“Klappern gehört zum Handwerk”
Als ich vor vielen Jahren einen hoch positionierten Job bei einer namhaften Firma antrat, sagte mein Vater: “Gib damit nicht an. Erzähl’s nicht rum. Sei bescheiden!”
Diese Geisteshaltung habe ich wohl auch in den Genen, denn auf den “Putz zu hauen” mit meinen (sehr vielseitigen) Fähigkeiten, war noch nie meine Ambition. Bisher habe ich auch nicht darüber nachgedacht, ob das falsch oder richtig ist. Heute jedoch mache ich das. Anlass dazu ist folgende Begebenheit: Vor einigen Tagen wurde ich von einem Geschäftsfreund und Mitglied meiner Regionalgruppe bei “Xing” gefragt, ob ich bei einer seiner Verstaltungen einen Vortrag über Kommunikation oder ähnliches halten wolle. Da ich mit Kommunikation und den dafür notwendigen Medien meine Brötchen verdiene, brauchte ich nicht lange zu überlegen und machte auch einen Vorschlag, was und wie ich das Thema behandeln wolle – allerdings nicht mit einem Vortrag, sondern mit einem Workshop. Denn selbst bei anschließender Diskussion ist ein Vortrag relativ einseitig, bei einem Workshop hingegen findet Dialog statt. Und in dem gegebenen Fall ist das für die Teilnehmer der Veranstaltung eindeutig sinnvoller.
Der Geschäftsfreund fand meinen Vorschlag “prima” und fragte, ob ich noch jemanden wüsste, der einen zu meinem Thema passenden Vortrag halten könne.
Ich wusste jemanden. Und dieser Jemand hat auch Interesse an einem Vortrag.
Im Zuge der Email-Kommunikation, bei der alle Beteiligten jeweils als Co-Empfänger eingetragen waren, habe ich nun folgenden Satz gelesen: “…. wir fragen uns, ob wir uns Sie überhaupt leisten können.” Dieser Satz war an den Menschen, den ich empfohlen hatte, adressiert und hat mich doch sehr erstaunt, weil bezüglich meiner Wenigkeit diese Frage ganz offensichtlich nicht im Raum stand. Denn mir wurde einfach nur ein (relativ niedriger) Honororvorschlag gemacht. Es wurde also selbstverständlich davon ausgegangen, dass meine Honorarvorstellungen deutlich niedriger sind als die des Menschen, den ich empfohlen hatte.
Nun frage ich mich natürlich, warum das so ist. Und ich habe den Geschäftsfreund auch ganz offen darauf angesprochen.
Antwort: die eindrucksvolle Referenliste und die (Selbstdarstellungs)Filmchen auf der Homepage (desjenigen, den ich empfohlen habe).
Das hab ich nun von meiner Bescheidenheit! Und deshalb habe ich beschlossen, in Zukunft doch ein bisschen mehr zu klappern. Nicht mit namhaften Referenzen aber mit ein paar anderen “Kleinigkeiten”, die meine Kompetenz anschaulich darstellen. Denn die Frage “Können wir uns Sie überhaupt leisten?” stelle ich mir sehr schön vor – weil sie das Ego streichelt.











Das Klappern muss man in den Genen haben, Renate. Wie sagte mal ein Bekannter zu mir. “Meine Kollegin ist mir in dem Job haushoch überlegen, aber ich verkaufe mich besser”. Der “Showanteil” ist also sehr wichtig ;-)
Gruss
Klaus
Ja, lieber Klaus, da hast du in der Tat Recht: der “Showanteil” ist wichtig. Da werde ich wohl über meinen Schatten springen müssen. Und wer weiß – vielleicht macht’s sogar Spaß. Ich werde davon berichten, beziehungsweise wird man es hier betrachten können…
Liebe Renate,
am wirkungsvollsten ist die Flüsterpropaganda. Offene Werbung wird oft nicht einmal wahrgenommen, sie hat sich selbst abgenutzt. Es gibt Unternehmen, die geben niemals auch nur einen Pfennig für Werbung aus und leiden nicht an Kundenmangel, im Gegenteil führen sie Wartelisten. Referenzlisten und Selbstdarstellung mögen ihren Sinn haben, ich misstraue denen, die allzu heftig klappern müssen.
Lieben Gruß
Bernd
“….ich misstraue denen, die allzu heftig klappern müssen.”
Interessante Sichtweise, lieber Bernd, die ich im Grunde auch habe.
Lieber Gruß von Renate
Ein wenig klappern gehört schon dazu. Es sollte nur nicht zu viele und zu laut geklappert werden.
Klappern ist die eine Sache – aber was das mit einer Liste von Referenzen zu tun hat, erschließt sich mir nicht so ganz. In meiner Branche ist das absolut üblich und wirft eher Fragen auf, wenn keine Referenzen genannt werden. Schlimm fände ich es nur, wenn sich diese Referenzen auf Nachfrage nicht an irgendwelche Projekte des Referierenden erinnern können.
Filme könnte ich mir zwar auch nicht auf meiner Webseite vorstellen, aber bei jemandem, der offensichtlich sein Geld mit Vorträgen verdient, ist das doch keine so abwegige Idee, oder?
Ich denke, Renate, jede/r muss wissen, was zu ihm/ihr und zu der gewünschten Zielgruppe passt. Bei einem Anwalt fände ich eine Referenzliste eher abschreckend (“stehe ich da dann auch mal drauf?”), bei einem Webdesigner fände ich es ok, damit ich mir ein Bild von der Arbeit machen kann.
Nicht zuletzt verweise ich augenzwinkernd auf Lois P. Frankels geniales Buch “Nice Girls Don’t Get The Corner Office” und dort auf Mistake 48 “Waiting To Be Noticed” ;)