Mitten in Schondorf wurde ein Wald abgeholzt, und keiner hat was dagegen unternommen.

Es war nicht das erste Mal in relativ kurzer Zeit, dass in dem südlich von meiner Wohnung gelegenen Wäldchen die Motorsägen kreischten. Vor zwei Jahren bereits wurden in dem Waldstück zwischen Pfitznerstraße, Kapellenberg und Seeberg Bäume gefällt. Viele Bäume. Dabei handelte es sich um Fichten, und als Grund für die umfangreiche Fällaktion wurde der Borkenkäfer angegeben.

So so, der Borkenkäfer, der olle Bösewicht. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass in unmittelbarer Nähe des Wäldchens, nämlich an der Ost, Süd- und Westseite, etliche sehr alte Fichten stehen, denen der kleine Rüsselkäfer keine Aufmerksamkeit geschenkt, sondern die Grundstücksgrenzen konsequent eingehalten hat. Braves Tierchen!

Nun, die Fichten auf den Waldgrundstück waren weg. Seit ein paar Tagen sind nun auch die Laubbäume weg. Über den Grund dafür kann nur spekuliert werden, denn der Eigentümer des ehemaligen Wäldchens hat keine Genehmigung für den Kahlschlag eingeholt, sondern eigenmächtig, wie wir es von etlichen wohlhabenden Zeitgenossen kennen, nahezu alle Bäume gefällt.

Wie einem Artikel in der „Augsburger Allgemeinen“ zu entnehmen ist, wurde vor Jahren versucht, das Waldgrundstück in ein Baugrundstück umzuwandeln. Der Antrag wurde nicht genehmigt. Daraufhin hat der ehemalige Besitzer, die Stadt Augsburg, den Wald verkauft.

Nun fragt man sich ja, wer kauft in einem am Ammersee gelegenen Dorf mit seinen extrem hohen Grundstückspreisen einen Wald? Wobei weniger die Frage nach dem Wer relevant ist, als vielmehr die nach dem Warum. Jeder, der 1 und 1 zusammenzählen kann, kommt auf folgende Antwort: „Weil der Käufer damit Gewinn erzielen möchte.“

Die zweite Frage lautet: „Wie kann man mit einem Wäldchen Gewinn erzielen?“ Mit Forstwirtschaft vielleicht? Nein, dazu ist das Wäldchen viel zu klein. Also womit dann?

Auch hier liegt die Antwort auf der Hand: „Indem man aus dem Waldgrundstück ein Baugrundstück macht, luxuriöse Häuser darauf errichtet und sie für viel Geld verkauft“. Der Ammersee wird zwar der „Bauernsee“ genannt, aber in Seenähe kann man sehr viele Häuser betrachten, in denen definitiv keine Bauern wohnen, sondern reiche Menschen residieren.

Die nicht ganz so Reichen kaufen als Alternative zur Villa am See Eigentumswohnungen mit Seeblick, und betrachtet man die Lage des ehemaligen Wäldchens,
wald

dann stellt sich bereits die nächste Frage: „Wie lange wird es dauern, bis hier exklusive Häuser mit luxuriös ausgestatteten Eigentumswohnungen für wunderschöne und wohlhabende Menschen stehen?“

P. S.: In dem oben erwähnten Artikel ist zu lesen, dass der Schondorfer Bürgermeister vollmundig erklärt hat, der unerlaubte Kahlschlag werde ein Nachspiel haben. Auf dieses Nachspiel bin ich sehr gespannt. Und ich befürchte, wird es anders aussehen, als das „gemeine“ Volk es sich wünscht und erwarten könnte.

Noch ein P. S.: Dass die Laubbäume auf dem Foto unten nicht ebenfalls der Motorsäge zum Opfer gefallen sind, haben sie vermutlich nur der Weitsicht eines Wäldchen-Nachbarn zu verdanken. Denn der hat vor einiger Zeit die Chance genutzt, und ein Teil des Grundstücks gekauft. Er wird schon gewusst haben, warum …

baeume

Leopold Ploner hat einige interessante und weiterführende Informationen auf seinem Schondorf-Blog veröffentlicht. Und letztendlich hat er dieselben Vermutungen wie ich – und andere Schondorfer Zeitgenossen.

Wald abgeholzt – mitten in Schondorf

2 thoughts on “Wald abgeholzt – mitten in Schondorf

  • 28. Februar 2016 bei 18:17
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    Ich wohne zwar in München, liebe aber den Ammersee. Was da abgelaufen ist, finde ich haarsträubend. Dass eine (womöglich abgekartete) Strategie dahintersteckt, finde ich auch naheliegend. Es würde mich auch nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit aus dem Waldgrundstück, das ja jetzt mangels Bäumen keines mehr ist, kurzerhand ein Baugrundstück gemacht wird.
    Ich bin mir sogar sehr sicher. Sollte ich mich in meinen Befürchtungen irren, wäre ich froh. Aber bislang habe ich mich noch selten geirrt.

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  • 28. Februar 2016 bei 23:16
    Permalink

    Wie das Nachspiel lauten wird? Saublöde Frage! Selbstverständlich wird hier nicht „aufgeforstet“, sondern gebaut. Wer was anderes glaubt, muss wirklich dämlich sein.
    P. S.: Renate Blaes kennt meinen Namen, den ich nicht in aller Öffentlichkeit preisgebe.

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