Trägt ein Zeitgenosse sich mit einer Kaufabsicht, so ist es durchaus verständlich, wenn er nach dem Preis für das ins Auge gefasste Produkt oder der zu erwerbenden Dienstleistung fragt. Doch was – zum Beispiel – antwortet der Autoverkäufer, wenn ein potentieller Kunde kommt und wissen möchte, was ein Auto kostet? Vermutlich runzelt er verwirrt die Stirn und will dann wissen, mit was für einer Art Auto das Gegenüber überhaupt liebäugelt. Allerdings denke ich, dass niemand auf die Idee kommt, einen Autoverkäufer mit der Frage “was kostet ein Auto?” zu konfrontieren, sondern gleich sein Favoriten-Modell nennt. Dazu sagt er dann auch bestimmt noch, ob er eine Spezialausstattung bevorzugt oder sich mit der Standardausführung zufrieden gibt. Und bevor der Käufer dann eine verbindliche Zahl nennt, wird jedes Detail besprochen. Verständlicherweise.
So, nun schlage ich den Bogen zu einer Frage, die immer wieder an mich gestellt wird, und die lautet: “Was kostet ein Prospekt?” Der Begriff “Prospekt” ist natürlich austauschbar. Er kann genauso gut lauten “Homepage”, “Weblog”, “Flyer”, “Plakat” … und so weiter. Ich soll also wie aus der Pistole geschossen eine Zahl nennen. Eine zuverlässige Zahl selbstverständlich, also eine, die nach oben hin nicht flexibel ist.
Diese Frage stellen mir nicht etwa Menschen, die gerade erst ins Geschäftsleben eintreten, sondern Zeitgenossen, die seit Jahren eine Firma führen. Und da komme ich wirklich ins Grübeln. Wie soll denn jemand den Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung nennen, ohne auch nur eine Ahnung von Art, Umfang, Größe oder Aufgabenstellung zu haben?
Das ist die eine Sache.
Die andere Sache ist allerdings die, dass es – branchenübergreifend – Dienstleister gibt, denen es völlig wurscht zu sein scheint, was für eine Arbeit auf sie zukommt, Hauptsache es kommt überhaupt eine. Und dabei scheint es auch vollkommen wurscht zu sein, wieviel Zeit deren Umsetzung kostet. Hauptsache, es kommen ein paar Kröten in den mageren Geldbeutel.
Was für eine Arbeit solche Dienstleister abliefern, kann sich jeder denken, denn für wenig Geld gibt es normalerweise auch nur wenig oder miserable Ergebnisse. Was ja verständlich ist. Denn schließlich werfen “seriöse” Dienstleister auch nicht mit Phantasiehonoraren um sich, sondern kalkulieren exakt und aus Erfahrung heraus. Und genau diese Erfahrung spielt bei der Honorargestaltung unter anderem auch eine Rolle. Ein frisch gebackener Designer kann seinem potentiellen Kunden nicht das bieten, was ein Kollege mit langjähriger Erfahrung und entsprechendem Know-how bietet. Dass mittlerweile auch erfahrene Dienstleister mit Dumpinghonoraren den Markt überschwemmen, steht auf einem anderen Blatt…
Was zu diesem ärgerlichen Umstand noch hinzu kommt, ist der Computer. So ein Computer ist heutzutage oft mit allen Programmen ausgestattet, die ein Kreativer so braucht. Dass man sein Handwerk verstehen muss, um so ein Programm effizient zu bedienen, scheint vielen nicht bewusst zu sein. Und so wird unbekümmert drauf los gestaltet, völlig unbelastet von dem Wissen um “goldenen Schnitt”, Typografie und anderen Dingen, deren Geheimnisse ein Designstudent im Laufe seiner Semester zu lüften lernt.
Bei der Fotografie verhält es sich ähnlich: im Zeitalter der Digitalkamera glaubt jeder, er sei zum Fotografen berufen. Motiv ausgewählt, Auslöser gedrückt, Ergebnis dem Computer anvertraut … fertig. Bildaufteilung, Belichtungszeit, Blende, Objektiv … all das spielt doch keine Rolle. Geschweige denn die Bildbearbeitung. Eine Digitalkamera ist zwar eine feine und schnelle Angelegenheit, doch jedes mit ihr gemachte Foto sollte bearbeitet werden. Dieser Meinung sind zumindest die Fachleute, und ich teile deren Ansicht. Und demzufolge bearbeite ich jedes Foto. Jedes! Mag es dem Auge des Betrachters noch so gefällig erscheinen. Manchmal genügt es schon, eine zweite Ebene mit einem anderen Modus anzulegen. – Bei diesem Satz werden die meisten schon fragend die Stirn runzeln, weil sie nämlich nicht wissen, was er bedeutet. Aber genau das unterscheidet den Profi vom Laien. Und genau das sieht man dann später an den Ergebnissen.
Texten kann heutzutage übrigens auch jeder. Ist doch nicht so schwierig, mit “Word” ein Textchen in die Tasten zu klappern. Schließlich hatte der Autor zu Schulzeiten eine schöne Drei in Aufsatz und Deutsch. Wozu also einen Texter bemühen, der sein Handwerk in mühseliger Kleinarbeit erworben und in den Jahren verfeinert hat. Nö, das machen Lieschen oder Heiner Müller doch selber. Ist auch viel billiger.
Auch Webdesign kann heutzutage (fast) jeder. Vor allem jene Zeitgenossen, die sich streng genommen “Programmierer” nennen müssten. Das sind jene Menschen, die Programmiersprachen beherrschen und zum Beispiel genau wissen, was hinter den Begriffen “PHP”, “Perl”, “HTML”, “CSS” oder CMS” steckt. Das zu wissen und kompetent damit umgehen zu können, ist eine Leistung, die meine Anerkennung verdient und auch erhält. Einige dieser Fachleute wissen auch genau, wo ihre Grenzen liegen und überschreiten sie nicht. Sie machen also das, was sie können: programmieren. Es gibt allerdings auch viele dieser Fachleute, die ihre Grenzen überhaupt nicht kennen oder sie vielleicht sogar kennen aber trotzdem ignorieren. Denn sie bieten nicht nur das Programmieren von Webseiten oder Weblogs an, sondern auch das Design. Und das Ergebnis kann man allerorten im Internet begutachten. Denn in den meisten Fällen kann ein Programmierer zwar wunderbar programmieren aber nicht gestalten. Umgekehrt verhält es sich übrigens genauso … ein Webdesigner kann gestalten aber nicht programmieren. Bei beiden Varianten bestätigen Ausnahmen die Regel.
Deshalb kann ich nur sagen: Schuster bleib bei deinen Leisten! Denn ein Internist würde auch nie auf die Idee kommen, jemandem einen Zahn zu ziehen, so wie der Zahnarzt nicht auf die Idee käme, eine Magenschleimhautentzündung zu behandeln. – Bei oben beschriebenen Dienstleistungen allerdings stellt sich die Sachlage völlig anders dar. Leider!
P. S.: Der Programmierer, mit dem zusammen ich für meine Kunden Internetseiten und Weblogs gestalte, stellt eine angenehme Ausnahme dar. Will ich von ihm wissen, ob ich – zum Beispiel – diese oder jene Farbe nehmen soll, ist seine Antwort immer: “Renate, ich bin nur ein dummer kleiner Programmierer. Sag mir, welche Farbe ich einsetzen soll, und ich mache es.” Und deshalb macht die Zusammenarbeit mit ihm so viel Spaß. Unter anderem…









Hallo Renate,
Du hast wieder einmal mit Deinem Blog-Eintrag den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ich unterschreibe jedes Wort. Ich arbeite auch, wenn es irgendwie vom Preis her möglich ist, mit Textern und Grafikern zusammen, weil alles kann man nicht perfekt machen. Leider ist das Kostengründen nicht immer gewünscht.
Und ich frage mich manchmal wirklich, was soll bei Projekten rauskommen, wenn man bei einer Ausschreibung bestimmte Sachen nachfrägt weil was unklar ist und dann keine Antwort bekommt. Und wenn man dann nach mehrmaligen Nachfragen nur die Antwort bekommt, man hätte sich inzwischen für einen anderen Dienstleister entschieden.
Das ärgert mich dann immer maßlos. Jemand der schnell ein Angebot macht mit einem Preis der wahrscheinlich nicht haltbar ist, der bekommt den Zuschlag und andere die das genauer kalkulieren wollen, die haben das Nachsehen.
Viele Grüße
M. Betz
Ja, liebe Marita, der andere bekommt den Zuschlag. Und darüber freut er sich erstmal. Aber ich weiß aus langjähriger Erfahrung, dass die Freude nicht lange währt. Denn gerade die Zeitgenossen, die “billig … billig” fordern, wollen erst dies, dann das und dann noch jenes. Und das alles zu Schnäppchenpreisen…?!
Vor ein paar Jahren habe ich ein Fixhonorar vereinbart – für die Gestaltung einer Homepage. Mein Entwurf löste Begeisterung aus, und ich freute mich natürlich. Dann ging die Arbeit los. Der Header wurde vereinbart, ich machte stundenlange Bildbearbeitung/Bildmontage. Nachdem ich damit fertig war, hat die Kundin es sich anders überlegt und wollte einen völlig anderen Header. Meine Arbeit war für die Katz. Und so ging es weiter und weiter … bis ich eines Tages sagte, dass weitere Änderungen im Honorar nicht mehr inbegriffen seien. “Wieso?” lautete die Frage, “wir haben doch ein Pauschalhonorar vereinbart….” Diese Frage stellte keine Berufsanfängerin, sondern eine Geschäftsfrau mit vielen Jahren Berufserfahrung…. !
Wer meine – völlig marktüblichen – Honorare nicht bezahlen kann/will, soll sich einen Billiganbieter suchen. Und dort bekommt er dann, was er verdient. Geringe Leistung zu einem geringen Preis. Und das ist auch nur fair. Für alle Beteiligten. Ich mache keine falschen Kompromisse mehr, denn das ist immer und ausschließlich ein Schuss in den Ofen.
Herzlicher Gruß nach Garmisch – von Renate
P. S.: Wegen unserer anvisierten Gemeinschaftsveranstaltung sollten wir demnächst mal telefonieren.
Liebe Renate,
ein wirklich schöner Beitrag, mitten aus dem Leben gegriffen, den ich mit der Frage: – Was kostet eine Buchhaltung? – fast bis ins Unendliche weiterführen könnte. Deine Aussage für wenig Geld gibt es normalerweise auch nur wenig oder miserable Ergebnisse, kann ich aus meiner Erfahrung dahingehend ergänzen, dass derartige Sparmaßnahmen unter Umständen auch richtig teuer werden können.
Ein Beispiel aus meiner Praxis. Einer meiner ehemaligen Arbeitgeber ließ aus Kostengründen seine Buchhaltung in einem externen Büro machen – preiswert. Bis zu dem Zeitpunkt, als es im Zuge einer Steuerprüfung zu einer saftigen Nachzahlung kam.
Danach kam ich auf Empfehlung in diesen Betrieb und stellte bald fest, dass die Nachzahlung wegen falscher Buchungen zu Stande kam. Instandhaltungskosten wurden in den Wareneinkauf gebucht. Klar, dass da der Wareneinsatz nicht stimmen konnte. Die Frist, um Einspruch zu erheben war bereits abgelaufen – teueres Lehrgeld!
Bei einem anderen Unternehmer wurden in schöner Regelmäßigkeit Versicherugserlöse versteuert. Auch da kam ein stattliches Sümmchen zusammen.
Ich könnte ewig so weiterschreiben. Vielleicht greife ich das Thema nochmals auf meiner eigenen Seite auf.
Was ich aber noch sagen mag. An dieser ganzen Misere ist die Werbung nicht ganz unschuldig. Erstellen Sie sich in 5 Minuten ihre eigene Webseite! Oder in drei Schritten zum eigenen Blog!
Naja.
An unserer Website saßen mein Mann und ich damals viele Tage. Nicht um Geld zu sparen, sondern einfach um zu sehen wie das geht und von was wir sprechen, wenn wir unseren Kunden welche verkaufen. Mit meinem Wissen um den Arbeitsaufwand kann ich viel besser in ein Preisgespräch gehen und die Preisvorstellungen der Agentur, mit der wir inzwischen zusammen arbeiten, durchsetzen.
Es werden auch preiswerte Buchhaltungsprogramme angeboten. Wer ein Buchhaltungsprogramm bedienen kann, kann aber noch lange keine Buchhaltung. Manschmal sind Buchhaltungsprogramme fehlerhaft und die Hersteller sind sehr dankbar, wenn sie darauf hingewiesen werden. Manche zeigen sich sogar erkenntlich.
Übrigens unsere Firmenwebsite ist jetzt auch in Profihand. Ich bin schon auf das Ergebnis gespannt.
Viele Grüße
Christa
Hallo Renate, oh ja, und in vieeelen anderen Bereichen (ich möchte fast sagen in allen!) ist es das gleiche Übel. Jeder kann heutzutage alles, egal ob Hobby, Sport oder Beruf.
Mein Mann ist selbständiger Fliesenleger, was glaubst Du wie viel der im letzten Jahr – ich sag mal – “ausgebessert” hat, was andere “talentierte Laien” vor ein paar Jahren gemacht bzw. vor kurzem angefangen haben (jepp, ab und zu hat es sogar was Gutes…!)?
Ich komm ja aus der Landwirtschaft und hab z. B. das Heu machen von der Pieke auf gelernt. Es gibt Städter, die kaufen sich einen Hof, schaffen sich Tiere (bevorzugt Pferde) an und glauben, weil sie schon mal Heu gefüttert haben, können sie es auch machen. Übel übel zum Teil was die so ernten, schlimm ist nur, daß die Pferde es fressen und letztendlich auch büßen müssen. Freuen tut sich dann der Tierarzt.
Einige der “Ich-kann-alles-selber-Leute” machen den Fehler öfter, die anderen nie wieder. Und das gibt doch Grund zur Hoffnung, oder?
In dem Sinne ein schönes Wochenende, Renate
Ja, liebe Namensschwester, das gibt Grund zur Hoffnung. Hoffen wir, dass der Grund auch begründet ist … ;-)
Viele Grüße von Renate
P. S.: aus meiner Lebenserfahrung weiß ich, dass es immer sehr teuer wird, wenn man an der falschen Stelle spart. Qualität hat einfach ihren Preis, das müsste eigentlich jeder begreifen, der sein Gehirn einschaltet. Es gibt auch keinen Porsche für den Preis eines Fiats … bei Autos zum Beispiel wird das akzeptiert. Bei Dienstleistung leider nicht.
…nochmal Renate an Renate :-)
Schon mein Opa hat immer gesagt “Das Billigste ist am Schluß das Teuerste” – viel Wahres dran wenn man drüber nachdenkt…!
Allerseits ein schönes Wochenende, Renate
Liebe Renate, in sehr vielen Betrieben wird Kostenminimierung als einzig wirksame Überlebensstrategie gesehen. Das führt dazu, dass z.B. die Webseite eines Unternehmens von einem Mitarbeiter betreut werden muss, der an sich durch seine Hauptjob voll ausgelastet ist. Aus- und Weiterbildung werden auch nicht geboten. Ein Budget für die Webseite ist nicht eingeplant. So bleibt dem mit der Zusatzarbeit Geschlagenen kaum Zeit sich intensiv mit Programmierung, Gestaltung usw. zu beschäftigen. Dementsprechend verhunzt kommt die Seite daher.
Lieben Gruß
Bernd