Großzügigkeit – ein seltenes Gut
Vor einigen Jahren stolperte ich bei Amazon über eine Chillout-CD. “Seaside” hieß sie, ich hörte mir die Hörproben an und bestellte die Scheibe. Und dann hörte ich sie unentwegt – vor allem beim Cabriofahren. Und weil sie mir so gut gefiel, gab ich bei Amazon eine Bewertung ab – mit fünf Sternchen. Das war im Mai 2003.
Ein paar Monate später erhielt ich eine Email – von einem mir unbekannten Mann namens Andreas Bruhn. Andreas war der Komponist von “Seaside” und bedankte sich für meine Bewertung bei Amazon. Ich habe schon viele positive Bewertungen bei Amazon geschrieben, bedankt hat sich außer Andreas noch niemand. Umso erstaunter war ich über seine Mail.
Ein paar Monate später produzierte ich meine erste Diashow, die “Ammersee-Rundfahrt”. Eine kleine Reise mit dem Dampfer über den See, an dessen Westseite ich lebe. Für diese Diashow brauchte ich noch eine Musik und ich kam auf die kesse Idee, Andreas zu fragen, ob ich von seiner CD “Seaside” drei Stücke verwenden dürfe und wenn ja, was das koste. Andreas antwortete prompt. Ich durfte seine Musik verwenden und aufs Honorar verzichtete er. Ich müsse nur die Gema-Gebühren bezahlen. Ein mir völlig unbekannter Mensch schenkt mir seine Musik – dieses Mal war ich nicht nur verwundert, sondern wirklich von den Socken.
Ein paar Jahre später bekam Post von Andreas. Er hatte eine neue CD produziert. “Satellite” hieß sie, und er schenkte sie mir. Einfach so. Geschenke sind heutzutage nicht unbedingt an der Tagesordnung, erst recht nicht von Menschen, die man noch nie in seinem Leben gesehen hat und mit denen man lediglich per Email und Telefon Kontakt hat. Die Musik auf “Satellite” war wieder ein Ohrwurm.
Wieder ein paar Jahre später bekam ich eine Email von Andreas. Er schickte mir drei Stücke – von seiner nagelneuen CD “Seasons”. Ich solle schon mal reinhören. Die Scheibe sei gerade in Produktion und sobald sie gepresst sei, würde er sie mir schicken. Es dauerte keine zwei Wochen, und der Briefträger drückte mir ein Päckchen in die Hand. “Seasons” in dreifacher Ausgabe, eine für mich und zwei zum Verschenken.
Ein paar Jahre später begann ich meine Diashow-Reihe “Inseln der Ruhe” und ich fing an mit dem “Winter“. Dazu brauchte ich natürlich auch wieder Musik und ich kramte in meinem Musikarchiv und dabei fiel mir “seasons” in die Finger. Was passte besser zu meinem Jahreszeitenprojekt als “seasons”? Nichts!
Ich griff zum Telefonhörer um Andreas anzurufen. Ich fragte ihn, ob ich drei seiner Stücke für meinen “Winter” verwenden dürfe. “Klar”, sagte Andreas. Ich meldete die DVD bei der Gema an, bezahlte die Gebühren und ließ die DVD in Mini-Auflage von einem Profi produzieren.
Dann produzierte ich “Frühling” und “Abschied”, jedes Mal mit der Musik von Andreas Bruhn. Die drei DVDs sind sehr schön geworden, und Fotos und Musik ergänzen sich auf wunderbare Weise. Dazu muss ich noch was Wichtiges erwähnen. Bei allen Stücken musste was an den Tonspuren geändert werden. Gesang raus genommen werden zum Beispiel, Bässe und Schlagzeug reduziert oder leicht geändert werden. Das alles hat Andreas klaglos gemacht. Ich habe meine Wünsche geäußert, und ein Tag später war die Änderung da. Dazu muss noch was erwähnt werden: weil Andreas ein guter Musiker und Komponist ist, ist er entsprechend gut beschäftigt, hat also sehr wenig Zeit. Erst recht für Projekte, die er einer Frau am Ammersee schenkt. Nichtsdestotrotz hat er meine Wünsche in kürzester Zeit umgesetzt. Meistens dauerte es nicht mal einen Tag. Ich kenne wenige Menschen, die derart großzügig und zuverlässig sind, wie Andreas. Auch dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Aber die Story ist noch nicht zu Ende.
Vor ein paar Wochen traf ich mich mit einer Freundin, der ich die ersten beiden Jahreszeiten geschenkt habe. Wir sprachen über die DVDs und die Vermarktung, die gar nicht einfach ist. Sie gab mir ein paar Tipps (sie ist selbst Musikerin, Pianistin genauer gesagt), und dann meinte sie plötzlich: “Mensch, Renate, ich habe eine Idee.” Sie erzählte mir dann, dass sie regelmäßig einen gemeinnützigen Verein unterstütze. Ein Verein, der an Krebs erkrankte Menschen psychologisch betreut. Für diesen Verein solle ich eine DVD produzieren, als Spende, die sie bezahle. Eine Diashow mit Musik – ähnlich wie meine anderen Projekte. Sie fragte mich, was ich von der Idee halte. Was ich davon hielt, brauche ich wohl nicht zu erklären. Mein zweiter Auftrag für eine Diashow – wie schön. Ich freute mich riesig. Nicht nur, weil ich Honorar dafür bekomme, sondern vor allem weil mein “Herzensprojekt” nun beginnt, Früchte zu tragen. Früchte, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Natürlich brauche ich für dieses Projekt, das eine besonders große Herausforderung für mich darstellt, wieder Musik. Dreimal darf geraten werden, wen ich dazu fragte. Ja, Andreas natürlich. Ich habe mir wieder drei Stücke aus einer seiner CDs ausgesucht, und in den vergangenen Tagen hat er sie mir – zuverlässig wie gewohnt – meinen Wünschen angepasst. Gesang raus genommen und Bässe und Schlagzeug reduziert. Nun mache ich mich gut gelaunt ans Werk und stelle hier ein Stück rein, das ich gestern von ihm bekommen habe und für die DVD verwenden werde.
Hier das Musikstück zum Anhören in voller Länge. Man braucht “Quicktime” um es öffnen zu können.
“Turn it on” heißt es, und es geht mir jedes Mal unter die Haut und berührt mich so sehr, dass ich aufpassen muss, dass mir nicht die Tränen runterlaufen.
Ein großes, dickes Danke an Andreas! Solche Menschen wie er sind rar…
P. S.: Mittlerweile hatte ich das Vergnügen, Andreas auch persönlich kennenzulernen. Ich war in Hamburg, wo Andreas lebt und wo wir unser Projekt “Inseln der Ruhe” einem bekannten Musikverlag präsentiert haben. Wir bekamen stehende Ovationen nach der Präsentation…
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Renate,wunderschoen, es geht einem wirklich unter die Haut, ich beneide Euch um Eure Kreativitaet, leider habe ich davon nicht viel mitbekommen…..wuenschte aber ich waere kreativ.
Mein Sohn hat gerade sein Studium in Dallas beendet, und darf sich jetzt auch Grafik Designer nennen.
Ich kann beim ihm sehen wieviel Freude ihm sein Beruf macht……
Liebe Gruesse aus Teaxas
Liebe Susanne, ich denke,jeder Mensch ist kreativ. Jeder auf seine spezielle Weise. Ich hätte vor dreißig Jahren nicht für möglich gehalten, was ich heute mache, und was mir sehr, sehr viel Freude bereitet. Kreativität hat für mich nicht nur damit zu tun, etwas zu gestalten, sondern vor allem, das, was man gestaltet, mit dem Herzen zu machen. Ich war ja schon immer eine “Heulsuse”. Aber soviele Tränen wie in den letzten Jahren habe ich noch nie vergossen – viele davon bei meiner Arbeit mit den Diashows. Die Mischung aus Fotos und Musik ist einfach wunderbar. Und ich genieße meine Tränen … merkwürdig, nicht wahr? :-)
Ganz herzliche Grüße über den Atlantik – von Renate
P. S.: Dass dein Sohn Grafikdesigner ist, bestätigt meine Vermutung … er hat wohl einiges von dir geerbt, nur hast du dich wahrscheinlich nie getraut oder du hast nicht die Zeit gefunden, deine kreative Seite zu entdecken bzw. auszuleben Oder wie siehst du das?
Meine Mama war eine äußerst kreative Frau – rein auf’s praktische Leben bezogen. Hätte sie in einer anderen Zeit und unter anderen Umständen gelebt, wer weiß, was sie alles zu Tage gebracht hätte. An künstlerischen Fähigkeiten meine ich…
Liebe Renate, erst mal gratuliere ich zu diesem Andreas. Du hast völlig recht, solche Menschen sind rar.
Dann finde ich die Musik ganz klasse und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Ich gehe davon aus, dass du es uns dann hier vorstellst. Oder?
Ich wünsche dir ganz schöne Ostertage und schicke herzliche Grüße vom Rhein!
Nadine
Prima Chillout!
Und zu Andreas kann man dir wirklich nur gratulieren!