Immer finde stolpere ich im Internet über Artikel, die so kompliziert ausgedrückt sind, dass ich mich sehr anstrengen muss, um zu verstehen, was der Autor/die Autorin damit sagen will. Da ich aber keine Lust habe, mich bei absichtlich verschwurbelten Artikeln anzustrengen, geht dessen Aussage an mir vorbei. So auch bei Artikeln von Markus Klaue.

Aber nicht nur Herr Klaue kann sich unverständlich ausdrücken, über diese Fähigkeit verfügen auch andere Zeitgenossen. Eben habe ich wieder einen Satz entdeckt, dessen Aussage ich nur vermuten kann.

„Dadurch werden u.a. kollektive Erfahrungs- und Erlebniswerte evoziert, die die situative Barriere zwischen den Interaktionspartner_innen herabsenken können, oft zugunsten eines suggerierten, querschnittartigen Gemeinschaftsgefühls.

Er ist zu finden auf dem blog von satzbauwerk und man kann ihn bestimmt auch so formulieren, dass ihn ein durchschnittlich gebildeter Bürger beim ersten Durchlesen versteht. Gibt es Vorschläge?
Wenn ja, bitte als Kommentar schreiben.

So kompliziert wie möglich

16 thoughts on “So kompliziert wie möglich

  • 2. April 2015 bei 12:54
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    Guten Tag Frau Blaes,

    mein Blog ist auf Wissensmanagement ausgerichtet. Deshalb ist mir wichtig, meine Texte möglichst präzise zu formulieren. Dass ein solcher Schreibstil nicht zu jeder Lesegewohnheit passt, ist mir durchaus bewusst. Allerdings störe ich mich nicht daran, denn als Autorin spiegelt sich meine Haltung u.a. in einem Bonmot von Albert Einstein wider: „Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher.“

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    • 2. April 2015 bei 19:58
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      In einem Fachbereich ist auch die jeweilig angebrachte Ausdrucksweise unmissverständlich anzuwenden. Abgesehen davon, dass ich Ihren Text verstehe, stimme ich mit Ihnen überein.

      Schuster bleib bei deinem Leisten – ist auch ein passendes Sprichwort, denn wenn ein Tischler einen fachspezifischen Text verfasst, werden sich Laien auch kaum auskennen.

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  • 2. April 2015 bei 13:03
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    Vielen Dank für Ihre Antwort, Frau Chantelau!

    „Wer eine nicht für sich selbst bestimmte, quaderförmige Ausschachtung in der Pedosphäre vornimmt, wird sich deren Sohlbereich unter Einfluss der Gravitation nähern.“

    Klartext: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

    Ich finde die zweite Variante äußerst präzise und bin mir ziemlich sicher, dass sie auch Einstein besser gefallen hätte …

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  • 2. April 2015 bei 13:28
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    Wie schon auf FB geschrieben. Klingt mir nach „Wer das versteht, ist vom gleichen Stamm.“ :-)

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    • 2. April 2015 bei 13:34
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      „Der Gebrauch von Metaphern kann Verständigungsprobleme verringen …“, das wäre meine Übersetzung.

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  • 2. April 2015 bei 13:55
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    Mein Vorschlag: Metpahern erleichtern die Kommunikation.

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  • 2. April 2015 bei 13:56
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    Wie man sehen kann, hab ich ja schon Probleme mit dem Wort „Metapher“ … ;-)

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  • 2. April 2015 bei 14:07
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    Manchen Texten sieht man an, wie sehr der Autor sich bemüht hat.
    Um mIssverständnisse zu vermeiden: Das war jetzt kein Übersetzungsversuch.

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  • 2. April 2015 bei 14:08
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    Ich hätte ja schon Probleme, den Satz fehlerfrei abzuschreiben, geschweige denn zu erklären.

    Mal ernsthaft, muss sowas wirklich sein? Gerade, wenn ich doch einen Artikel einer breiten Öffentlichkeit zukommen lassen möchte, sollte ich doch darauf achten, dass ihn auch der normale, unstudierte Mensch verstehen kann, ohne sich fast jedes Wort vorher in Google übersetzen lassen zu müssen.

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  • 2. April 2015 bei 18:29
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    Es gibt Menschen, und davon nicht zu wenige, die vor allem sich selbst beweisen müssen, wie gebildet sie sind.
    Ich liebe intelligente und gebildete Menschen, aber ich lieber auch gute Texte. Unter einem guten Text verstehe ich einen Text, den jeder versteht. Alles andere bezeichne ich als „Hirnwichserei“. Sorry für diesen deftigen Ausdruck, aber ich habe ihn schon vor Jahren geprägt – im Zusammenhang mit Formulierungen, die nur einem dienen: demjenigen, der sie von sich gibt.

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  • 3. April 2015 bei 01:40
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    Das ganze erinnert mich gerade an meinen Deutschlehrer am Gymnasium: Dessen Steckenpferd war die Differenzierung. Versuchten wir das als Schüler indem wir möglichst viele Fremdwörter aneinander reihten bekamen wir das regelmäßig als Pseudodifferenzierung groß und rot angestrichen im Text:
    Ich denke das triffts am besten: Pseudodifferenzierung!

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    • 3. April 2015 bei 11:20
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      Pseudodifferenzierung – diesen Begriff werde ich mir merken!

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  • 3. April 2015 bei 10:54
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    „Hirnwichserei“:
    Die profane Übersetzung des geflügelten Ausdrucks „Geistige Onanie“ ?!

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  • 3. April 2015 bei 11:50
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    In einem Buch von Wolf Schneider, dem Meister der deutschen Sprache, habe ich folgenden Satz gefunden: Cicero: „In der Rhetorik ist es der größte Fehler, von der gebräuchlichen Redeweise und dem gemeinen Menschenverstand abzuweichen.“

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  • 3. April 2015 bei 14:29
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    Finde auch, dass die von der Autorin beabsichtigte Aussage kaum zu erkennen ist. Sicher, jedes Fach hat seine Sprache. Hier kommt aber hinzu, dass die Autorin doch verstanden werden will, und zwar auch von Menschen, die keine Fachleute sind.
    Es kommt noch hinzu, dass sie in ihrem eigenen Satz Widersprüche resp. Fragen aufbaut. So gibt es sicher situativ „gegebene“ Barrieren, jedoch keine „situativen Barrieren“.
    Es darf auch gefragt werden, ob Werte „evoziert“ werden können, zumal, wenn es sich um „kollektive … Werte“ handelt. Hinzu kommt die Frage, ob diese Erfahrungen und Erlebnisse kollektiv erworben sind oder lediglich als kollektiv gelten dürfen, das ist auch ein anderer Wortsinn, weil davon ausgegangen werden kann, dass viele sie individuell erworben haben und diese identisch sind. Es ist dann nach meinem Verständnis ein Pleonasmus, damit fortzufahren, dass diese kollektiven Werte „zugunsten eines … querschnittartigen Gemeinschaftsgefühls ….“, ja, was denn? Und bei all dieser Bedeutung von „evozierten Werten“ wird dann angenommen, dass ein querschnittartiges Gemeinschaftsgefühl womöglich nur suggeriert ist.
    Sollte ich falsch liegen, eines bleibt: Das Zitat zeigt, wie problematisch es ist, Fremdwörter aus ihrer Fachlichkeit zu reißen und in anderen Fächern einzusetzen, es zeigt, wie problematisch es ist, in einer Definition mit so vielen und zum teil hochdispositiven Begriffen zu arbeiten.

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    • 4. April 2015 bei 09:52
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      Gut getroffen! Einige dieser Fragen sind auch mir durch den Kopf gegangen. Darüber hinaus rätsel ich auch noch darüber, wie sich wohl das „querschnittartige Gemeinschaftsgefühl“ beispielsweise vom längsschnittartigen unterscheiden mag.

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