goldrute 11.35.03Man färbt mit ihnen Wolle, man pflanzt sie als späten Blütenschmuck in Gärten, man verwendet sie in der Wildpflanzenküche und schätzt sie als Heilpflanzen: Goldruten. Doch trotz aller Vorzüge gehen die Meinungen über diese Pflanzen oft sehr auseinander. Weil es mehr als nur eine Goldrute gibt. Neben der heimischen Art werden die beiden großen Schwestern aus Nordamerika meist argwöhnisch beäugt. Obwohl alle drei sich in der Volksheilkunde bewährt haben.

Die Goldene Jungfer
Solidago virgaurea, so lautet der botanische Name der heimischen Goldrute, auch Echte Goldrute oder Heidnisch Wundkraut genannt. Zum Ende des Sommers entfaltet sie an Waldrändern und Gebüschsäumen, entlang von Wegen und in mageren Wiesen ihre knie- bis fast hüfthohen Blütenstände. Dicht an dicht reihen sich hier goldgelbe Körbchenblüten.
Zur Blütezeit wird das Kraut seit alters her gesammelt, dann schonend getrocknet und gewöhnlich als Tee zubereitet, um den Körper durchzuspülen. Goldrute wirkt nämlich diuretisch, also harntreibend. Sie wird verordnet bei Entzündungen der Blase und der Harnwege, solange kein Fieber dabei auftritt.

Vorbeugend nimmt man Goldrute auch, um die Bildung von Nierengrieß und Harnsteinen zu vermeiden. Und selbst bei der Behandlung einer Reizblase zeigt sich die Echte Goldrute hilfreich. Da wundert es kaum, dass Goldrutenkraut eine der am häufigsten verwendeten Drogen in Nieren- und Blasentees ist.


Goldregen aus dem Ahornland

Während die heimische Goldrute immer weniger anzutreffen ist, macht sich der Einwanderer aus dem Land der Ahornbäume, aus Kanada, bei uns immer mehr breit. Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist 1645 nach Europa gebracht worden und gehört damit zu einer der ältesten Pflanzen, die vom nordamerikanischen Kontinent bei uns eingeführt wurden. Als üppig blühende und äußerst anspruchslose Zierstaude zog sie in die europäischen Gärten ein, verwilderte aber auch daraus und breitete sich vor allem entlang von Verkehrswegen stark aus.

Ihre Stärke liegt in ihrer Wuchskraft. Sie vermehrt sich durch eine Unzahl von gut flugfähigen Samen – pro Trieb können bis zu 15.000 davon entstehen. Mit dem Wind reisen die leichten Früchte überall hin. Doch auch über ihre Erdsprosse erobert die Kanadische Goldrute neues Terrain, denn selbst kleine Bruchstücke der unterirdischen Teile sprießen schnell zu neuen Pflanzen heran. Oft entstehen dichte Bestände, diese können durchaus 100 Jahre bestehen.

Die herbwürzig riechenden Blüten locken vielerlei Insekten an, Wildbienen, Schwebfliegen und Tagfalter. Immer wieder werden die Pflanzen verdächtigt, als sogenanntes Schnupfengold Allergien zu verursachen – das aber wohl zu Unrecht. Der Blütenstaub ist schwer und zudem klebrig, als dass er vom Wind weit umhergetrieben werden könnte. Was die Inhaltsstoffe angeht, so ähneln sie in denen der heimischen Art. Deshalb wird die Kanadische Goldrute im Hausgebrauch ebenfalls als Wasser treibendes Heilkraut angewandt, wenngleich die Wissenschaft die Wirksamkeit auch noch nicht endgültig belegt hat.

Der Stolze Heinrich
Der Nachweis der Heilkraft bei Blasen- und Nierenleiden ist dagegen bei der anderen Amerikanerin erbracht, der Späten oder Riesen-Goldrute (Solidago gigantea). Trotz ihres Namens wird sie nicht höher als die Kanadische Goldrute, sondern bleibt oft sogar niedriger. Unterscheiden lässt sich die Späte Goldrute durch ihre Blütentriebe, die straff aufrecht ragen – bei der Kanadischen Goldrute hängen sie anfangs stets über. Um die Verwirrung noch komplett zu machen, blüht die Kanadische Goldrute dann auch noch nach der Späten Goldrute, erstere beginnt erst ab August, letztere schon Ende Juli. Spät bezieht sich bei der Art darauf, dass sie erst ein Jahrhundert nach der Kanadischen Goldrute Europa erreichte und sich erst Jahrzehnte nach ihr überall verbreitete.
Die Späte Goldrute zieht Hummeln, Bienen und andere Insekten magisch an. Auf Brachflächen und in Siedlungsräumen ist sie als Bienenweide deshalb auch sehr willkommen. In Magerrasen, Streuwiesen und Auen sieht man sie dagegen weniger gerne, verdrängen die dichten Herden doch viele andere Arten. Immerhin hat sich die Späte Goldrute bei uns einen Namen als Heilpflanze gemacht. Wie die heimische Art dient sie zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten, bei Stein- und Grießablagerungen.

Goldruten im Garten
Wer einen sonnigen bis halbschattigen Flecken im Garten übrig hat, mit magerem, eher trockenem Untergrund, der kann die Echte Goldrute ansiedeln. Gut sortierte Samenhandlungen bieten Saatgut an, manche Wildkräutergärtnerei auch vorgezogene Pflanzware. Leichter gelingt es, den Garten mit den amerikanischen Arten zu bestücken. Oft gibt es Pflanze in Containern zu kaufen, man kann sich aber auch beim Nachbarn, mit Genehmigung des Grundeigentümers aber auch ein Stück eines Bestandes abstechen. Sonnig, warm und nicht zu trocken soll der Standort sein. Doch Vorsicht! Goldruten neigen zum Wuchern. Wer sie gleich mit einer Wurzelsperre setzt, erspart sich später viel Mühen beim Abstechen.
Karin Greiner


Der Text stammt aus der von mir gestalteten Broschüre „Die heilsame Hecke“


Die Broschüre kann man direkt bei der Autorin bestellen.

Goldruten
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2 Gedanken zu „Goldruten

  • 8. August 2015 um 10:42
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    Ja, über die Goldruten gehen die Meinungen wirklich auseinander. Ich mag sie total gern und habe mir ein paar Wurzelausläufer in den Garten gepflanzt, die bislang jedes Jahr treu austreiben. Sie wuchern gar nicht so sehr, da ist der Goldfelberich viel schlimmer. Eine Freundin hat einen Schrebergarten in München, und sie wurde vom Vorstand aufgefordert, die Goldruten an ihrem Gartenzaun zu entfernen. Muss alles seine Ordnung haben (ätzend). Ich würde mir regelmäßig schöne Blumensträuße damit machen. ;-)

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  • 8. August 2015 um 10:48
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    Also erstens sind Goldruten sehr beliebt bei Insekten, schon mal ein Grund, sie nicht auszureißen.
    Zweitens sind sie schön.
    Drittens ist der Vorstand des Schrebergartens ganz offensichtlich ein Kleingeist. „Es muss alles seine Ordnung haben …“ Hoch lebe der Burpükratismus in Deutschland!
    Viertens kann man mit der Goldrute in der Tat wunderschöne Sommersträuße binden – bunt gemischt mit anderen Sommerblumen.

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