Wer ist verantwortlich?
Die Süddeutsche Zeitung gibt unter anderem dem Fernsehpublikum eine Mitschuld an Samuel Kochs Unfall. Als ich das eben gelesen habe, war ich für einen Moment sehr verdutzt.
Denn trüge das Fernsehpublikum tatsächlich eine Mitschuld, dann wäre die gesamte Menschheit schuld am Desaster unserer Welt. Hunger, Vergewaltigung, Missbrauch, Mord, Totschlag, Krieg, Betrug, Armut, dekadenter Reichtum, Tierquälerei, dümmliche Fernsehsendungen und genauso dümmliche Bücher … es gibt vieles, das ich verurteile. Aber wer ist denn schuld daran?
Meine Antwort lautet: der Mensch an sich. Der Mensch mit seinen spezifischen Eigenheiten wie Egoismus, Machtstreben und last but not least: seinen verdrängten oder sublimierten Selbstzweifeln und dem daraus entstehenden Minderwertigkeitsgefühl. Und weil so ein Minderwertigkeitsgefühl sich beschissen anfühlt, muss es unbedingt aufgemäntelt werden – durch unterschiedliche Methoden. Der eine wird zum machtgeilen Politiker, der andere braucht einen dicken Schlitten, der andere eine Villa, der andere eine Yacht, der andere Applaus, der andere missbraucht Wehrlose … und so weiter. Die Zeitungen sind voll von Berichten über die Fehlleistungen von Menschen. Einzelner oder denen von Kollektiven. Der Mensch als solcher war noch nie “gut” und lediglich das (unbewusste) Bewusstsein, dass jeder Einzelne nur überleben kann, wenn er ein Minimum an Sozialverhalten an den Tag legt, ermöglicht das Überleben. Sonst wäre die Welt tatsächlich ein Sodom und Gomorra und der Mensch hätte sich längst selbst ausgelöscht – aus egoistischen Motiven.
Unter diesem Aspekt dem Fernsehpublikum eine Mitschuld am Unfall eines sportlich-ehrgeizigen jungen Mannes unterzujubeln, finde ich sehr simpel – zu simpel. Außerdem gehören sportliche Herausforderungen schon sehr lange zur Unterhaltung der Menschen. Und Unfälle gab es dabei viele – unter anderem auch tödliche. Und wer trägt die Verantwortung dafür? Über die Antwort auf die Frage kann man lediglich philosophieren – Schuldzuweisungen sind fehl am Platz.










…schuld ist der angeborene Instinkt, sich einem gewissen Risiko aussetzten zu müssen, um sich dann letztendlich wiedermal ( selbst ) zu beweisen, daß man doch noch (über)lebt.
Die Lust deratige Schauspiele als Zuschauer zu begleiten, vermittelt zumindest ansatzweise das gleich Gefühl, auch wenn man es nicht selbst erleben darf.
Im großen und ganzen spielt dabei auch noch eine Hormonausschüttung eine Rolle.
Ja, das sehe ich auch so …