Hübsche Verpackung mit schlechtem Inhalt

An ihren Gaben sollt ihr sie erkennen. Das ist ein leicht abgewandelter Spruch, an dem viel Wahres steckt.

Weihnachten – die Zeit der Gaben – ist vorbei, und ich denke über die Gaben nach, die mir überreicht (oder per Post geschickt) wurden. Es waren viele schöne Kleinigkeiten, über die ich mich teilweise doppelt gefreut habe. Einmal über das Geschenk als solches (beispielsweise ein Katzenkalender mit klugen Sprüchen und köstlichen Fotos von Leisetretern in allen möglichen und unmöglichen Positionen). Dann aber freue ich mich aber auch über die Geste, weil der oder die Geberin sich überlegt hat, womit er/sie mir eine Freude machen kann. Und das sollte ja eigentlich der Sinn einer solchen Dargebung sein.

Weiterhin habe ich diverse Flaschen Wein bekommen und einen Christstollen. Wein trinke ich gern, kaufe ihn mir aber lieber selber, weil es einige Sorten gibt, die ich überhaupt nicht verknusen kann (Bordeaux zum Beispiel) und lieber zum Kochen oder Essig machen hernehme. Christstollen schmeckt mir auch nicht besonders, aber das waren alles Geschenke von Geschäftspartnern, da sind solche Präsente zu Weihnachten Usus. Individuelle Aufmerksamkeiten wären hier wohl zu aufwändig – abgesehen davon, dass man eigentlich ganz auf sie verzichten könnte. Eine Spende für Bedürftige wäre bestimmt vernünftiger, und einige Firmen machen das mittlerweile auch.

Dann habe ich aber noch Geschenk bekommen, das ohne Worte viel zu sagen hatte: einen voluminösen Blumenstrauß – dargebracht von einer Nachbarin, die sich gern als meine Freundin bezeichnet. Nun, wird man sich fragen, was ist denn gegen einen Blumenstrauß zu sagen? Grundsätzlich natürlich nichts (obwohl ich Katzenbücher bevorzuge), doch dieser Strauß als solcher hatte es in sich. Dazu muss man wissen, dass er nicht in Papier, sondern in dieses Mode gewordene Zellophanpapier eingepackt war – mit niedlich geringelten Bändchen und anderem dekorativem Schnick-Schnack an mehreren Stellen. Andere Menschen finden so eine Verpackung vielleicht schön, was mich betrifft, so habe ich sie entfernt, und das war ein Fehler. Denn kaum hatte ich den Inhalt, ein typisches Weihnachtsgesteck, freigelegt, entledigte sich dieser seiner Nadeln und Blätter, die nun verstreut auf meiner Anrichte herum lagen. Aha, dachte ich, das schaust du dir jetzt näher an. Und während ich schaute, entdeckte ich, dass nicht nur Blätter und Nadeln abgefallen waren, sondern die zwischen den kahlen Zweigen steckenden getrockneten Orangenscheiben sowie die roten und gelben Schmuck-Früchtchen mit einer dicken Schimmelschicht überzogen waren. – Im Grunde sah dieses bizarre grau-grüne Gebilde ganz hübsch aus, was aber bestimmt nicht in der Absicht der Geberin lag.

Nun, dachte ich im ersten Moment, da hat das Blumengeschäft einen Ladenhüter “entsorgt”. Dieser Gedanke hielt sich aber nicht lange, weil mir ein anderer kam, der mir im Nachhinein als äußerst plausibel erscheint. Der Strauß war gar nicht für mich bestimmt, sondern ein Präsent an meine „Freundin“ – einige Wochen früher, im Advent. Wie praktisch, muss sie sich gesagt haben, als sie überlegt hat, mit welcher Weihnachtsgabe sie mich beglücken könne. „Da ist doch dieser olle Strauß vom Sowieso … der sieht doch noch ganz nett aus. Wunderbar, den kriegt Renate.“

Auf die Idee, dass ich das Zellophan beseitigen könnte, ist sie wohl nicht gekommen. Aber man muss im Leben halt mit allem rechnen – auch dass andere einem auf die Schliche kommen. Vor allem wenn sie sich nicht von einer hübschen Verpackung blenden lassen, sondern dem Inhalt widmen. Das ist ja nicht nur bei Blumensträußen so…

9 Antworten auf Hübsche Verpackung mit schlechtem Inhalt

  • Erika sagt:

    Grüss Gott Renate,

    sei froh, dass du in der Lage bist so genau und schonungslos hinzuschauen. Ich bin von der blauäugigen Sorte, brauche immer viel zu lange bis ich das Offensichtliche auch sehe. Zu wissen was Sache ist mit den “Freundinnen” ist Gold wert.

    Liebe Grüsse//Erika

  • renate sagt:

    Blauäugig, ja, das war ich auch lange Zeit, lieb Erika. Leider bringt es einen nicht weiter.

    Herzlicher Gruß von Renate

  • Rinski sagt:

    Eine sehr schöne, offene Geschichte, liebe Renate :-)

    Ich habe mal ein paar Ohrringe von einer “Freundin” zum Geburtstag bekommen. Ich fand sie nicht besonders schön aber trug sie trotzdem, meiner “Freundin” zuliebe. Als ich dann bei dieser “Freundin” zu Besuch war, mit besagten Ohrringen im Ohr, sagte ihre Mitbewohnerin zu meiner “Freundin”: “sind das nicht die 5-Marks-Dinger, die ich neulich wegschmeißen wollte?”
    Wie sagt man so schön? Die Geste zählt. Die Ohrringe hab ich in den Restmüll geschmissen. Das war meine Geste.

  • christiane sagt:

    nette Freunde, auf die kann man gut verzichten. Ich habe diese Erfahrung auch mit einer Nachbarin gemacht, die gottseidank mittlerweile aus meinem “Dunstkreis” verschwunden ist. Das Ende vom Lied war, das wir uns damals nicht mehr angesehen haben, ich war dermaßen sauer und habe es sie auch spüren lassen. Solche Leute brauche ich nicht und wenn die Zahl der Freunde auch gering ist, auf die kann ich aber zählen und lieber bekomme ich garnichts geschenkt, das ist oft ehrlicher als sowas.
    Herzliche Grüße und ich hätte den Strauß “zusammengekehrt , wieder verpackt und ihr vor die Tür gelegt. (böse wie ich bin ;-)
    Deine Christiane

  • renate sagt:

    Der Kontakt mit der Dame ist mittlerweile zu den Akten gelegt. Solche Menschen brauche ich wirklich nicht in meinem Dunstkreis. Die Sache mit dem Strauß ist ja nur eine Sache … passend zu ihrem Allgemeinverhalten.

  • Bernd sagt:

    Liebe Renate,
    deine Geschichte haben wir mit stillem Schmunzeln, hoch interessiert gelesen. Sahnehäubchen wurden noch von den kommentierenden Damen hinzugefügt. In Anerkennung eures geballten Sachverstandes werde ich mich ab sofort in allen Fragen, die die leidigen Geschenke betreffen hier an euch wenden.
    Lieben Gruß
    Angelika und Bernd

  • renate sagt:

    Sie sollten einfach nicht “olle” und verschimmelt sein, die Geschenke, liebe Angelika und lieber Bernd. … ;-)

  • Thomas sagt:

    Hallo! :)

    Hab hier mal kurz rein gelesen und festgestellt, das ich das wieder finde was mich auch bei unserem persönlichen treffen begeistert hat: Ein direkte, offene, bestimmte Art gekoppelt mit Lebensfreude, Tolleranz und Klarheit.
    Werde hier in Zukunft öfter vorbei schauen! :)

    Liebe Grüße aus LL,
    Thomas (aus’m Kaufland) ;)

  • renate sagt:

    Herzlicher Gruß nach Landsberg, lieber Thomas!

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