Skimming: Mein Bruder – ein Betrüger!?

Die Postbank scheint das Geldinstitut mit den geringsten Sicherheitsvorkehrungen im Zusammenhang mit ihren Geldautomaten zu sein. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man sich im Internet schlau macht und ein bisschen zum Thema “Skimming” googelt. Denn im Gegensatz zu den meisten Banken, hat die Postbank keine Überwachungs-Kamera bei den Geldautomaten installiert. Warum das so ist, das weiß keiner, nur die Postbank. In bestimmten Situationen ist so eine Kamera nämlich von großem Vorteil – unter anderem dann, wenn irgend ein Zeitgenosse Kontozugangsdaten an sich gebracht hat. “Skimming” nennt man das. Und Skimming-Vorfälle nehmen zu. Mein Bruder ist auch davon betroffen.

Er hat das festgestellt, als er seinen Kontoauszug betrachtet hat. Darauf befand sich nämlich eine Barabhebung von 800 Euro, doch weder er noch seine Frau haben das Geld abgehoben. Und der Zeitpunkt der Abhebung war nach Mitternacht an einem Geldautomaten einer Filiale, die sie ohnehin nie frequentieren und außerdem lagen um diese Zeit beide bereits im Bett.

Also ging beim Bruder in die Bankfiliale seines Vertrauens und meldete den Vorfall. Er gab seine Karte ab, und die Kartendaten wurden gesperrt. Nun hätte mein Bruder auch gern die 800 Euro wieder gehabt – schließlich haben weder er noch seine Frau dieses Geld je gesehen. Die Postbank aber weigert sich, die gestohlenen 800 Euro zu ersetzen und und schreibt folgendes: “Die Verfügung wurde mit Ihrer Karte sowie unter Eingabe der Geheimzahl getätigt… Der Einsatz einer sogenannten Kartendublette im Inland ist aufgrund besonderer Sicherheitsmerkmale der Geldautomaten ausgeschlossen”.

Bei dem “Sicherheitsmerkmal” handelt es sich um das sogenannte “MM-Merkmal”. Und in diesem Zusammenhang schreibt die Postbank meinem Bruder: “Die Verfügung wurde mit Ihrer Karte sowie unter Eingabe der Geheimzahl getätigt…Der Einsatz einer sogenannten Kartendublette im Inland ist aufgrund besonderer Sicherheitsmerkmale der Geldautomaten ausgeschlossen”. Dabei pfeifen es ja die Spatzen von den Dächern, dass es sehr wohl möglich ist, Karten zu duplizieren. Im Internet steht zum MM-Merkmal übrigens folgendes: “Das kapazitive MM-Merkmal hat jedoch den Nachteil, dass es recht störanfällig ist. Insbesondere Temperatur- und Luftdruck-schwankungen können die elektrostatischen Eigenschaften verändern und zu Erkennungsfehlern führen. Viele Banken deaktivieren daher die Prüfung des MM-Merkmals an Wochenenden, um das versehentliche Einziehen gültiger Karten zu vermeiden.” Diese Information stammt von einem, der es vermutlich sehr genau weiß und der noch mehr zum Thema schreibt.

Die 800 Euro wurden übrigens am Wochenende abgehoben! Mein Bruder hat all dies der Postbank mitgeteilt. Reaktion: keine.

Mein Bruder ist auch zur Kriminalpolizei gegangen und die wiederum hat bei der Postbank “Lichtbilder” vom Abhebevorgang angefordert. Reaktion der Postbank: keine

Zu meinem Bruder grundsätzlich: er ist ein sehr seriöser Mensch, ich kann das so frank und frei behaupten, weil ich diesen Mann schon SEHR lange kenne. Er hat sein Konto bei der Postbank außerdem seit über 50 (!) Jahren, und bisher ist nie auch die kleinste Unregelmäßigkeit seitens meines Bruders vorgekommen. Logisch, denn er ist ja – wie gesagt – ein seriöser Zeitgenosse. Außerdem war er über viele Jahre ein wertvolles fleißiges Mitglied unserer Gesellschaft, hat bei einem renommierten Unternehmen als Entwicklungsingenieur viele technische Dinge entwickelt und bekommt entsprechend jeden Monate eine Rente, die ihm ein angenehmes Leben ermöglicht. Außerdem besitzt er ein Haus, das nicht einer Bank, sondern ihm gehört. Es gibt also keinerlei Grund für ihn, 800 Euro zu ergaunern. Aber die Postbank sieht das wohl anders und sieht – unausgesprochen – in meinem Bruder einen Betrüger. Denn täte sie das nicht, würde sie ihm ja wohl die – von einem Dritten – geklauten 800 Euros erstatten.

Interessant ist in diesem Fall auch noch folgendes, denn die Postbank schreibt auf ihrer Homepage:

shot

Nachlesen kann man diese Zusicherung auf der HP der Postbank.

Gut zu wissen also: Was die Postbank auf ihrer Homepage schreibt, das ist eine Sache. Was in der Realität stattfindet, eine völlig andere!

P. S.: Ich habe meinem Bruder übrigens empfohlen, die Bank zu wechseln und eine zu wählen, die Überwachungskameras beim Geldautomaten hat – so wie es eigentlich jede Bank haben sollte. Denn Skimming ist ja kein Einzelfall, sondern an der Tagesordnung.

Noch ein P. :S.: wenn man googelt, findet man sehr viele und sehr interessante Meinungen zur Postbank. Und diese Meinungen sind durchaus nicht positiv und decken sich mit den jüngsten Erfahrungen meines Bruders.

10 Antworten auf Skimming: Mein Bruder – ein Betrüger!?

  • Bernd sagt:

    Liebe Renate, die Postbank hat sich in den letzten 50 Jahren verändert – zum Nachteil.
    Kopier doch die Postbank-Seite, welche den Skimming Text enthält und dann ab zum “Verbraucherschutz”. Die Postbank muss nämlich Ersatz leisten, das ist Gesetz, so habe ich es im TV mitbekommen.

    Ich hatte auch Konten bei der Postbank, die meisten habe ich schon zu einer anderen Bank transferiert und der Rest wird auch noch folgen, auch wenn es mit einigem Aufwand verbunden ist. Aber den habe ich auch transferiert zum HD :-)
    Lieben Gruß
    Angelika und Bernd

  • Doris sagt:

    Liebe Renate,

    Dein Beitrag bestätigt nur meine schlechte Meinung von der Postbank, mit der wir in der Vergangenheit auch bereits jede Menge Ärger hatten. Leider haben wir noch ein Konto dort, aber nach den Erfahrungen Deines Bruders werde ich das Thema wieder angehen und das Konto transferieren. Das kann es ja echt nicht sein. Verbraucherschutz, Rechtsanwalt, alles auffahren. Das ist wirklich unglaublich?

    Das Ganze erinnert mich auch an T-Mobile, denen ich einen Betrugsfall gemeldet habe und bei denen die Polizei, bei der ich die Geschichte zur Anzeige gebracht habe, Vertragsunterlagen angefordert hat. Reaktion: Null.

    Wo leben wir eigentlich?! Wie kann es sein, dass viele Unternehmen und Leute einfach so schlampig arbeiten dürfen, ohne dass was passiert?

    Schönen Feiertag und liebe Grüße,
    Doris

  • Renate sagt:

    Mal abgesehen davon, dass mein Bruder seit über 50 Jahren das Konto bei der Postbank hat und nie etwas vorgefallen ist, er eine gute Rente bekommt und Hausbesitzer ist – warum sollt er ich die zeitintensive Mühe machen, 800 Euro zu “ergaunern” und nun von Pontius zu Pilatus rennen, Anwalt bezahlen etc. – alles nur um die Postbank um 800 Euro zu prellen? Das ist wirklich sehr lächerlich.
    Was ich wirklich unverschämt finde, ist, dass die Postbank einfach behauptet, man können in Deutschland keine Kartendoubletten einsetzen, was nachweislich nicht stimmt.
    Und ich finde es auch unverschämt, dass die Postbank auf die Aufforderung der Kripo, ein Lichtbild des Menschen am Geldautomaten abzugeben, nicht reagiert.
    Aber der Anwalt meines Bruders wird die Sache schon schaukeln und mein Bruder wird es auf einen Prozess ankommen lassen. Und das würde ich an seiner Stelle auch machen.
    Lieber Gruß von Renate
    P. S.: Große Unternehmen sind oft hochnäsig … mal sehen, wie lange sie sich das noch leisten können.
    P. P. S.: Wenn du “skimming” und “Postbank” bei Google eingibst, erscheint dieser Beitrag auf der ersten Ergebnisseite. Das ist gut so, denn andere Menschen (Steuer zahlende Bürger) sollen über solche Vorfälle unterrichtet sein. Die Postbank ist schließlich ein staatliches Unternehmen oder irre ich mich?

  • HDS sagt:

    Hallo Renate,

    die Postbank w a r mal ein staatliches Unternehmen, und da hat auch alles bestens funktioniert (gab damals sogar direkte Ansprechpartner in dem Haus).

    Viell. ist es dir entgangen, aber die PB wurde schon vor Jahren “privatisiert” durch Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

    Seit diesem Zeitpunkt ist nicht nur der Aktienwert drastisch gesunken, sondern adäquat auch der Service.

    Mit der PB kann man daher nur noch arbeiten, wenn man sein Konto dort als reines “Durchgangskonto” für Überweisungen nutzt oder für Barabhebungen insbesondere im Ausland (viele Stationen, günstige bzw. keine Gebühren).

    Als Dispokonto oder für spezielle “Bankaufgaben” aber nicht mehr geeignet. Für Auskünfte oder gar Beratung muss man quer durch die Republik telefonieren, um einen kompetenten und zudem auch noch zuständigen Ansprechpartner zu finden, da die Aufgaben wohl an verschiedenen Orten orientiert nach Themen (nicht nach Kunden) verteilt wurden.

    Nutze die PB daher nur noch, wie gesagt, für Überweisungen per Online-Banking bzw. Barabhebungen, halte den Kontostand stets nahe Null (natürlich auch ohne Dispo-Möglichkeit) und fülle das Konto je nach Bedarf in entsprechender Höhe regelmäßig auf.

    So minimiere ich das Risiko, dass mein Konto von “Dritten verfügt” wird oder mir bei “Kartenklau” (gleich welcher Art) ein größerer Schaden entsteht.

    Für andere “Bankaufgaben” empfehle ich daher ein Unternehmen zu wählen, bei dem das Wort “Service” nicht nur auf der Homesite im Internet steht.

  • Manfred Ullrich sagt:

    Ich bin Renates Bruder. Hier kann jeder lesen, wie es weitergegangen ist – noch nicht sehr weit. Und es ist wahrhaftig kein Ruhmesblatt für die Postbank.
    Gruß von Manfred

    http://home.arcor.de/manfred.ullrich/dateien/postbank.htm

  • ML sagt:

    Hallo ihr.
    Scheinbar ist meinem Vater bei einer Berliner Postbank Filiale genau das gleiche wiederfahren. An einem Samstag wurde sein Konto leergeräumt in einer Filiale, die er auch sonst der Nähe wegen stets aufgesucht hat, obwohl er bei einer anderen Bank sein Konto hat (CashGroup halt). Die Abhebungen sind im Minutentakt erfolgt in 500er Schritten, danach nur noch in 20€er Schritten, bis das Konto am Limit war. (10€ waren noch ausreizbar), aber die Banken wollen uns wie es aussieht die Schuld in die Schuhe schieben mit Begründung des MM. Nachdem ich nun fast überall davon gelesen habe, dass wegen des MM bei Fällen von Kartenduplikaten nur im Ausland abgehoben würde, freut mich diese Information mit den Wochenenden und abgeschalteten MM-Sensoren. Dies wird bestimmt ein weiterer Diskussionspunkt sein. Ich hoffe nun doch aber, dass die Kripo an irgendwelche Aufnahmen der Räumlichkeiten zu besagter Zeit gelangt und dass noch weitere Fälle angezeigt werden.
    Paradoxerweise war mein Vater fast zur selben Zeit (5min später) in einem anderen Geschäft auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo er auch mit EC-Karte einen 8€ Betrag bezahlt hat. Wegen der bis dahin von den vermutlichen Kartenkopierern nicht ausgeschöpften 10€ ging das ja auch ohne aufzufallen.
    Und er ist sich 100% sicher weder an diesem Abend auf besagter Bank gewesen zu sein, noch die Karte auch nur annähernd aus der Hand gegeben zu haben.
    Nunja, ich werde mal diese Seite hier auf dem Laufenden halten mit dem was noch so kommt.
    Schade, dass der verlinkte Artikel von Manfred nicht mehr vorhanden ist, da ich gerne mehr darüber lesen würde.
    Gruß M

  • der Link ist wieder da, aber direkter geht’s mit
    http://home.arcor.de/manfred.ullrich/postbank.htm
    auch lesenswert in diesem Zusammenhang
    http://home.arcor.de/manfred.ullrich/dateien/beweis.htm
    und
    http://home.arcor.de/manfred.ullrich/dateien/stellungsnahme.htm
    die Berufung ist angeleiert!

    Gruß Manfred

  • Kathy G. sagt:

    Hallo Manfred,

    mir ist das gleiche im Oktober letzten Jahres passiert. Da wurden mir 260,00 € mit der angeblichen Originalkarte in Kamen (an dem Automaten wo ich auch immer abgeholt habe) abgebucht. Nachdem ich dieses gemerkt habe, habe ich direkt meine Karte sperren lassen und Anzeige erstattet. Es passierte nichts. Das Geld habe ich bis heute nicht erstattet bekommen.
    Letzte Woche bemerkte ich, das ich nur noch 6,00 auf meinem Konto hatte, worauf mir das schon wieder sehr spanisch vor kam, da es erst mitte des Monats war! (Seit dem letzten Vorfall bin ich nie wieder zu dem Automaten gegangen, sondern habe immer an der Kasse mein Geld abgeholt!) Als ich dann meine Kontoauszüge online kontrolliert habe, ist es mir dann aufgefallen-seit März, wurden mir insgesamt knapp 1.000€ immer in kleinen Beträgen abgebucht. Teilweise mehrmals am Tag. Auch immer an dem gleichen Automaten, mit angeblich der Originalkarte und Pin! Meine Karte habe ich immer dabei-den Pin kennt niemand außer mir! Zu den Zeitpunkten wo mir das Geld abgebucht wurde, war ich arbeiten. Eine zweite Karte gibt es meines Ermessens nicht. Glauben tut mir jedoch keiner!

    Liebe Grüße Kathy

  • Manfred Ullrich sagt:

    Heute aus dem Urlaub zurück, finde ich Deinen Kommentar vor.
    Bitte melde Dich per email bei mir.
    manfred.ullrich@arcor.de

    Es grüßt und erwartet Antwort
    Manfred Ullrich

  • Manfred Ullrich sagt:

    Die Berufungsverhandlung am Landgericht Karlsruhe ist am 20.1.2012 gelaufen mit dem Ergebnis: Die Postbank muss nun beweisen, dass die Abhebung mit der originalen EC-Karte geschehen ist – diesen Beweis fordere ich schon fast drei Jahre. Siehe http://home.arcor.de/manfred.ullrich/postbank.htm unten

    Gruß, Manfred

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