Hilfsbereitschaft – vom Aussterben bedroht?!
Als ich vor einigen Jahren umgezogen bin, hatten meine Freunde leider alle gerade was anderes vor. Also fuhr ich den Großteil meiner Klamotten peu à peu mit meinem Auto allein zur neuen Wohnung und stapelte dort alles in einer Garage. Für die größeren Dinge, wie Schränke und andere sperrigen Gegenstände mietete ich dann einen kleinen Lastwagen, und der Freund einer Freundin, ein Mann, den ich kaum kannte, schleppte im Schweiße seines Angesichts zwei Tage lang meine Mobilien ins neue Zuhause. Die Freundin, die ihre Mithilfe fest zugesagt hatte, tauchte nicht auf. Sie rief nicht mal an um sich (mit einer dürftigen Ausrede) zu entschuldigen, nö, sie kam einfach nicht.
Nächster Fall: Vor drei Jahren erirrte sich ein Golfball auf der Motorhaube meines Autos und hinterließ dort eine Delle. Mein fahrbarer Untersatz musste also für zwei Tage in die Lackierwerkstatt. Diese befindet sich drei Dörfer weiter, und ich fragte einen Freund ob er mich mit seinem Auto dort hin begleite und dann wieder nach Hause führe und umgekehrt. „Nimm doch den Zug“, meinte der Freund, dem ich schon so manchen (nicht gerade kleinen) Gefallen angedeihen ließ, „ist doch viel praktischer.“
Ich nahm den Zug!
Die Liste unterlassener Hilfeleistungen könnte ich hier beliebig verlängern, schreibe aber lieber über ein ganz aktuelles Erlebnis.
Vor einigen Tagen kaufte ich im Supermarkt eine Flasche Rotwein, deren Inhalt sich als äußerst lecker herausstellte. Ich suchte im Internet nach der Marke und wurde schnell fündig. Einen Euro weniger sollte sie dort kosten. Prima! Ich gab eine größere Bestellung auf.
Vor zwei Stunden nun klingelte der Postbote und wuchtete drei – sehr große – Kartons aus seinem Lieferwagen. Die platzierte er in den Flur neben der Haustür, wo sie darauf warteten, von mir in den Keller geschleppt zu werden. So weit kam es aber gar nicht erst, weil vorhin mein Nachbar anrief und mir seine Hilfe anbot. Den Wäschekorb habe er schon parat, meinte er, damit ginge der Transport leichter von statten.
Gesagt, getan. Karton für Karton in den Korb gestellt und mit gemeinsamen Kräften nach unten getragen. In wenigen Minuten war die Angelegenheit erledigt. Ich meinerseits habe dem Nachbarn vor einigen Tagen geholfen, Blumenkästen nach unten zu transportieren. Auch ohne darum gebeten worden zu sein. Zu zweit lassen sich manche (viele) Dinge eben schneller und leichter erledigen. Sich bei Bedarf gegenseitig unter die Arme zu greifen, ist für uns (für meine Nachbarn und mich) völlig normal.
Im allgemeinen aber scheint diese Tugend vom Aussterben bedroht zu sein…









