Hätte mir früher jemand vorausgesagt, dass ich regelmäßig meine Joggingklamotten anziehe und eine halbstündige Runde drehen würde, hätte ich mir an die Stirn getippt. Joggen – so eine langweilige Angelegenheit kam für mich nicht in Frage.

Aber wie es so ist im Leben: die Dinge, und manchmal auch die Ansichten, ändern sich. Denn seit nunmehr fast 16 Jahren laufe ich jeden zweiten Tag. Na ja, „laufen“ ist etwas übertrieben formuliert, ich würde es eher „tippeln“ nennen. Ich tipple gemütlich durch die Landschaft, gerade so schnell, dass mein Puls nach oben geht, aber eben auch nicht zu weit. Denn das ist nicht gesund, sagt mein Arzt. Zu schnell zu laufen, macht auch keinen Spaß, denn kommt man aus der Puste – und genau das soll man nicht. Man soll mit einer Geschwindigkeit laufen, bei der man sich noch bequem unterhalten kann.

Ich kann mich aber nicht unterhalten, weil ich vorzugsweise allein laufe. Ich habe nämlich keine Lust, beim Joggen zu rede, ich schaue mir lieber die Landschaft an. Und diese Beobachtungen bereiten mir wirklich Vergnügen, denn es ist sehr interessant, wie sich die Flora durch die Jahreszeiten hinweg so verändert.

Momentan ist Sommer. Hochsommer besser gesagt. 32 Grad zeigte vorhin das Thermometer. Im Schatten natürlich. Mir macht das nichts aus, genauso wenig wie Minusgrade. Ich laufe also bei jedem Wetter! Egal, ob es heiß oder kalt ist, ob es regnet oder schneit. Würde ich das nicht machen, gäbe es genügend Ausreden, und zwar permanent:

„Ach, bei der Hitze legst du dich lieber in den Schatten.“

„Ach, bei dem Regen bleibst du lieber zuhause.“

„Ach, bei diesem Schneetreiben setzt du dich lieber aufs Sofa.“

Ich habe aber keine Lust auf Selbstbetrug und überwinde den inneren Schweinehund – und das konsequent.

Wie gesagt: Ich laufe jeden zweiten Tag ungefähr eine halbe Stunde. Manchmal auch doppelt so lang, dann nämlich, wenn ich die große Runde über Eching laufe. Heute bin ich nur die kleine Runde gelaufen, durchs Wäldchen hinter dem Schullandheim, und die stellt sich so dar:

Und wenn ich dann wieder daheim bin sage ich zu mir: „Gut gemacht, Renate!“ Zufrieden setze ich mich hin, trinke ein Glas Wasser, dusche  – und bin ein bisschen stolz auf meine Disziplin. Und die brauche ich. Denn das, was mir vor Jahren vorausgesagt wurde, Joggen mache im Laufe der Jahre süchtig, ist bei mir nicht eingetroffen. Und das ist gut so!

Joggen

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