Männer und Hausarbeit

Der Begriff Hausarbeit bezieht sich auf zwei vollkommen unterschiedliche Tätigkeiten. Einmal ist damit eine wissenschaftliche Abhandlung zu einem bestimmten Thema gemeint, verfasst von Studenten oder Schülern.

Der andere Begriff, und um den geht es in diesem Beitrag, bezieht sich auf (meist unbezahlte) Tätigkeiten „zur Erhaltung des Haushalts“. Dazu zählen Putzen, Waschen, Bügeln, Aufräumen, Kochen und so weiter. Männer schwingen hin und wieder zwar auch den Feudel, aber im Großen und Ganzen wird Hausarbeit nach wie vor von Frauen geleistet – ob mit Wonne oder mit Zähneknirschen, das ist wohl von Fall zu Fall unterschiedlich.

Was mich betrifft, so habe ich Hausarbeit noch nie irgendwas abgewinnen können. Nur Kochen macht mir Spaß – aber das auch nur, wenn ich es freiwillig mache. Also nur dann, wenn mir der Sinn danach steht und ich mit Muße in Töpfen rühre und nicht, weil hungrige Mäuler nach Befriedigung rufen. Aber ansonsten komme ich Hausarbeit nur mit Widerwillen nach und es kann schon mal passieren, dass drei Körbe voller Bügelwäsche den Weg durchs Schlafzimmer behindern und ich jedes Mal mit schlechten Gewissen darüber steige. Irgendwann bleibt mir dann nichts anderes übrig und ich stelle mich drei Stunden ans Bügelbrett. Staubsaugen, Fenster putzen und Schränke aufräumen zählt ebenfalls nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen und überhaupt sitze ich lieber am Computer und beschäftige mich “Photoshop”, zum Beispiel.

Aus diesem Grund kann ich auch prima verstehen, warum Hausarbeit bei Männern so unbeliebt ist. Und die Behauptung, dass Frauen von Natur aus besser befähigt und motiviert zu Hausarbeiten sind, ist anachronistischer Blödsinn. Die „Kompetenz“ von Frauen für Hausarbeiten liegt einzig und allein in der Geschlechter-Ideologie, geschaffen durch gesellschaftlich-traditionelle Werte und Verhaltensweisen.

Mein Vater beispielsweise hat in der Küche keinen Finger gerührt. Und in seinem ganzen Leben wohl kein Bügeleisen in der Hand gehabt und auch keinen Putzlappen. Nein, für die Haushaltsarbeit waren die Frauen zuständig. In erster Linie natürlich Mutter, dann meine Schwester und ich. Wobei sich mein Anteil daran lediglich auf kleinen Hilfsarbeiten bezog –Tisch decken und abräumen, Geschirr waschen und Treppe putzen. Mehr musste ich nicht tun. Mein Vater musste gar nichts tun, der war als Kürschner„nur“ fürs Geldverdienen zuständig.

Meine Mutter hat nicht nur die üblichen Hausarbeiten erledigt, sondern auch kleine Schreinerarbeiten erledigt, Regale gebaut, zum Beispiel. Sie hat Gärtnerarbeiten durchgeführt Kartoffeln, Gemüse und Salat angebaut. Sie hat Holz gesammelt, damit wir in den Wintermonaten nicht frieren mussten. Sie hat den Großteil unserer Kleidung selbst genäht – mit fachmännischer Bravour, obwohl sie das Schneiderhandwerk nie gelernt hat. In diesem Zusammenhang hat sie auch mit der einen oder anderen Mark die Familienkasse aufgefüllt, weil sie auch für Fremde genäht hat. Außerdem hat sie meinen Vater bei seiner Arbeit als Kürschner aktiv unterstützt, indem sie nebenher zur Pelznäherin avancierte, darüber wurde nie auch nur ein Wörtchen verloren. Das war selbstverständlich. Ob ihr das alles „Spaß“ gemacht hat, das bezweifle ich. Wir haben nie darüber gesprochen und heute kann ich sie nicht mehr fragen, weil sie längst nicht mehr lebt.

Hausarbeit ist Frauenarbeit. Obwohl es dafür keinerlei geschlechterspezifischen Gründe gibt, wird die Tradition unverdrossen weiter geführt. Und in diesem Zusammenhang kommt mir eine sehr interessante Diskussion eines befreundeten und etliche Jahre jüngeren Ehepaares in den Sinn, geführt bei einem Abendessen, zu dem ich eingeladen war.

SIE beschwerte sich grundsätzlich darüber, dass ER so wenig im Haushalt mache und sagte in diesem Zusammenhang: „Du machst nichts aber ich bügle immer deine Hemden….“

ER sagte: „Habe ich jemals zu dir gesagt, dass du meine Hemden bügeln sollst?“

SIE stutzte kurz und murmelte dann: „Nein …. aber“

ER sagte: „Warum bügelst du sie dann?“

SIE sagte nichts.

Bei dieser Gelegenheit fiel mir eine Situation ein, erlebt bei der Familie meines Bruders. Wir saßen beim Abendessen und der eine Sohn fragte meine Schwägerin:„Ist noch Milch im Kühlschrank?“

„Ja“, sagte meine Schwägerin, erhob sich postwendend und marschierte in die Küche, um ihrem Sprössling die Milch zu holen.

„Warum holst du deine Milch denn nicht selbst?“ fragte ich meinen Neffen und der sagte ganz lapidar: „Mama holt sie doch …“

Solche Situationen wie die beiden beschriebenen erlebe ich öfter. Frauen beklagen sich über mangelnde Hilfe bei der Hausarbeit, doch sehr oft lassen sie Hilfe gar nicht zu. Oder sie tun Dinge, die gar nicht von ihnen erwartet werden. Oder sie meckern ständig und können alles besser. Das ist die eine Sache.

Die andere Sache ist die, dass es überwiegend Frauen sind, die Knaben erziehen. Und aus einem Knaben wird irgendwann ein Mann. Und ein Mann, der als Kind „gelernt“ hat, dass Hausarbeit Frauensache ist, wird den Teufel tun, sich einer ungeliebten Arbeit zu widmen, wenn er stattdessen am Computer „spielen“ kann, beispielsweise.

In diesem Zusammenhang fällt mir auf, dass sich in der Riege der Spitzenköche deutlich mehr Männer als Frauen tummeln. Das finde ich interessant. Denn Kochen ist doch normalerweise eine Domäne der Frauen – zumindest, wenn es unter den Begriff „Hausarbeit“ fällt…

7 Antworten auf Männer und Hausarbeit

  • Paula sagt:

    Liebe Renate,
    das hast Du schon richtig erkannt, das Rollenvorbild der Frauen für ihre Söhne setzt dieses Verhalten immer weiter fort, es sei denn, die Söhne werden zur Hausarbeit ganz natürlich erzogen.

    So ist z.B. mein Bruder der perfekte Hausmann, er kann alles inkl. Kochen, Bügeln, Putzen, Heimwerkern. Und das hat er gelernt, als er 2 Jahre seines Lebens allein mit unserer berufstätigen Mutter im Haushalt verbracht hat (von 16 – 18). Sie ging arbeiten, er half ihr bei allen Hausarbeiten. Ich hatte das schon vorher gelernt, als ich unserer damals noch lebenden Großmutter immer zur Hand gehen musste.

    Und eine Generation später: unser Sohn hält das im Grunde seines Herzens für Frauenarbeit, weil er mich, seine berufstätige Mutter, immer dabei gesehen hat. Mir ging’s immer nicht schnell genug, nach der Erwerbsarbeit noch geduldig meinen Kleinen nach dem Kindergarten in die Geheimnisse der Praxis einzuweihen. Er kann’s aber, wenn er muss, denn sein Vater kann es auch (wenn er muss), inklusive Kochen und Bügeln.

    Das beruhigt mich und ich verlasse mich da ganz auf seine Freundin, die wird ihm schon zeigen, wie man sich die Arbeit gerecht teilt.

    Herzliche Grüße
    Paula

  • renate sagt:

    Es soll ja auch Frauen geben, die Hausarbeit geradezu fanatisch lieben …. und niemanden ran lassen, geschweige denn Familienmitglieder. ;-)

  • Paula sagt:

    Das Motiv “fanatische Liebe” halte ich in dem Fall eher für unwahrscheinlich, eher zwanghaft anerzogener Ordnungsfimmel, Besserwisserei und das Gefühl der “Macht im Haus”.

    Paula,

    die bereit ist, ihre Machtposition endlich abzugeben, mit einem Seitenblick auf Berge von Bügelwäsche und Staubflusen auf dem Holzboden. Nur scheint keiner Interesse zu haben an diesem Posten.

  • Renate sagt:

    ja, ich denke, liebe Paula, mit der “Macht im Haus” hat es oft ein bisschen zu tun. Wobei ich allerdings tatsächlich Frauen kenne, die in der Hausarbeit aufgehen – oder sie machen sich und anderen was vor …. ich kann es nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass ich selbst Hausarbeit nur mit allergrößtem Widerwillen erledige. Aus diesem Grund leiste ich mir seit über 25 Jahren auch den “Luxus” einer Zugehfrau. Und jedes Mal, wenn sie die Wohnung verlässt, genieße ich fast andächtig die flusenfreie Sauberkeit. Allerdings gewährt dieser Zustand nicht allzu lange, dafür sorgen schon meine vier Leisetreter ….. :-(

    Herzlicher Gruß von Renate

  • Christiane sagt:

    ach Renate, ich kann Dich so gut verstehen, ich habe auch ständig Wäsche zum falten oder bügeln herumstehen, mag auch keine Schränke aufräumen und Fensterputzen, na ja. Aber Kochen, das mache ich super gerne.
    Nur habe ich einen Schatz zu Hause, der saugt Staub,
    putzt die Fenster, kann bügeln – hat aber inzwischen so viele schöne bügelfreie Hemden, die dadurch schonmal aus der Sorte Wäsche herausfallen – , er pusselt im Haus, macht die Buchführung und Steuer, sorgt für den Garten und ich darf dann mit den Katzen mich entspannen oder lesen, am Computer Briefe schreiben etc.etc.
    Jedoch eigentlich teilen wir uns die Hausarbeit, jeder das was er mag und auch besser kann, denn wenn beide berufstätig sind, geht das auch nicht anders.
    Ich denke mal wir beide kommen mit der Einteilung ganz gut klar und hoffe das es noch lange so bleibt. Allerdings meine ich, wenn ich als erste mit der Altersteilzeit anfange wird sich doch so manches ändern, denn dann habe ich ja auch mehr Zeit.
    Einen schönen streßfreien Tag wünscht Dir Christiane.

  • Renate sagt:

    Genauso soll es sein, liebe Christiane: Aufgabenteilung. Die Hausarbeit muss ja gemacht werden, also macht man sie so, dass beide damit zufrieden sind.

    Es gibt aber auch Menschen (Eltern), bei denen ich mich immer wieder nur wundern kann – wundern über die Selbstverständlichkeit, mit der sie “niedrige” Arbeiten für ihre Kinder erledigen. Waschen, Bügeln, Hinterherräumen … alles Dinge, die die “Kinderchen” längst schon selbst machen könnten. Aber soll halt jeder machen, wie er will … nur dann nicht jammern … ;-)
    Herzlicher Gruß von Renate

  • Eva sagt:

    Mein Mann ist der perfekte Koch. Da hab ich Glück gehabt. Dafür bügle ich gern seine Hemden. :-)

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