Gestern habe ich mit einer Freundin ein interessantes Gespräch geführt. Es ging um Erwartungen und in diesem Zusammenhang um Abneigung, Ärger und Hass. Macht ein Mensch nicht das, was wir von ihm erwarten, sind wir erstmal sauer. Das ist ein Gefühl, das schnell entsteht, aber auch schnell wieder vergehen kann. Wenn man es denn zulässt. Doch manchmal habe ich den Eindruck, wir Menschen pflegen unsere negativen Gefühle wie ein neues Auto. Ich weiß wovon ich rede, denn ich kenne diese Gefühle nur zu gut. “Blödes A…” murmle ich in unregelmäßigen Abständen vor mich hin, wenn ich mich mal wieder über irgendeinen Zeitgenossen (künstlich) aufrege. Der Grund für die jeweilige Aufregung variiert und ist zudem abhängig von meiner Tagesform. Manchmal kann ich großzügig über irgendwelche “Fehler” hinweg gehen, manchmal kann ich mich darüber aber auch erregen wie weiland das Rumpelstilzchen. Die “Fähigkeit”, in Nullkommanix an die Decke zu gehen, habe ich von meinem Vater geerbt. Das habe ich an dieser Stelle ja schon erwähnt, und ich bemühe mich, diese Eigenschaft kritisch zu betrachten und mich im Zaum zu halten, indem ich nicht gleich mit Schuldzuweisungen losplatze, sondern erstmal in mich gehe. In den meisten Fällen beruhige ich mich bald wieder und konzentriere mich auf eine meiner anderen Eigenschaften, nämlich die, nicht nachtragend zu sein.
Mit dieser – an sich ja positiven – Eigenschaft gehe ich mittlerweile sehr aufmerksam um, denn alles zu vergessen, ist auch nicht immer angebracht. Jemand, der mir ganz bewusst und mit feindlicher Absicht ans Bein pinkelt oder mich übers Ohr haut, braucht sich bei mir nicht mehr blicken zu lassen. Aber es gibt auch Menschen, die sich einfach nur anders verhalten als ich mir es gerade vorgestellt habe, und denen bin ich nicht für den Rest meines Lebens böse, sondern – kann nach einer gesunden Weile – wieder gut gelaunt mit ihnen zusammen sein. Ich halte das für sehr wichtig, denn bis zum Sanktnimmerleinstag Hassgefühle auf jemanden zu pflegen, ist schlecht fürs Gemüt einerseits und verhindert andererseits positive Beziehungen und Freundschaften. Dazu kommt noch, dass ich auch immer wieder ein Verhalten an den Tag lege, das umgekehrt anderen Zeitgenossen nicht in den Kram passt. Wir sind halt alle Egoisten … ist ja bekannt. Und unter diesem Aspekt finde ich es gut, wenn ich überlege, ob, wie lange und wem gegenüber ich meine Hassgefühle pflegen sollte und ob es stattdessen nicht vernünftiger wäre, Ärger und Hass mit der Zeit beiseite zu legen und mich auf die positiven Eigenschaften der Zielperson zu konzentrieren.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Workshop zum Thema Kommunikation … ist schon ein paar Jahre her. Damals habe ich erlebt, dass es gar nicht so einfach ist, negative Eigenschaften eines Mitmenschen aufzuzählen, wenn ich zuvor seine positiven Eigenschaften aufgelistet habe. Die positiven Gedanken verdrängen also die negativen. Das gefällt mir! Und deshalb habe ich mich vor zwei Wochen dazu entschlossen, einen Menschen, mit dem ich eigentlich nie wieder was zu tun haben wollte, zum Essen einzuladen. Ohne jeden Hintergedanken und vor allem ohne die Absicht, “schmutzige Wäsche” zu waschen. Nein, ich möchte diesen Menschen einfach gern wiedersehen. Die Sache, über die ich mich (sehr) geärgert habe, ist fast ein Jahr her, und ich konzentriere mich jetzt lieber auf seine positiven Eigenschaften, denn die sind wirklich nicht zu verachten. Und wie gesagt … ich hab ja auch so meine Macken. Und außerdem macht es mir persönlich deutlich mehr Freude, jemanden zu lieben als ihn zu hassen.









Liebe Renate!
Da haben wir beide zum gleichen Thema gepostet heute…du ausführlich, ich sehr knapp.
Liebe Grüße – Donna
Liebe Donna, es gibt wohl wirklich keine Zufaelle. Dass wir beide amselben Tag zumselben Thema schreiben, freut mich!
Und ganz herzlichen Dank fuer deinen Beitrag zu meiner kleinen Winterreise. Das ist eine Geste, die ich ganz besonders zu schaetzen weiß.
Herzlicher Gruss von Renate
Liebe Renate,
ob ich fähig wäre einen Menschen, den ich gefressen habe, zum Essen einzuladen, das kann ich mir nicht vorstellen. Umgekehrt würde ich eine solche Geste wahrscheinlich auch nicht annehmen.
Lieben Gruß
Bernd
Lieber Bernd, ich hatte diesen Menschen ja nicht “gefressen”, einfach etwas gemacht bzw. nicht gemacht, das mir nicht gefallen hat.
Da ich ihn aber sonst menschlich sehr schätze, habe ich beschlossen, ihm nicht mehr gram zu sein. Und ich freue ich nach so langer Zeit darauf, ihn wiederzusehen. Ihm geht es umgekehrt auch so, hat mir zumindest seine Freundin gesagt, über die das Treffen verabredet wurde.
Lieber Gruß von Renate