gewinn

Am Donnerstag vergangener Woche klingelte das Telefon. Auf dem Display erschien folgende Nummer:
030-20 89 66 84

Ich hob ab. Eine Automatenstimme war dran und machte mir die Mitteilung, dass ich gewonnen hätte. Um Einzelheiten zu erfahren, solle ich die Kanzlei Behrens & Partner in Berlin anrufen. Die Nummer war dieselbe wie die auf dem Display.

Gewinn? Ich? Wahnsinn!

Natürlich habe ich sofort zum Hörer gegriffen. Es ertönte einmal das gewohnte Freizeichen, dann änderte sich der Klingelton und ein Rufweiterleitungston (!) ertönte. Der tutete ein paar Mal und dann meldete sich – wie erwartet – die Kanzlei Behrens & Partner. Eine Frau war dran. Ich teilte ihr mit, dass ich soeben die Nachricht über einen Gewinn bekommen hätte. Ah ja, sagte sie, sie würde mich mit Herrn Dr. Frank verbinden.

Es tutete wieder ein paar Mal (Rufweiterleitungston!), dann war Dr. Mark Frank dran. Und der bestätigte, dass ich tatsächlich gewonnen hätte, und zwar einen Barscheck über stolze 128.000 Euro.

Verständlicherweise hab ich mich gefreut wie Bolle. Obwohl ich das mit dem Barscheck nicht nachvollziehen konnte – in heutigen Zeiten, wo alles elektronisch läuft. Aber egal …

Bevor ich fragen konnte, wie jemand wie ich, die grundsätzlich nicht an Gewinnspielen teilnimmt, so einen Gewinn einsacken kann, erklärte er mir den Sachverhalt, und der war folgender:

Einige Verlags- und Versandhäuser hätten sich zusammengetan, um für ihre Kunden einen Gewinntopf zu erstellen. In diesen Topf hätten sie viel Geld eingezahlt, und die Summe dann unter ihren besten Kunden ausgelost – unter Zuhilfenahme der Leser- bzw. Kundendaten. Und ich sei unter den glücklichen Gewinnern.

Na, das ist doch mal ein netter Zug von den Verlags- und Versandhäusern. Und dass sie ausgerechnet mich aus der Losttrommel gezogen haben – für ein glücklicher Zufall!

Dann berichtete Dr. Frank weiter, dass die Gewinnsumme bereits bei der Berliner Sparkasse eingegangen sei, und ich jetzt nur noch die Freischaltungsgebühren von 196,40 Euro überweisen solle, damit der Gewinn auch ausbezahlt werden könne. Das sei deshalb notwendig, um für den Gewinn keine Steuern zahlen zu müssen. 0

Das leuchtete mir natürlich ein, und ich versprach, gleich zur Bank zu gehen und die Summe anzuweisen.

Ich solle ihn doch umgehend zurückrufen, wenn ich das gemacht hätte, bat Dr. Frank. Ich versprach auch das.

Dann bin ich erst mal joggen gegangen.

Wieder daheim und frisch geduscht, rief ich Dr. Frank an und teilte ihm mit, dass das Geld soeben von meinem Konto abgebucht worden sei. Darüber war Dr. Frank sehr erfreut und meinte, am nächsten Tag bekäme ich von der Berliner Sparkasse einen Anruf, in dem alles Weitere bezüglich des Geldtransfers besprochen werden würde.

Da ich kein Geld überwiesen hatte, rechnete ich nicht mit einem Anruf. Und es kam auch keiner.

Dafür klingelte heute das Telefon. Aus dem Display erschien die Nummer: 0043 72 09 02 110 (Ländervorwahl: Wien)

Dieses Mal war eine Dame dran, Frau König nannte sie sich. Frau König bezog sich auf die bereits erhaltene Gewinnnachricht und bestätigte den Eingang meiner Zahlung. Ich dachte: Wunder gibt es immer wieder, behielt den Gedanken aber für mich.

Ich solle nun die Berliner Sparkasse anrufen und nach Frau Beck fragen. Die würde mir das weitere Vorgehen erklären. Die Nummer von Frau Beck lautete: 030- 89 39 89 13

Also ich bei der „Berliner Sparkasse“ angerufen.

Frau Beck teilte mir mir, dass ich 126.000 Euro gewonnen hätte. Das waren 2.000 weniger als die Summe, die Herr Dr. Frank angekündigt hatte. (Da weiß die linke Hand offensichtlich nicht, was die rechte tut.) Ich war ein wenig enttäuscht, aber 126.000 Euro sind ja auch ein nettes Sümmchen.

Damit ich diese Summe steuerfrei bekommen könne, müsse ich nun 2.939,00 Euro überweisen, sogenannte Transfergebühren. Warum das denn, wollte ich wissen. Diese Gebühr sei deshalb notwendig, weil die Verlosung im Ausland stattgefunden hätte. Warum die Verlosung denn im Ausland stattgefunden hätte, wollte ich wissen. Um eben die Steuern von 50 % (!) zu sparen.

Wohin ich ds Geld denn überweisen solle, fragte ich. Dazu solle ich wieder Frau König von der Kanzlei Behrens und Partner anrufen, weil die die Inhaberin des „Barschecks“ sei. Aha! Und zwar unter der Nummer 0043-72 09 02 110 .

Ich fragte, warum ich denn nun eine Nummer in Wien anrufen solle, die Kanzlei Behrens & Partner sei doch in Berlin. In Wien sei die Hauptstelle von Behrens & Partner, war die Antwort.

Nun werde ich den Teufel tun und auf meine Kosten eine Nummer in Wien anrufen – ich weiß ja nun, wa da abläuft und harre der Dinge, die da kommen … falls noch welche kommen.

PS: Dass es Menschen gibt, die auf derart plumpen Betrugsversuche reinfallen, ist mir ein Rätsel. Erstens müssten bei jedem sofort die Alarmglocken bimmeln, und zweitens sollte man sich grundsätzlich schlau machen, denn wenn man die angegebenen Telefonnummern googelt, bekommt man massenweise Informationen. Unter anderem auch auf dieser Website, denn vor einigen Monaten hat mein Bruder eine ähnliche Erfahrung gemacht.

Aber auch andernorts gibt es viele Informationen. Zum Beispiel bei der Berliner Polizei, oder von der Bundesnotarkammer, oder von der Berliner Morgenpost, oder vom Göttinger Tagblatt, oder … oder … oder … einfach mal googeln.

PPS: Die Telefonnummern sind übrigens verschleiert und sollen deutsche Telefonnummern vorgaukeln. Dahinter stecken Anschlüsse von Betrügern, die vermutlich in der Türkei sitzen.

Noch was: Die IBAN, auf die ich die 196,40 Euro überweisen sollte, führt übrigens zu der Berliner Stadtbaumkampagne. Das verstehe, wer will/kann. Vielleicht kommt es den Betrügern nur auf die 2.969,00 Euro Transfergebühr an.

Renate im Glück

6 Gedanken zu „Renate im Glück

  • 13. November 2017 um 13:31
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    Immer wieder überraschend. Wenn man Zeit und Lust hat, kann man sich ja mal amüsieren…
    Ich liebe es ja, dumme Gegenfragen zu stellen.
    Gewinne sind in Deutschland nicht steuerpflichtig, sondern erst die daraus erwirtschafteten Zinsen. Soweit kenne ich mich aus.
    Ansonsten bin ich froh, dass wir nicht im Telefonbuch stehen. ;-)

    Antworten
    • 13. November 2017 um 14:01
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      Aha, interessant, dass mit den Steuern, danke, liebe Sabine!
      Falls die sich noch mal melden sollten wegen der noch ausstehenden 2.969,00 Euro werde ich sie darauf ansprechen.
      Liebe Grüße
      Renate

      Antworten
  • 13. November 2017 um 19:36
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    Man muss nicht im Telefonbuch stehen, um angerufen zu werden. Der Rechner wählt einfach eine Nummer nach der anderen, bis jemand abhebt.

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    • 13. November 2017 um 19:41
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      Aha, deshalb die Automatenstimme. Wieder was gelernt, danke, Rupi!

      Antworten
  • 13. November 2017 um 23:19
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    Wahnsinn, was für eine Geschichte. Können die Leute nicht einfach was arbeiten anstatt zu versuchen, ihre Mitmenschen übers Ohr zu hauen?! Das geht mir so auf den Senkel, dieses kriminelle P*a*c*k*.

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    • 14. November 2017 um 11:43
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      Na ja, solange es Menschen gibt, die auf so eine plumpe Masche reinfallen (Geldgier!) und die Typen auf leichte Weise Geld damit verdienen können, wird das nicht aufhören.
      Dass es denen Spaß macht, anderen übers Ohr zu hauen, steht auf einem anderen Blatt …

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