute Sendungen gibt als der Zuschauer überhaupt Zeit hat sie zu anzuschauen. ” selektiv bedeutet bei mir so gut wie gar nicht, schnell feststellen lässt im TV meist alles – insbesonders der ausgang und verlauf diverser sendungen/ filme, ja zeit hat man nicht, weil das was wirklich sehenswert wär zu zeiten kommt die der druchschnittliche arbeiter mit seinen recht fürhen aufstehzeiten nicht schaffen könnte.
begrifflichkeiten wie ethik, qualität sind in der heutigen zeit fast nur noch zu werbeslogans verkommene begriffe. erst gerade stellte ich an anderer stelle fest, daß die gute währung heute die einfachste methodik ist, zwischen “gut” und “schlecht” zu unterscheiden. ein recht einfaches mittel finde ich. aber sind es nich gerade diese einfachen mittel die uns fazinieren ?
aber schon hier liegt ein wesentlicher knackpunkt. einafchheit als qualität in form von stimmlichkeit/ ästhetik oder in form der machart ganz generell ? generell = allesumfassend = verallgemeinert = nur geringfügig authenmtisch.
Lieber Gokui, ja Einfachheit ist grundsätzlich ein gutes Mittel. Egal, in welchem Lebensbereich. Es geht doch nichts über eine leckere Scheibe Brot – zum Beispiel. Auch in meinem Beruf als Grafikdesignerin stelle ich immer wieder fest: weniger ist mehr…
Lieber Gruß von Renate
hallo,
ja die schlicht als mittel der ästhetik faziniert mich immer wieder. sei es in der architektur oder im leben. wobei ich persönlich mit schlichtheit auch den begriff des urbanen in verbindung bringen kann.
aber, die gefahr liegt in dem missverständniss. du gibts eine scheibe brot als beispiel vor. wir beide denken wahrscheinlich an dieses schöne noch warme krustenbrot, wohlduftent aus dem steinofen – von hand aufgeschnitten.
die meisten denken wohl eher an die sorte von labberbrot die es an jeder ecke zu kaufen gibt. beides ist schlicht, dennoch unterscheiden sie sich maßgeblich und zwar im “geschmack”.
Ich kenne nur einen Reich-Ranicki, grantig, hochgebildet. Mein Autoschlosser ist auch grantig und ein Spezialist. Ich habe nichts gegen die Grantigen, die schleimen nicht, quasseln nicht nach dem Mund, schielen nicht nach der Einschaltquote. Ob, manche Dinge als PR-Gag laufen, mag sein, irgendwie müssen wir ja alle Werbung machen um zu überleben. Schon in der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz WIRBT man für sich, also ist die Werbung nicht verwerflich. Anders sieht es mit Atze Schröder, Bildzeitung etc. aus, die halte ich für reine Umweltverschmutzung. Als Beispiel mag die Bild dienen, wozu für den flachen Bödsinn auch nur einen einzigen Ast zu Papier verarbeiten?
E. Heidenreich hat gegen das Arbeitsrecht verstoßen und musste gehen, ich hätte sie auch gekantet. Das Vertrauensverhältnis, unabdingbar in einem Team, ist durch sie zu empfindlich, andauernd gestört worden. Ihren Auftritt sehe ich auch als PR-Aktion, nur eine schlecht geplante. Sie sollte sich andere Berater suchen und das Arbeitsrecht studieren.
Lieben Gruß
Bernd
Lieber Bernd, eine klare, ehrliche Meinung ist mir auch lieber. Die Entrüstung von RR hingegen habe ich als scheinheilig erlebt – wie ich schon oben gesagt habe, hat er einen großen Teil seiner Popularität dem Fernsehen zu verdanken. Und das Fernsehen ist lediglich ein Spiegel des Lebens – wie die Bildzeitung auch. Ich finde Atze Schröder auch “ätzend” und aus genau dem Grund schaue ich mir seine Sendung nicht an. Was immer wieder vergessen wird: ein Fernsehgerät hat Knöpfe – für den Senderwechsel und zum Ausschalten.
Lieber Gruß von Renate
Am liebsten ist mir Bauernbrot – vom Bauern!