Zeitstehler
Vorhin drückt mit der Briefträger einen Umschlag in die Hand. Absender ist der Kundenservice der Firma Gruner + Jahr. Bei diesem Verlag habe ich seit vielen Jahren die Zeitschrift “essen & trinken” abonniert. Ich solle mich doch bezüglich meines Abonnements bei der Serviceabteilung melden. Eine kostenfreie Nummer war auch angegeben. Erstaunlicherweise – denn normalerweise erreicht man den Verlag nur unter einer gebührenpflichtigen Nummer – was ich als Frechheit erlebe.
Da ich in den vergangenen Monaten viel mit Identitätsdiebstahl im Internet zu tun hatte (wobei Abonnements auch eine Rolle spielten), dachte ich, es könne vielleicht damit zusammenhängen und wählte die angegebene Nummer. Ich landete in einer Warteschleife. Warteschleifen sind heutzutage ja nichts Besonderes, ich regte mich also nicht darüber auf. Erfreulicherweise musste ich nicht noch diverse Ansagen anhören und irgendwelche Zahlen tippen, sondern einfach nur warten. Das tat ich also, warten…
Nach einer Weile war ich am Ende der Warteschleife angelangt und eine Frauenstimme begrüßte mich. Allerdings wollte sie erst wissen, wer ich sei, wo ich wohnte und um welches Abo es sich handele. Bereitwillig aber schon leicht verärgert, beantwortete ich all ihre Fragen. Danach endlich kam die Dame zum Punkt: man habe festgestellt, dass ich ihren Newsletter nicht abonniert habe.
Diese Information brachte mein Ärgerfässchen nun wirklich zum Überlaufen. Da bekomme ich einen Brief mit der Bitte um Rückruf. Warum schreibt man denn nicht gleich in dem Brief, worum es sich handelt? Dann kann ich entweder antworten oder das Schreiben dem Papierkorb anvertrauen. Nein, ich soll zum Telefonhörer greifen und meine Zeit verplempern, nur um zu erfahren, dass ich den Newsletter nicht abonniert habe – was ich ja ohnehin weiß.
Die Werbemethoden werden immer subtiler. Ob sie damit allerdings auch erfolgreicher werden, bezweifle ich. Mich hat sie lediglich verärgert. Und würde ich die Zeitschrift nicht so gern lesen, hätte ich das Abonnement heute gekündigt…
P. S.: Um für einen Newsletter zu werben, sollten sich die Fachleute von G+J wirklich was Besseres einfallen lassen. Vielleicht sollten sie mal einen Profi fragen – mich zum Beispiel…










Das wird zunehmen, liebe Renate, die Generation Doof ist am Ruder.
LG Bernd
Hallo Bernd, gestern hat mich mein Bruder angerufen. Er hatte auf seinem Telefondisplay eine unbekannte Telefonnummer entdeckt, dort angerufen und wurde dann mit Werbemüll zugelabert. Darüber war er sehr erbost und wollte einen Beschwerdebrief an die Firma schreiben.
Ich habe ihm davon abgeraten.
Wenn ich eine mir unbekannte Nummer auf dem Disply finde, lösche ich sie einfach…
Lieber Gruß von Renate
Hallo Bernd, gestern hat mich mein Bruder angerufen. Er hatte auf seinem Telefondisplay eine unbekannte Telefonnummer entdeckt, dort angerufen und wurde dann mit Werbemüll zugelabert. Darüber war er sehr erbost und wollte einen Beschwerdebrief an die Firma schreiben.
Ich habe ihm davon abgeraten – weil: Zeitverschwendung. Und ich habe ihm geraten, es so zu machen wie ich: Wenn ich eine mir unbekannte Nummer auf dem Disply finde, lösche ich sie einfach. Und wenn ich – trotz Verbotes – einen Werbeanruf bekomme, lege ich wortlos auf. Wenn ein besonders freundlicher Zeitgenosse dran ist (was selten vorkommt), verabschiede ich mich kurz aber freundlich und wünsche alles Gute. Denn ein Job im Callcenter soll angeblich die Hölle sein…
Lieber Gruß von Renate