Flasche leer

Vielleicht liegt’s am Wetter. Grau. Dieselbe Farbe haben auch meine Gedanken.

Erkältungsbedingt lag ich die vergangenen Tage viel im Bett und hatte viel Zeit. Und wenn ich viel Zeit habe, mache ich mir Gedanken, beziehungsweise machen die Gedanken sich selbst. Sie kommen einfach. Unaufgefordert. Und gestern Abend machten meine Gedanken sich Gedanken über mich. Und sie stellten fest, dass ich mich sehr lustlos fühle. Demotiviert. Kraftlos. Leer.


Normalerweise bin ich ein Mensch, der gern gibt. Einer, der immer da ist. Ach, Renate, kannst du mal…? Ja, Renate kann. Renate steht zur Verfügung. Mit Rat und Tat. Renate redigiert den Text. Renate entwirft mal schnell ne Visitenkarte. Renate bearbeitet mal schnell ein Foto. Renate kommt schnell mit ihrer Kamera und knipst die Jubiläums-Feier. Da braucht jemand einen Fachmann, und wen ruft er an? Ja, klar, Renate. Denn Renate hat ein gut funktionierendes Netzwerk. Jemand hat ein Problem mit einem Computerprogramm. Wer kann da helfen? Renate natürlich. Und so weiter, und so weiter…

Und nun hab ich irgendwie keine Lust mehr. Mein Blog bei der Brigitte erfreut sich seit Monaten hoher Beliebtheit. Schön! Die Brigitte-Redakteurinnen bekommen für ihre Arbeit ein Gehalt. Die Brigitte selbst lebt von Werbeeinnahmen. Und wovon lebe ich? Von meiner Arbeit. Ein Blog zu führen, ist auch Arbeit. Doch dafür bekomme ich nichts. Zumindest kein Honorar. Hin und wieder ein paar Kommentare. Doch Kommentare ernähren weder mich noch meine Katzen.

So wie Heike Schubeck sich neulich fragte, ob sie ihr Blog weiterführen soll, so mache ich das momentan auch. Denn irgendwie fühle ich mich zur Zeit … siehe oben. “Flasche leer”, sozusagen, wie Herr Trappatoni seinerzeit so treffend sagte.

Ich habe mir auch überlegt, ausgewählte Beiträge aus diesem Blog in einem Büchlein zu veröffentlichen. Aber nun überlege ich, ob sich die Mühe lohnt. Die Beiträge sind zwar da, aber sie in einem Buch zu sammeln, das bedeutet auch einige Wochen Arbeit, denn ich möchte nicht einfach nur Kapitel an Kapitel hängen, sondern das Buch gestalten. Und es soll also kein normales Buch werden, sondern ein richtig schönes. Mit Bildern, Fotos etc. Aber lohnt sich die Mühe?

Frage ich das Wetter, so sagt es: grau! Und ich überlege mir ob ich sage: “Isch habe fertig.”

8 Antworten auf Flasche leer

  • christiane sagt:

    Liebe Renate, z. Zt. geht es mir fast genauso, keine Lust, bin viel müde und auch irgendwie ruhe-und antriebslos.
    Schlafen könnte ich immer, obwohl wir doch Urlaub haben und so viel Freude mit den beiden Katzen.
    Wenn Du aber Lust auf ein neues Buch hast, fang es einfach mal an, Du kannst Dir doch Zeit lassen und es muß nicht in ein paar Wochen fertig sein. Alles aber nur, wenn es Dir wirklich Spaß macht und Du Dir auch ganz sicher bist, das Du es für Dich machen möchtest. Deine Freunde/Freundinnen und alle die Deine Home Page mögen und vor allem Dich würden sich bestimmt freuen.
    Aber das liegt alles bei Dir. Ich wünsche Dir dafür viel Glück.
    Übrigens, hier ist es heute zwar sehr kalt, die Wiesen waren heute vormittag dick überfroren, aber die Sonne scheint und gleich geht es in den Garten, Heidekraut pflanzen.
    Mach es gut, melde Dich mal wieder und ganz liebe Grüße aus Solingen und “Kopf hoch”
    Deine Christiane.
    PS. ist mein Brief mit dem Manuskript schon angekommen? Wenn ja, viel Spaß beim Lesen. Ich denke mal, auch das hebt die Stimmung – es ist nun mal Herbst und der ist manchmal wirklich grau und trüb aber auch sonnig und fröhlich.

  • Rinaa sagt:

    Blosse trösten Worte von mir, nutzen Ihnen nichts und tun nichts zur Veränderung der momentanen Situation. Deshalb schweige ich.
    Nur eines möchte ich loswerden: Sie betreiben einen wunderbares Blog das mir in trüberen Tagen richtigen Auftrieb gibt. Daraus ein Buch zu gestalten, vielleicht eines das wir Lesende auch an anderen weiterschenken könnten, fände ich einfach genial! Ihre Gedanken sind nicht alltäglich berühren aber alle Tage.
    Dann wenn ich Sie nicht auf dem Blog antreffe mache ich mir schon meine Gedanken – genug um hurtig gute Gedanken zu schicken. Seien Sie umarmt, Rinaa

  • info sagt:

    Danke für die Eure lieben Worte! Meinem Gemüt geht es wieder besser, und ich denke, es kennt jeder solche Phasen, in denen man eher grau als blau sieht. Das zu erkennen, es zuzugeben und sich nichts vorzumachen, das gehört auch dazu.
    Es gibt Menschen, die an schlimmen und nachhaltigen Depressionen leiden. Ich gehöre Gott sei Dank nicht dazu.
    @ Christiane, ja, das Manuskript ist angekommen, ich habe aber es aber noch nicht gelesen. Ich melde ich diesbezüglich.
    @ Rinaa – ich werde ein Büchlein machen, und wenn alles klappt, erscheint es noch vor Weihnachten, kann also verschenkt werden. Ich werde hier schreiben, wenn es so weit ist.
    Herzlicher Gruß von Renate

  • christiane sagt:

    Hallo Renate, hier schien gestern und heute so schön die Sonne und ich hoffe bei Dir am Ammersee auch wieder, es war zwar reichlich kalt, aber wir haben einen schönen Spaziergang in “unserem Brückenpark” unter der Müngstener Brücke gemacht und dabei an Dich gedacht.
    Ha, reimt sich sogar!!!
    Laß Dir Zeit mit dem Manuskript, schreibe lieber das Büchlein, denn davon bekomme ich auch ein – vielleicht mehrere Exemplare, wie Rinaa zum selber lesen und verschenken.
    Ganz herzliche Grüße an Dich und die Fellnasen von
    Christiane.
    PS. Neue Moritzbilder sind in Arbeit.

  • connie engelke sagt:

    ich schreibe “liebe Renate”, obwohl ich Sie überhaupt nicht kenne. Durch einen “Zufall” geriet ich heute auf diese Seite (durch “brigitte.de”), weil ich dort etwas anderes suchte. ich weiß noch nicht einmal was blog und bloggen ist. und trotzdem: ich fühle mich durch Ihre Worte angesprochen bzw. das was ich gehört, gesehen, gelesen, gefühlt habe. “Flasche leer” könnte genauso gut “Flasche voll” sein/heißen. Leer wovon und voll womit? Erfolgreiche Frauen wie Sie sind Frauen voller Power, Ideen und Handlungsbereitschaft bzw. Handlungseffizienz. Das Gefühl des Vollseins entpsricht dem Gefühl des Leerseins. Es widerspricht sich nicht. Besonders “freie” Tage am Wochenende haben es in sich und die Lücken, die darin entstehen eben auch. Herzlichen Glückwunsch zu ebendiesen Erfahrungen. Sie sind das Polster und die kreative Pause, die “es” in sich haben, nämlich: alles andere. durchatmen, grau grau sein lassen und es als solches genießen und “sehen”, dass es wunderschön ist und wunderbar sich selbst genügt. was wäre das leben, der herbst, der see, die katzen, der nebel, die dämmerung etc. ohne grau. dieses auszudrücken, dafür gab es jetzt “nur” worte. bitte stören Sie sich nicht daran …… herzliche grüße von connie – der unbekannten

  • Ulf Runge sagt:

    Liebe Renate,
    ich wünsche Dir von Herzen gute Besserung!
    Tu langsam, lass es werden, aber eines vor allen:
    Think positive!
    Das Trübe, die grauen Gedanken, sie gehören dazu.
    Denn ohne sie wüssten wir nicht um die fröhlichen, bunten Vorstellungen!
    Gute Besserung, bis bald wieder,
    LG, Ulf

  • Renate sagt:

    Liebe Freunde, ganz herzlichen Dank für Eure liebevollen Worte. Sie tun sehr gut!
    Meinem Gemüt geht es ja auch schon wieder besser. Und das Büchlein ist in Arbeit. (Heike liest gerade Korrektur).
    Lieber Gruß an Euch alle – Eure Renate

  • Tina sagt:

    Hallo Renate,
    verstehe ich ganz gut, wenn Sie auch auf Brigitte.de aufhören möchten. So eine lieblose bearbeitete Internetseite habe ich noch selten gesehen! Eigentlich sollten sich alle Bloggerinnen zusammen tun und geschlossen von Brigitte.de weggehen und wo anders ihre Blogs wieder aufnehmen. Sprecht euch doch ab!

    Wünsche gute Besserung und viele Sonnenstrahlen – Tina

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"Ein Buch, das verzaubert"
Jutta Aurahs
Redaktion "Geliebte Katze"

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