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Prima Buch zum Verschenken und/oder Selberlesen:

Ex-Lover sind Schweine. Die volle Tragweite dieser These offenbart sich bereits in der Vorsilbe des ersten Wortes. Ex, das bedeutet vergangen, aus, vorbei. Alles, was mal wichtig, schön und einzigartig war, ist zerplatzt. Wie ein Luftballon, in den man die Spitze einer Stecknadel hineindrückt. Peng! Die ehemals pralle, fröhliche Leichtigkeit liegt traurig und verschnurzelt am Boden und sieht nur noch erbärmlich aus, weiß Gott!

Man erinnert sich noch deutlich an den ersten Blick, die erste Berührung, den ersten Kuss, die erste Liebesnacht. Danach kamen die Versprechungen, die Schwüre, die Visionen, das ultimative Glück schien perfekt. »Und wenn sie nicht gestorben sind, dann …« Von wegen. Alles nur Lug und Trug. Vision ja, aber in die falsche Richtung. Mein Gott, was für ein übles Individuum hatte man geglaubt zu lieben. War man denn blind? Von allen guten Geistern verlassen? Offensichtlich. Da sitzt er (oder steht, oder liegt) der Blödmann, der Versager, der notorische Fremdgänger, der miserable Liebhaber, der Angeber, der Blender, der Langweiler, der Aufschneider, der Lügner, der Faulpelz, der Schmutzfink, der Stümper, die Dumpfbacke … und für ein derart nichtsnutziges Subjekt hat man mal irgendwelche positiven Empfindungen gehegt? Das zuzugeben, scheint für viele Zeitgenossen ein Problem zu sein. »Hormonell bedingter Irrtum, ödipaler Komplex«, Argumente dieser Art werden gern als Verteidigung gebraucht, und unter vehementem Ausstoßen eindeutiger Schimpfwörter wird der Rückzug eingeleitet. »Mit diesem Idioten will ich nichts mehr zu tun haben.«

Oft wird dem Sünder zusätzlich noch alles Schlechte angehext, die ewige Verdammnis zum Beispiel: »In der Hölle soll er schmoren!«

Manche Zeitgenossen bedienen sich auch des Instruments der Selbstbezichtigung: »Temporäre geistige Umnachtung, präkoitale Amnesie … mein Gott, wie konnte ich nur.« Zugegeben, diese Variante wirkt netter, auf gewisse Art auch selbstkritisch und bescheiden, führt letztlich aber zum selben Ergebnis: »Geh mir aus den Augen!«

Nun, so kann man es machen, mit den Ex-Lovern. Sie aus dem Leben und den Gedanken verbannen, sie aber trotzdem für den Rest des Lebens inbrünstig hassen. Und falls man ihnen versehentlich über den Weg laufen sollte, abrupt den Kopf in die andere Richtung drehen und sie demonstrativ ignorieren. Ja, das tut gut. Geschieht ihnen recht. Sind schließlich selber schuld, dass man sie mal geliebt hat.

Richtungswechsel.

Es gibt Menschen, die über mich sagen, ich sei nicht ganz normal. Nun, was normal und nicht normal ist, darüber kann man trefflich streiten, aber in Zusammenhang mit oben Gesagtem ist diese Aussage äußerst freundlich; eigentlich empfinde ich sie als Kompliment. Denn: Ich hasse meine Ex-Lover nicht, im Gegenteil. Vor ein paar Monaten waren vier davon bei mir zum Essen. Alle aufs Mal.

Da war Walter, mit ihm bin ich gegangen, als ich siebzehn war. Zwei Jahre hat die Angelegenheit gedauert, dann haben wir uns getrennt. Ich war nicht sauer auf ihn, er war nicht sauer auf mich. Heute ist er ein erfolgreicher Rechtsanwalt, verheiratet mit einer ausgesprochen hübschen und sympathischen Frau und hat vier Töchter.

Da war Florian, in ihn habe ich mich auf einen Schlag verliebt, als ich 25 war. In einer Studentenkneipe stand er mir gegenüber, und ich dachte, den oder keinen. Er hatte wohl ähnliche Gedanken, und aus uns wurde in Nullkommanichts ein Paar. Wir verstanden uns klasse, trotzdem war nach drei Jahren die Luft raus und wir haben beschlossen, getrennte Wege zu gehen. Mittlerweile ist auch er verheiratet, und seine Frau ist meine beste Freundin.

Da war Markus, er lief mir im Tennisurlaub auf Comino über den Weg, über den roten Sand besser gesagt. Wir hatten keine richtige Beziehung miteinander, sondern ein mehrwöchiges Techtelmechtel. Nichtsdestotrotz sind wir Freunde geblieben und führen nach wie vor stundenlange Gespräche über alles, was uns in den Sinn kommt.

Und nicht zuletzt war auch Richard da, mein ehemaliger Ehemann. Es war Liebe auf den ersten Blick, nach zwei Monaten haben wir geheiratet, und das war eine prima Idee, denn allein die Hochzeit war ein sehr fröhliches Ereignis, weil wir ein spontanes Fest veranstalteten und die Gäste keine Ahnung hatten, welcher Anlass da gefeiert wurde. Außerdem hatten Richard und ich eine wunderbare Zeit miteinander. Als die irgendwann vorbei ging, waren wir aber nicht böse darüber, und heute sind wir uns gegenseitig prächtige Ratgeber bei Beziehungsproblemen und anderen Widrigkeiten des Lebens.

Also, die vier Männer saßen mit mir an meinem alten Holztisch. Wir haben gegessen, getrunken, geredet und viel ge- lacht, und alles in allem war es ein gelungener Abend. Das haben wir übereinstimmend festgestellt. Zwischendurch habe ich sie natürlich beobachtet, meine Ex-Lover, wie sie da saßen, etliche Jahre älter geworden und doch die alten geblieben. Mit großem Vergnügen habe ich sie angesehen, mit den Augen und mit dem Herzen, und dabei festgestellt, dass ich jedes Mal die richtige Wahl getroffen hatte. Auch wenn es keine Liebe für die Ewigkeit war, so ist doch die Freundschaft geblieben. Und ist Freundschaft nicht die kleine Schwester der Liebe?


Das Buch kann in der Bücherstube von Edition Blaes bestellt werden.