Wechseljahre – ein Tabuthema?!
Der Mensch als solcher ist jung, knackig und leistungsfähig. Eines Tages wird er alt und dann stirbt er.
Ja, das wäre schön. Leider ist dem nicht so, sondern der Mensch befindet sich auf seinem Zenit mit ungefähr 20 und danach beginnt der Alterungsprozess. Weil dieser Prozess aber sehr langsam von statten geht, kann man ihn bis ungefähr 40 ignorieren, danach aber sind die Zeichen des Alterns nicht mehr zu übersehen. Ein Fältchen hier, ein Fältchen dort – manchmal hat man den Eindruck, die kleinen Biester entstehen über Nacht. Man kauft sich (teure) Creme und andere Substanzen, die einem ewige Jugend versprechen, stellt dann aber irgendwann resigniert fest, dass das alles nichts nützt. Der Prozess schreitet unaufhaltsam fort.
Ein Teil dieses Prozesses sind auch die Wechseljahre. Jede Frau erlebt sie, aber kaum eine spricht darüber. Warum eigentlich? Warum sind die Wechseljahre, diese für viele so einschneidende Lebensphase, ein Tabuthema? Die Antwort ist einfach: es ist peinlich. Wie alle Tabuthemen irgendwie peinlich sind. Aber warum ist es denn peinlich älter zu werden? Schließlich bleibt kein einziger Mensch davon verschont. Also sprechen wir doch mal darüber…
Die biologischen Hintergründe für die Wechseljahre, denen angeblich auch die Männer unterliegen – nur auf andere Art und Weise – werde ich hier nicht beleuchten. Ich spreche über die Auswirkungen: Hitzewallungen, Depressionen, Schlaflosigkeit, Haarausfall und deutlich sichtbare Hautalterung. Wer einmal von einer Hitzewallung heimgesucht wurde, weiß, wie unangenehm sie sein kann. In bequemer Kleidung auf dem heimischen Sofa sitzend oder in Nachthemd im Bett liegend, ist sie schon unangenehm genug. Befindet man sich aber gut gekleidet unter Menschen, in einer Besprechung zum Beispiel, erlebt man so einen so einen Schweißausbruch als gemeine Attacke gegen die Menschenwürde, und die läuft so ab: in Brusthöhe herum fühlt man plötzlich so eine Art Schwimmring, der gegen den Körper drückt. Das dauert so ungefähr zwei, drei Sekunden. Dieses Gefühl steigt dann die Wirbelsäule nach oben, in den Kopf. Dabei wird das Gesicht rot und der Schweiß schießt einen aus allen Poren. Steht einem auf der Stirn und auf den Wangen, läuft einem den Rücken herunter, und man möchte sich am liebsten die Kleider vom Leib reißen. Man glaubt sich von einer Sekunde auf die andere in einen extrem heißen Hochsommertag gebeamt. Und bei gefühlten 40 Grad im Schatten steckt man im Kostüm oder im Kaschmirpullover! Ja, so läuft eine Hitzewallung in der Öffentlichkeit ab. Zuhause kann man wenigstens die Bettdecke wegstrampeln oder man wechselt das T-Shirt. In der Öffentlichkeit kann man nur darauf hoffen, dass eine wohlmeinende Fee die Feuchtigkeit in den Klamotten rasch verdunsten lässt, denn die kleben am Körper wie eine zweite Haut und man schwitzt plötzlich nicht mehr, sondern beginnt zu frieren.
Manche Frauen haben ein paar Hitzewallungen pro Tag, manche sechs in der Stunde. Und das rund um die Uhr. Pro Tag ergibt das also rund 150 Attacken! Wer die klaglos erträgt, vor dem ziehe ich den Hut. Ich habe sie nämlich nicht ertragen und ließ mir vom Arzt Hormone verschreiben. Hitzewallungen ade!
Dafür tauchten aber wieder Blutungen auf. Und die waren so stark wie nie zuvor und dauerten bis zu zehn Tage! Per Zufall landete ich dann bei einem Spezialisten und der fand heraus, dass die Hormondosis viel zu hoch war. Und zwar um ein Fünffaches. Hormongaben in den Wechseljahren sind ohnehin umstritten, aber eine fünffach zu hohe Dosis ist definitiv ungesund oder besser gesagt schädlich.
Der Spezialist verschrieb mir also eine angemessene Menge der Hormongaben und meinte außerdem, ich solle DHEA zu mir nehmen. Das würde den Alterungsprozess aufhalten. Ich schluckte brav die kleinen Pillen – bis mich jemand darauf aufmerksam machte, dass DHEA mindestens so umstritten ist wie normale Östrogenzugaben. Ich warf die Pillen in den Müll und die Hormontabletten ebenfalls. Resultat: Hitzewallungen und trockene Haut. Ich ließ mir wieder Östrogene verschreiben.
Dann fand ich in einer bekannten Zeitung einen sehr langen Beitrag über Hormone. Den las ich und war mal wieder total verunsichert. Die Hälfte der Fachleute war FÜR Östrogene, die andere Hälfte war dagegen. Was tun? Nach einem Gespräch mit dem Frauenarzt beschloss ich, der Natur ihren Lauf zu lassen. Erfreulicherweise tauchten die Hitzewallungen nicht mehr auf.
Meine ältere Schwester hatte keinerlei Probleme mit den Wechseljahren. Meine Schwägerin hingegen verfiel in tiefste Depressionen. Die waren so stark, dass sie monatelang stationär behandelt werden musste und jede Hoffnung auf Besserung schon aufgegeben hatte. Heute geht es ihr wieder gut.
Andere Frauen haben Haarausfall, eine Freundin beispielsweise. Seit einiger Zeit trägt sie eine Perücke. Bei mir meint dagegen meine Frisörin, ich hätte schöne dichte Haare. Glück gehabt! Schlafen kann ich auch prima. Auch hier habe ich Glück. Denn sich müde aber wach von einer Seite auf die andere zu wälzen, immer mit der Hoffnung, dass Morpheus einen endlich in die Arme nimmt, das stelle ich mir sehr unangenehm vor. Außerdem ist es nicht nur unangenehm, sondern auch ungesund, weil der Mensch ein bestimmtes Quantum Schlaf braucht, um leistungsfähig in den nächsten Tag zu gehen.
Die Wechseljahre beginnen unterschiedlich. Bei der einen machen sich die ersten Anzeichen bereits mit Ende dreißig oder Anfang vierzig bemerkbar, bei der anderen erst mit fünfzig oder darüber. Gewichtszunahme ist ebenfalls ein Symptom der Wechseljahre, weil die chemischen Abläufe im Körper sich verändern. Bei mir lassen sich die Fettzellen vorzugsweise am Bauch nieder. Ergebnis: meine alten und sehr geliebten Jeans passen nicht mehr. Ich komme zwar noch rein, weil meine Beine nach wie vor rank und schlank sind, aber ich kriege den Reißverschluss nicht mehr zu. Nun nenne ich eine Jeans mit kleinem Stretchanteil mein eigen. Die ist wunderbar, denn der Stoff gibt nach, was nach einem üppigen Essen äußerst vorteilhaft ist.
Auch der Haut sieht man an, dass sie keine zwanzig mehr ist. Meine kurzen Shorts habe ich der Tochter einer Freundin geschenkt – weil eine Frau meines Alters in knielangen Hosen einfach besser aussieht. Dasselbe gilt für Tops mit Spaghettiträgern. Im Sommer trage ich jetzt Shirts und Blusen mit kleinen Ärmeln.
Sie nehme Hormone bis an ihr Lebensende, meinte vor kurzem eine Nachbarin. „Das nützt aber auch nicht viel“, wollte ich schon sagen, hielt aber meinen Mund. Denn ihr Hals sieht halt aus wie der Hals einer Frau über sechzig. Und die Hände ebenfalls.
Das Leben ist ein Prozess, und auch ein Skalpell des Schönheitschirurgen kann nur rudimentär nur an der Oberfläche arbeiten. Dann sieht eine Siebzigjährige dann halt aus wie eine Fünfzigjährige – fein! Am Alter als solchem ändert das aber nichts. Die Uhr tickt und tickt und die Wechseljahre passieren einer Frau halt. Egal, ob sie will oder nicht und ob sie darüber spricht oder nicht. Man kann die Dinge des Lebens ignorieren oder sie akzeptieren. Und ich denke, wenn man sie akzeptiert und ganz offen darüber spricht, kann man auch besser damit umgehen. Unter anderem auch mit den Wechseljahren und deren Konsequenzen.
P. S.: „Das Leben führt unweigerlich zum Tod.“ Ich weiß nicht, von wem dieser Spruch stammt aber er stimmt. Diese Erkenntnis muss einem aber nicht zwangsläufig die Freude am Leben nehmen. Im Gegenteil…










denn der tod muß nicht das ende sein !
hallo renate,
ein sehr informativer einblick was so in frau ab 40 oder ca. so vorgeht. kann es ein das reglmäßige körperliche bewegung zumindest etwas abhilfe schafft ? soll ja auch bei der regelblutung so sein, zumindest bei sportlerinnen.
ja wie geht es mir so in den wechseljahren ? soll ich ehrlich sein ? keinen ahnung ! ich bin sportlich gut unteregs eventuell hilft das ja bei mir bis jetzt. oder ich habe noch keine wechseljahre.
aber mal ganz ehrlich: ich habe gar keine zeit für so´n sche** !
ach und noch mal zum tod: der tod ist das ende der körperlichkeit hier auf erden. mehr wissen wir einfach nicht. wer weiß eventuell stimmt die sache mit den engeln auf den wolken – ewig jung und schön von liebreizendem gesang mit der harfe auf einer wolke…
unter diesem aspekt kann man doch froh sein möglichst schnell sein ableben zu finden.
( nehmt es mit humor. )
Mit einem Freund habe ich neulich darüber gesprochen … möglicherweise ist es so, dass wir – angekommen im Nirwana oder sonst wo – bedauern, nicht früher abgelebt zu haben…. ;-)
hallo renate,
nur neulich drüber gesprochen ? schade…
sollten wir nicht so leben das wir schon hier nicht jede sekunde bedauern ?
ich bin mir schon fast ziemlich sicher, daß es hinterher noch weitergeht.
Na, hast Dich auch an die Wechseljahre herangewagt.
Dazu braucht es Mut, denn populär sind die wirklich nicht und gesprochen wird demzufolge darüber auch nur sehr zögerlich. Entsprechend sind dann auch die Kommentare.
Aber schön, dass es Frauen gibt , die zu dem stehen, was in ihnen abläuft.
Herzliche Grüße
Barbara
Ja, wir sollten so leben, dass wir nicht jede, eigentlich keine Sekunde bedauern. Doch ist das nicht immer ganz leicht…
Liebe Barbara, auf dem Brigitte-Blog, wo ich den Beitrag auch veröffentlicht habe, gab es viele Kommentare, und die meisten teilen meine Ansichten/Erfahrungen. Und die Wechseljahre sind in der Tag ein Tabuthema, und ich denke, es hat auch stark mit dem Jugendlichkeitswahn zu tun. Wer bekennt sich offen zu seinem Alter? Sicherlich einige, doch viele rennen heimlich zum Arzt ihres Vertrauens und lassen sich auf jünger trimmen.
Herzlicher Gruß von Renate
Wechseljahre – ein Tabuthema?!
Nö – ich stehe zu meinen Wechseljahren.
Merke nicht nur körperliche Änderungen und Zipperlein, sondern auch immer mehr im Leben was zu ändern, bzw. zu wechseln….
http://www.tommy.de/2007/07/08/die-wechseljahre-beim-mann
Da einem ohnehin nichts anderes übrig bleibt, als sie zu akzeptieren, ist es bestimmt besser, nicht zu lamentieren, sondern die wechselreichen Zeiten zu nutzen. Das seh ich genau wie du…
Komisch … die erste Reaktion, wenn jemand das Thema Wechseljahre angeht (ich finde den Artikel einfach klasse!) ist immer die, das jemand sagt, ich kenne keine Probleme damit, alles ist ganz easy. Ich bin und bleibe jung, dynamisch … und … und … und. Dann so ganz langsam kommen die ersten Reaktionen und die Bestätigung, “Ich habe auch zu kämpfen mit den Wechseljahren, auf die eine oder andere Weise!”
Lieben Gruss
Emm