Frau über 40 und die Männer

“Dass eine Frau über 40 einen Mann abkriegt, ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Lottogewinn.” So heißt es zumindest. Und in der Tat ist es für eine Frau um die dreißig um einiges einfacher, einen Mann “abzukriegen.” Ob das dann der Richtige ist, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Wenn es für eine Frau über 40 so schwierig ist, ihr Leben mit einem Mann auszustatten, dann liegt es auf der Hand, dass es für eine Frau über 50 noch schwieriger ist. Das liegt unter anderem daran, dass viele der altersmäßig passenden Herren es vorziehen, sich nach einer Jüngeren umzuschauen. Ja, Männer Mitte fünfzig oder um die sechzig haben keine Scheu davor, mit einer zehn – besser noch 20 Jahre jüngeren Frau eine Bindung einzugehen, sie oft auch zu heiraten. Dass sehr viele oder die meisten dieser Beziehungen/Ehen auseinander gehen – zumindest zeigt sich das im Freundes- und Bekanntenkreis – sei hier mal dahin gestellt.

Also, die Chance, dass ich, mit üppigen fünfzig, einen Mann “abkriege”, ist geringer als ein Lottogewinn. Zumal meine “Ansprüche” auch nicht gerade gering sind. Also, habe ich mich mehr oder weniger damit abgefunden, auch die nächsten Jahre allein durchs Leben zu gehen – was übrigens gar nicht so tragisch ist.

Doch wenige Tage vor Weihnachten bekam ich eine Email. Von Gerd. Gerd kenne ich seit rund 24 Jahren. Wir sind uns in einer Schwabinger Kneipe begegnet. Dass er sich für mich interessierte, war nicht zu übersehen. Er gefiel mir auch. Witzig, klug und schlagfertig. Zwar kein Beau, aber ich bin ja auch nicht Greta Garbo.

Wir trafen uns regelmäßig, gingen miteinander essen, diskutieren und lachten, aber ich habe mich nicht in ihn verliebt. Was er sehr bedauerte, und ich auch irgendwie, denn eigentlich passten wir prima zueinander. Dann lernte ich einen anderen Mann kennen. Mit dem verstand ich mich nicht halb so gut wie mit Gerd, aber der hatte etwas, das Gerd nicht hatte: er war nicht zu “kriegen”. Von ein paar erotischen Begegnungen abgesehen, hielt er auf Distanz und dass aus uns kein Paar werden würde, war mir schnell klar. Und genau das war wohl der Knackpunkt. Zumindest ist das meine Erklärung – aus heutiger Sicht gesehen. Denn wenn ich meine Männer so Revue passieren lasse, habe ich mich immer wieder zu denen hingezogen gefühlt, die mir nicht zu nahe gekommen sind – oder mich nicht nahe kommen ließen.

Gerd und ich haben uns im Laufe der Jahre aus den Augen verloren. Ich hatte Alfons an Land gezogen und Gerd hatte geheiratet – wie ich mitkriegte. Per Zufall. Wir sind uns auf der Straße irgendwann über den Weg gelaufen. Ich mit Alfons an meiner Seite und Gerd mit Ehefrau und Kinderwagen. Eine kurze Begrüßung und eine genauso kurze Verabschiedung. Sehr unpersönlich. Ich rechnete nicht mehr damit, Gerd jemals wiederzusehen.

Doch es kam anders. Vor rund drei Jahren traf ich ihn. Im Internet entdeckte ich ein Foto von ihm. In einer Partnerbörse. Gerd war anscheinend nicht mehr verheiratet. Denn um doppelgleisig zu fahren ist er nicht der Typ.

Ich meldete mich bei der Partnerbörse an und schickte Gerd eine Nachricht. Er antwortete prompt. Ein paar Tage später trafen wir uns. In einem italienischen Lokal in München mit einem sehr schönen Ambiente: geschmackvolle Einrichtung, gedimmtes Licht und Smoothjazz im Hintergrund. Genau das Richtige für einen romantischen Abend.

Gerd hatte sich kaum verändert. Ein paar Jahre älter geworden halt. Ansonsten war er der alte. Und die geistige Nähe zwischen uns war auch geblieben. Wir erzählten, lachten, hielten uns hin und wieder an den Händen und genossen beide die Stunden. Ein ganz besonderer Zauber – nach so langer Zeit.

Danach trafen wir uns regelmäßig – über mehrere Wochen. Alles lief prima. Bis ich eines Tages eine Email von ihm bekam – nach einem gemeinsamen Treffen mit seiner Tochter. Bei einer Ammersee-Rundfahrt hatte ich etwas gemacht, was ihm nicht gefiel: ich hatte viel fotografiert und er hätte lieber gehabt, dass ich anstatt der Landschaft mehr ihm und seiner Tochter widme. Dieser Wunsch ist durchaus berechtigt, und über eine solche (kleine) Enttäuschung kann man ja reden. Was ich aber gar nicht leiden kann, was mir mir wirklich Unbehagen bereitet, das ist ein unfreundlicher und vorwurfsvoller Ton. Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten (ich lieb(t)e es, andere Menschen zurechtzuweisen), antwortete ich auf diese Email nicht. Denn mittlerweile hatte ich begriffen, dass eine derartige Korrespondenz sehr schnell “symmetrisch eskaliert”, weil jeder nur das liest, was er lesen möchte und vorzugsweise wird in solchen Fällen zwischen den Zeilen gelesen. Das ist nämlich leichter, als sich mit dem auseinanderzusetzen, was IN den Zeilen steht.

Ich hatte gehofft, dass er anruft. Ich hätte ihn natürlich auch anrufen können, aber das hat mir mein Stolz verboten. Wenn mich jemand derart anblafft, dann ist es an ihm, mal nachzudenken, in sich zu gehen, Reue zu zeigen und dann mit versöhnlicher Absicht zum Hörer zu greifen. Ja, so habe ich das gesehen. Damals vor über drei Jahren.

Gerd rief nicht an. Auf eine (meiner Meinung nach sehr freundliche) Email von mir, einige Wochen später, hat er nur kurz und knapp reagiert. Sämtliche Unklarheiten waren damit vom Tisch, und ich dachte erneut, und das ohne Groll aber mit leisem Bedauern, dass ich von Gerd nie wieder was hören oder lesen würde.

Doch vor Weihnachten nun bekam ich eben die oben erwähnte Email. Und mittlerweile sieht es so aus, dass wir aus unseren “Fehlern” gelernt haben und sehr zuversichtlich in die Zukunft gehen. Schau’n wir mal…

4 Antworten auf Frau über 40 und die Männer

  • Ulf Runge sagt:

    Liebe Renate,
    ich drücke Dir, Euch, die Daumen.
    Manchmal muss man einfach warten, bis man den Tippschein abgibt. Aber diese Woche scheint für Dich was im Jackpot zu sein…
    LG, Ulf

  • Pingback: Renate Blaes » Blog Archiv » Zweierlei Liebe?

  • Charley sagt:

    Liebe Renate.
    Ich sags mal so, wenn jemand auf die Haustiere, egal was es für welche sind, eifersüchtig sein kann, so ist er es auch auf andere Menschen. Diese Erfahrung habe ich persönlich gemacht. Kann gutgehen, wenn die Zeit und die Liebe verstehen machen, das von den Tieren und auch von anderen Menschen keine “Gefahr” droht. Doch ich bin gebranntes Kind. Ich habe gut 7 Jahren unter Eifersucht gelitten. Das prägt. Wenn dann die kleinen Sticheleien, so ganz Zufällig ausgesprochen, einen mit der Zeit anfangen doch zu kränken, dann wird es hart. Schlucke ich es, oder gehe ich darauf ein. Die Antwort wird dann immer sein: hab ichs doch gewusst…..! Egal was man dann vorbringt, es wird immer ins negative gezogen. Die Eifersucht wird dann “legalisiert”, somit für den Eifersüchtigen zur Wahrheit und unumkehrbar. Ich bin kein Psychologe, was zu tun ist entzieht sich meiner Kenntnis, nur eines weiß ich, das kann verdammt weh tun.
    Lieben Gruß vom Charley

  • Renate sagt:

    Lieber Charley, eifersüchtige Menschen sind eigentlich auf alles eifersüchtig, was ihnen die Aufmerksamkeit entzieht – vermeintlich.

    Ich werde mich ganz bestimmt nicht dafür rechtfertigen, dass ich meine Katzen liebe … oder auch nicht “beweisen” wollen, dass es sehr wohl möglich ist, Tiere zu lieben. Ich diskutiere ja auch nicht mit jemandem über “Tonwertkorrektur”, der nicht mal einen Schimmer davon hat, was das eigentlich ist.

    Und so halte ich es auch mit der jetzigen Situation. Ich werde in zwei Wochen 59 und habe keine Lust mehr, mich mit Ausweglosigkeiten herzumzuschlagen. Meine Lebenserfahrung hat mir gezeigt, dass das nur anstrengt und selten zu einem positiven Ergebnis führt. Und ich werde auch Probleme anderer nicht zu meinen machen. Weil das genauso aussichtslos ist.

    Fazit: ich werde meine Katzen weiterhin lieben und das war’s dann auch schon. Ende der Fahnenstange – ich muss doch nicht mein Leben lang die gleichen Fehler machen.

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Jutta Aurahs
Redaktion "Geliebte Katze"

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