Kleine Betrachtung zum Jahresabschluss
Das Bloggen nimmt ja virulent zu. An allen Ecken und Enden des Internets entstehen Blogs.
Naturgemäß gibt es Blogs, die kaum wahrgenommen werden, wie meines, und es gibt Blogs, da steppt so richtig der Bär. Und da ich den Dingen des Lebens hin und wieder gern auf den Grund gehe, habe ich mir ein paar Gedanken über dieses Thema gemacht und bin zu folgendem Schluss gekommen.
Blogs, in denen der Blogführer (was für ein Wort!) sich sehr distanziert zu allem Möglichen äußerst, haben eine große Fan-Gemeinde. Will damit sagen, dass in Blogs, in denen der BF (Blogführer) sich über alles Mögliche auslässt, nur nicht über das, was ihn persönlich berührt…
und was er denkt und fühlt, sondern auf extrem distanzierte und fast schon selbstkarikierende Weise sich den Dingen des Lebens widmet, in diesen Blogs also wird kommentiert, dass die Schwarte kracht. Weit über hundert Kommentare pro Tag sind dort keine Seltenheit, sondern ganz normal, ja völlig selbstverständlich. Dass die Hälfte der Kommentare vom BF selbst stammen, weil er die Kommentare kommentiert (und die Kommentatoren wiederum die Kommentare des BF und so weiter…), spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Macht man sich nun mal die Mühe (ich habe sie mir gemacht), den Inhalt der Blogbeiträge nebst denen der Kommentare kritisch zu beleuchten, so kommt man sehr bald zu der Erkenntnis, dass es gar nicht um Inhalte geht, sondern einfach nur darum, irgendwelche Dinge von sich zu geben. Bedeutungslose Worthülsen. So ähnlich wie in den Chatrooms. Vor einigen Jahren, als ich mit dem internetten begonnen habe und zum ersten Mal in einem Chatroom landete, dachte ich, ich sei einfach zu doof um zu begreifen, worüber dort “diskutiert” wurde. Als ich nach einer Stunde immer noch nicht durchgestiegen war, habe ich all meinen Mut zusammen genommen und gefragt, was denn das Thema sei. Thema? – so lautete die verwunderte Antwort, ein Thema gäbe es keines. Es würde einfach nur so gelabert. Da sei so, in Chatrooms. Aha, dachte ich, und besuche seitdem keine Chatrooms mehr. Und auch so gut wie keine Foren, denn obwohl es in Foren angeblich um Themen geht, findet man auch dort selten eines. Ein Thema, meine ich.
Nun gut, das habe ich begriffen. Und bei den Blogkommentaren scheint ähnlich Sinnloses abzulaufen. Ist aber auch kein Wunder, denn heutzutage ist das “in”. Ja, es ist absolut zeitgemäß, sinnloses Zeug von sich zu geben. Nicht nur im Internet, sondern auch beim Verschicken von SMS. Aus diesem Grund gibt es sogar ein Buch, für Handybesitzer, denen nichts Gescheites einfällt, was sie per SMS verschicken könnten. Ein Buch, in dem irgendwelche Nachrichten (Messages) drin stehen. So ähnlich wie früher, als es diese netten Sinnsprüche für … na, wie heißen sie denn noch, diese Bücher mit den Blumenbildern und so weiter. Menschenskind, es fällt mir jetzt einfach nicht ein, wie sie hießen. Aber ich denke, der Leser (falls es einen gibt), weiß, was ich meine. Also, diese Bücher wurden auch mit Sprüchen gefüllt, die jemand anders sich ausgedacht hatte. Man schrieb sie mit Schönschrift hinein, und der Besitzer dieses …buches freute sich. Diese …bücher sind aus der Mode gekommen, dafür ist das “simsen” (das Verschicken von SMS) jetzt aktuell, und das Kommentieren von Blogbeiträgen eben. Moderne Kommunikation nennt man das heute wohl. Da werden einfach Worte hin und her gedonnert, wie Tennisbälle. Wohin sie führen und ob und welchen Sinn sie machen, das ist völlig egal.
Ich gebe ja zu, dass es mir hin und wieder höllischen Spaß bereitet, Blödsinn zu reden und herzhaft zu lachen dabei. Ja, das kann zwischendurch sehr gut sein und tun. Aber dauernd? Nö, da sind mir sinnvolle Gespräche oder Blogbeiträge doch lieber. Denn von denen hab ich letztendlich was. Aber damit scheine ich wohl auf einsamer Flur zu stehen. Einsam stehe ich auf einsamer Flur. Mist!
In diesem Sinn: schön’ Tach noch!
P. S.: Eben ist es mir eingefallen … “Poesie-Album” hießen sie, die Bücher mit den Sprüchen und Blümchen. “O tempora, o mores”, klagte seinerzeit Herr Cicero vor langer Zeit schon. Ich denke, die Sitten verfallen nicht, sie ziehen sich nur ein anderes Mäntelchen an. Und statt Poesie-Alben gibt es heute halt Blogs (und Handys).
P. P. S.: Zum Thema Verschicken (Kommentieren) sinnloser Inhalte ist mir eben noch was eingefallen. Denn es hat in der Tat auch einen sehr großen Vorteil und leistet einen enormen Beitrag zur globalen Völkerverständigung: wenn es ohnehin egal ist, welche Worte wir wechseln, spielt auch die Sprache keine Rolle mehr. Ich könnte also wunderbar mit einem Chinesen (oder einem Indianer) “kommunizieren”, denn Wortinhalte spielen ja keine Rolle mehr. Unter diesem Aspekt betrachtet, bekommt auch die Sinnlosigkeit von Worten bereits wieder einen Sinn. Siehste, alles im Leben hat zwei Seiten…











Hallo Renate,
na da will ich mal einen Kommentar bei dir hinterlassen. Aber er der so geistreich ist?
Ich kann nur bestätigen, was du sagst. Mir ging es ähnlich wie dir, ich vertand diese Art der Kommunikation auch nicht. Themen wurden angerissen, erwachsene Menshen haben sich geknuddelt und gedrückt, 16 Jährige sprachen wie reife und welterfahrene Menschen, Frauen in meinem Alter gaben sich wie Teenies und in den Chats war ein Kommen und Gehen.
Ich hätte liebend gerne mal gechattet schon aus reiner Neugier um zu sehen, ob da wirklich ein gescheites Gespräch zustande kommen kann.
Irgendwann war es dann auch mal so weit und ich hatte viel Spaß in einem Chat – mit meinen Freundinnen. ;-)
Aber wir treffen uns halt doch lieber im realen Leben.
Ich wünsche dir einen guten Rutsch, für das “Neue Jahr” alles Gute und viele fruchtbare Kommentare auf deinen Blogs.
Liebe Grüße aus Mannheim
Christa Schwemlein
Liebe Christa, ich wünsche dir einen fröhlichen Übergang in ein gutes, gesundes und zufriedenes Neues Jahr.
Was das reale Leben betrifft, so sehe ich das genau wie du. Es macht zwar Spaß, übers Internet zu kommunizieren und Menschen kennenzulernen. Aber wenn alles nur virtuell bleibt, ist es auf Dauer doch ein wenig “dünn”. Sich persönlich gegenüber zu stehen oder in die Arme zu nehmen, hat doch eine ganz andere Qualität. Ich hatte vor kurzem das Vergnügen, Ute aus Australien nicht nur per Mail zu “sprechen”, sondern von Angesicht zu Angesicht. Und das war sehr schön und ist durch das Internet nicht zu ersetzen.
Lieber Gruß von Renate
Die scheinbare Sinnlosigkeit der Blogkommentare liegt darin begründet, dass sie nicht nur dem Informationsaustausch dienen, sondern auch eine Aufmerksamkeitswährung sind.
Auf den Inhalt kommt es gar nicht so sehr an, genauso wenig wie es beim Smalltalk unter Nachbarn oder auf einer Familienfeier um hochgeistige Gespräche geht – im Mittelpunkt steht die soziale Interaktion an sich.
Als Blogschreiber ist man durch sein Lesepublikum motiviert, denn sonst könnte man auch ein papierenes Tagebuch schreiben. Aber wie stellt man fest, ob die wohldurchdachten Beiträge auch gelesen und goutiert werden? Die reinen Zugriffszahlen geben wenig Aufschluss, weil auf der Startseite eines Blogs viele Beiträge stehen und man nicht weiß, welcher wie oft gelesen wurde. Außerdem erfolgen manche Zugriffe durch Suchmaschinen und andere automatische Programme, ohne dass ein menschlicher Leser dahintersteckt.
Ein Kommentar, und sei er noch so banal, macht hingegen klar: Hier hat jemand meinen Beitrag gelesen und sich sogar die Mühe gemacht, darauf zu reagieren.
Deshalb gelten Kommentare als die Währung, mit der nichtkommerzielle Blogbetreiber für Ihr Schaffen entlohnt werden – Kommentarreichtum ist ein Ansporn für regelmäßiges Blogschreiben.
Aha, danke, liebes Häkelschwein. Diese Begründung leuchtet mir ein. Ich hatte eine derartige Vermutung ja auch schon angestellt. Siehe oben … Buch mit SMS-Texten…
Hallo Renate!
Ich habe selber zwei Blogs und bin der Meinung, besser keine Kommentare zu bekommen, als sich über irgendeinen
Schwachsinn ärgern zu müssen.
Übrigens finde ich es schön, dass sich auch ältere Semester an Blogs heran wagen, gehöre selbst dazu!
Herzliche Grüße
Barbara
Da hast du vollkommen Recht, liebe Barbara. Ich wundere mich aber trotzdem, dass inhaltlose Blogs so ellenlange Kommentarlisten enthalten. Aber, wenn ich so richtig darüber nachdenke, wundere ich mich eigentlich nicht, denn bei Blogs ist es halt wie im richtigen Leben. Fundierte Gespräche finden eher selten statt. Oberflächliches Geplänkel hingegen dauernd…
Herzlicher Gruß von Renate
Hallo Renate!
Es könnte auch durchaus sein, dass die meisten Menschen nicht sehr mutig sind und sich davor fürchten ihre Gefühle und ihr Innerstes zu zeigen. Deshalb ihre Vorliebe für Belanglosikeiten. Wir sollten versuchen, es uns halt nicht so einfach zu machen, wie die meisten und auf Dinge mit Inhalt eben auch dementsprechend zu antworten.
Ich finde Deinen Artikel und somit Deine Gedanken über unsere Endlichkeit sehr mutig und gleichzeitig sehr wichtig sie zu äußern.Es vergeht übrigens kein Tag an dem ich mich nicht damit in irgendeiner Form beschäftige, ohne der Sache wirklich nahe zu kommen.
In meiner Homepage “Gedanken zum Klimakterium”, versuche ich Überlegungen zum Alterungsprozess und Vergehen anzusprechen. Es ist wohl für niemand einfach sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, jedoch ist es in unserer Gesellschaft doppelt schwer, in der uns beispielsweise lebenslange Fitniss sugeriert wird.
Ich habe übrigens meine Webseite korrigiert. Du wirst bestimmt keine Probleme mehr haben sie zu finden.
Wenn es trotz allem nicht klappt such mich bei Google, dort findest Du mich auf jeden Fall.
Herzliche Grüße
Barbara
Liebe Barbara, deine Beiträge zum Thema “Klimakterium” hab ich heute Vormittag auch entdeckt, und sie haben mich sofort zu einem Beitrag bei “Nie wieder jung?!” inspiriert. Denn das Thema ist in der Tat ein Tabu-Thema.
Ich werde den Beitrag erst schreiben, und dann deine Gedanken zum Thema ausführlich lesen. Und ich werde – mit deiner Erlaubnis – auch einen Link zu deinen Beiträgen dazustellen.
Herzlicher Gruß – von Renate