Wort zum Samstag
Wenn wir einen Menschen hassen,
so hassen wir in seinem Bild etwas,
was in uns selbst sitzt.
Was nicht in uns selber ist,
regt uns nicht auf.
Hermann Hesse in “Lektüre für Minuten”
Zu diesem Wort möchte ich ein kleines Erlebnis schildern. Es ist viele Jahre her – ich war so um die zwanzig und Gast bei einer Party. Rund dreißig Menschen bevölkerten die Wohnung eines Freundes, unter anderem ein mir unbekannter Mann. Dieser Mann hatte unentwegt die Klappe auf und tat alles, um im Mittelpunkt zu stehen. “Arschloch”, dachte ich immer wieder, konnte meine Augen aber nicht von ihm lassen. Ich beoachtete ihn mit finsterer Miene, und zusehends ging er mir mehr auf die Nerven.
Plötzlich, ich weiß nicht mehr warum und was er nun schon wieder von sich gegeben hatte, durchfuhr mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Erkenntnis: “Menschenskind, Renate, du verhältst ich oft ganz genau wie dieser Typ”.
Zugegeben, diese Erkenntnis war nicht gerade angenehm. Aber sie war sehr hilfreich. Und das ist sie bis heute. Denn immer wieder treffe ich Menschen, über die ich mich ärgere. Und in genau solchen Situationen gehe ich in mich und überlege mir, wo die Ähnlichkeit zu mir sein könnte. Und ich finde die Antwort schnell. Immer!
Ein Gutes hat die Sache übrigens auch. Es gibt nämlich auch Menschen, die ich ganz prima finde, die ich so richtig gern mag. Und in solchen Fällen gilt der Umkehrschluss…











Ja, der Hermann Hesse hat viel gewusst… Man muss ja nicht gleich hassen… es trifft auf alles zu: Das, was mich an einem anderen bewegt, das hat nur mit mir zu tun… Du hast das schon früh erkannt… ich war ein bisschen älter… und wenn jeder so denken würde, dann hätten wir mehr Frieden auf Erden. Es fängt alles bei mir an und ist nur von mir zu lösen :-)
Immer wieder schön, bei dir zu lesen.
Herzlicher Gruß, Brigitte
Liebe Brigitte, ich freue mich, dass du gern hier her kommst!
Ich teile deine Meinung uneingeschränkt … wären wir ALLE selbstkritischer, hätten wir mehr Frieden. Und bestimmt auch sehr viel mehr Gerechtigkeit und Fairness.
Herzliche Grüße zurück – Renate
Manchmal frage ich mich, warum diese Erkenntnis manchmal dann doch nicht zutreffen soll …
Es gibt ja auch die “Erkenntnis”, dass Hass Bindung schafft. Und aus der Ferne betrachtet, finde ich das zwischen einigen Personen bestätigt.