Viele Menschen verfluchen das Internet. Ich nicht. Ich liebe es! Denn es ist ein schier unerschöpflicher Quell an Informationen. Viele davon braucht man nicht, einige aber sind SEHR nützlich. Mein Erlebnis von heute:

Vergangene Woche stellte ich fest, dass bei meinem elektronischen Autoschlüssel das Abdeckplättchen für die Öffnen-Funktion schon fast ausgebrochen war. Also brauchte ich ein neues Gehäuse. Das fand ich wo? Im Internet. Ich bestellte es, und drei Tage später kam es an.

Ich wechselte das Gehäuse. Ging ganz einfach!

Heute wollte ich zum ersten Mal nach dem Gehäusewechsel mit dem Auto wegfahren und steckte den Schlüsssel ins Zündschloss. Der Anlasser rödelte zwar, aber der Motor sprang nicht an. Hmh! Ich versuchte es nochmal. Wieder rödelte der Anlasser, der Motor sprang aber immer noch nicht an. Dafür zeigte mein Bordcomputer folgende Nachricht: „Anomale Wegfahrsperre“. Was war das denn? Ich rief meine Autowerkstatt an.

Der Mitarbeiter gab mir den Tipp, den Ersatzschlüssel auszuprobieren. Ich habe Gottseidank einen … das Auto sprang an.

Ich zur Autowerkstatt gefahren – mit beiden Schlüsseln. Tja, sagte man dort, auf die Schnelle könne man dazu nichts sagen. Ich solle beim anstehenden Reifenwechsel den Schlüssel da lassen, man würde dann versuchen, die Ursache für das Problem zu finden – und zu lösen.

Und jetzt komme ich zur Sache: Wieder daheim,googelte ich nach dem Begriff „anomale Wegfahrsperre“ und fand relativ schnell folgende Information: In so einem Gehäuse für einen elektronischen Schlüssel ist ein „Transponder“ installiert. Den muss man aus dem alten Gehäuse entfernen und im neuen installieren.

Aha! Das hatte ich natürlich nicht gemacht, denn ich wusste nichts von einem Transponder. Und deutlich sichtbar ist er weiß Gott auch nicht … man nimmt ihn nur wahr, wenn man explizit danach sucht.

So, das mit dem Transponder wusste ich nun. ABER: Mein altes Schlüsselgehäuse befand sich bereits im Müll. Bravo!

Ich die Taschenlampe geschnappt und (mit wenig Hoffnung) zum Fahrradkeller getappt – denn dort stehen die „gelben Tonnen“. In eine davon hatte ich meinen Kunststoffmüll inklusive altem Schlüsselgehäuse entsorgt. Vorgestern …

Manchmal braucht der Mensch einfach Glück, und ich hatte es heute. Denn keiner meiner Nachbarn hat nach mir seinen Müll entsorgt, „meiner“ lag also an oberster Stelle. Ich fischte Stück für Stück raus, warf es in den zweiten Container und arbeitete mich auf diese Weise schnell vor. Und, was soll ich sagen? Es dauerte keine fünf Minuten, und mein altes Schlüsselgehäuse tauchte auf. Heureka!

Ich damit nach oben, Schraubenzieherchen aus meiner Schreibtischschublade geholt und das Gehäuse aufgehebelt. Und tatsächlich: in der rechten unteren Ecke entdeckte ich den völlig unscheinbaren Transponder.

schluessel-transponder

Im Internet hatte ich noch einen ganz hervorragenden, super, klasse, prima Tipp gefunden: den Transponder an das neue Schlüsselgehäuse kleben und mit dieser Konstruktion dann versuchen, das Auto zu starten.

Ich mit Tesafilm die alte Gehäusehälfte mit dem Transponder an das neue Gehäuse geklebt und ab damit – zu meinem Auto, einem Peugeot-Cabriolet. Es hat zwar schon viele Jahre auf dem Buckel, aber ich liebe es wie am ersten Tag – das Design ist so genial und mein kleiner schwarzer Löwe hat nichts von seiner Schönheit verloren.

So, nun wurde es spannend! Ich steckte die Schlüsselkonstruktion ins Zündschloss … und drehte sie um. Und? DER MOTOR SPRANG AN!

Ich werde nun den Teufel tun, und versuchen, den Transponder aus dem alten Gehäuse zu hebeln und ins neue zu drücken. Das überlasse ich dem Fachmann in meiner Autowerkstatt. Nicht, dass mein süßes kleines Transponderchen zerbricht. Denn einen neuen Schlüssel programmieren zu lassen, ist eine teure Angelegenheit. Soll so um die 200 Euro kosten!!!

PS: Dass bei dem Ersatzgehäuse kein Hinweis auf den Transponder steht, finde ich allerdings mehr als kundenunfreundlich. Woher soll denn ein Laie wissen, dass man den Transponder wechseln muss? Zumal man ihn gar nicht wahrnimmt … weil er so unscheinbar in der rechten Ecke steckt. Dass der Mitarbeiter der Autowerkstatt mich nicht auf die Transponder-Sache hingewiesen hat, ist dann die nächste Sache. Denn das verstehe ich auch nicht …

Warum ich das Internet liebe

11 Gedanken zu „Warum ich das Internet liebe

  • 6. November 2017 um 19:47
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    Ja, nichts hat unser Leben so verändert wie die Elektronik – und das nicht nur zum Besseren! Und das meint ein Elektroniker.

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  • 6. November 2017 um 20:49
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    Nun ja, in Zeiten vor dem Internet hatten Autoschlüssel auch noch keinen Transponder. So gesehen hilft uns die moderne Technik Probleme zu lösen, die wir ohne die moderne Technik gar nicht hätten.

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    • 6. November 2017 um 21:13
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      Stimmt, Leo. Unter diesem Aspekt habe ich die Sache noch nicht betrachtet.

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  • 6. November 2017 um 22:07
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    Wenn einer, der mit Mühe kaum…..

    Daran erinnert mich die kleine Geschichte ein wenig. Aber trotzdem, ich habe auch schon sehr viel Hilfe im Internet gefunden, die dann nicht nachgearbeitet werden musste. Also wohl Fluch und Segen zugleich, dieses Internet.

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    • 7. November 2017 um 15:36
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      Jetzt musste ich schon wieder das Internet bemühen, lieber Axel. Denn deine Anfangsworte waren mir unbekannt. Bis jetzt. Denn nun weiß ich:

      „Wenn einer, der mit Mühe kaum
      Gekrochen ist auf einen Baum,
      Schon meint, daß er ein Vogel wär,
      So irrt sich der.“
      Wilhelm Busch

      Ich weiß nun nicht, weshalb dir dieser Spruch angesichts meines Blogbeitrags in den Kopf geschossen ist, aber ich kann verlautbaren: Ich strebe keine Laufbahn als Autoschrauber an … :-)

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  • 6. November 2017 um 22:56
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    tolle Geschichte und klasse, das der Müll noch da war. Ich liebe das Internet auch sehr und nutze es oft. Teilweise auch über mein Smartphone beim Fernsehen, wenn ich etwas sehe, was mich interessiert und ich es schnell hinterfragen möchte. Mein Schatz meckert dann zwar manchmal, von wegen muß das jetzt sein, aber das ist mir dann auch egal. Ich bekomme meine Antwort und bin zufrieden.

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    • 7. November 2017 um 15:37
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      Du scheinst auch so ein neugieriger Mensch wie ich zu sein, liebe Christiane. Zu fragen (Dinge zu hinterfragen) war schon immer meine Angewohnheit. Nicht unbedingt zur Freude meines Umfelds …

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      • 8. November 2017 um 12:43
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        neugierig, interessiert und wissensdurstig …;-))

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  • 7. November 2017 um 08:13
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    Naja, das Internet löst schon Probleme, die wir vorher auch hatten. Hatte zuletzt meinen Schlüssel, sowie das Smartphone, mit dem man das Auto auch öffnen kann, im Wagen gelassen und natürlich hat der Wagen verriegelt. Früher wäre das teuer geworden. Nicht in diesem Fall. Einen netten Passanten um sein Telefon gebeten, beim Service meines Herstellers angerufen, die notwendigen drei persönlichen Fragen beantwortet und schon wurde der Wagen über das Internet geöffnet. Fand ich in dem Augenblick echt prima.

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  • 7. November 2017 um 19:27
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    Und das mit den 200 € ist auch ein Beschiss. Ist eine Arbeit für 3 Minuten.

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    • 7. November 2017 um 19:30
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      Ja, das sind die Bereiche, wo die Unternehmen so richtig abzocken können. Ich erinnere mich noch an einen Staubsauger, wo ich den Beutel (damals noch aus Stoff) versehentlich in den Müll geworfen habe. Der neue Beutel hat fast so viel gekostet wie der ganze Staubsauger.

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