Al Pacino ist ein großartiger Schauspieler, und heute Abend lief ein Film mit ihm. Er spielte Satan in Menschengestalt. Und er war brillant wie immer. Neben der schauspielerischen Glanzleistung hat mich aber etwas ganz anderes beeindruckt: das Fazit des Filmes. Und das lautete für mich: geh aufmerksam um mit deiner Eitelkeit.

Grundsätzlich finde ich Eitelkeit genauso gefährlich wie Arroganz und Überheblichkeit. Meistens gehen die Inhalte dieser Begriffe auch Hand in Hand durchs Leben. Als Dream-Team sozusagen.

In dem Film heute Abend ging es um Erfolg. Ein junger Strafverteidiger hat in seiner Laufbahn keinen einzigen Prozess verloren. Er war besessen davon, seinen Mandanten rauszuhauen und als Sieger aus dem Gerichtssaal zu gehen. Das Wohlergehen seiner – verbrecherischen – Mandanten war ihm völlig schnuppe. Das Wohlergehen der Opfer seiner Mandanten war ihm genauso schnuppe. Es ging ihm nicht um Gerechtigkeit, er wollte lediglich gewinnen. Auch wenn er genau wusste, dass sein Mandant schuldig war. Mit scharfzüngig formulierten Winkelzügen und rabulistischen Argumentationen zog er die sorgfältig ausgesuchten Geschworenen auf seine Seite – und gewann. Jeden Prozess Auf diesem Siegeszug blieb sein ganzes Leben auf der Strecke, im wahrsten Sinn des Wortes.

Jeder gewinnt gern. Na ja, vielleicht nicht jeder aber sagen wir mal viele gewinnen gern. Und genauso viele lieben den Erfolg. Doch ist Erfolg tatsächlich so wichtig? Kommt es nicht vielmehr darauf an, abends beim Zähneputzen in den Spiegel schauen zu können und zu sagen: ich habe heute niemanden bestohlen, niemanden betrogen, niemanden belogen. Das, was ich heute gemacht habe, hat Sinn gemacht und mir und anderen Freude bereitet…

Freude ist eine feine Sache. Freude erzeugt ein angenehmes und wohltuendes Gefühl im Bauch. Würde ich den beiden Begriffen Farben zuordnen, bekäme die Eitelkeit ein fieses Giftgrün, und die Freude ein freundliches Himmelblau. Und beide Empfindungen fühlen sich auch völlig anders an. Eitelkeit fühlt sich spitz und scharf an, Freude dagegen rund und mollig. Eitelkeit macht hochnäsig. Freude macht dankbar.

Wenn man das mal begriffen hat, geht man mit Erfolg anders um. Voraussetzung ist allerdings, dass man es begreift. Und wenn man das mal begriffen hat, dann hat man auch begriffen, dass Erfolg im herkömmlichen Sinn gar nicht so wichtig ist.

“Eitelkeit ist meine liebste Sünde”, sagte der Satan am Schluss des Films. Dabei grinste er diabolisch.

Und damit bin ich am Ende mit meinem “Wort zum Dienstag”…

4 Kommentare zu „“Eitelkeit ist meine liebste Sünde”“

  • Liebe Renate,

    was hat dieser Beitrag mit mir zu tun, weil ich das Bedürfnis habe darauf zu antworten?

    Nun ich musste nicht lange nachdenken. Vor einiger Zeit hatte ich mich auf meinem Blog auch mit der Eitelkeit beschäftigt. “Jahrmarkt der Eitelkeiten” heißt der Beitrag und beschreibt meine Eindrücke während einer kleiner Pause auf der Insel Capri.

    Mein Fazit: Eitelkeit, wenn sie mit Geschmack verbunden ist, kann unser Leben erträglicher machen. Eine frisch gewaschene Bluse, ein wohlriechendes Deo zusammen mit einem Hauch Parfum protestieren gegen üblen Schweißgeruch. ;-)

    Auch wenn wein Fazit den Eindruck eines “Contra” hinterlässt, stimme ich mit dem was du schreibst völlig überein.

    Herzliche Grüße aus einem sonnigen Mannheim sendet dir

    Christa Schwemlein

    P.S. Unseren diesjährigen Sommerurlaub ließen wir am Ammersee ausklingen. Der See und die Landschaft sind wirklich so schön, wie ich sie von deinen Bildern her kenne.

  • Renate:

    Liebe Christa, hier mein “Contra”. Ein sauberer, gepflegter und wohl riechender Mensch ist in meinen Augen nicht eitel, sondern hat ein Empfinden für Ästhetik. Unter Eitelkeit verstehe ich jemanden, der sich selbst für den Größten hält und auf andere abschätzig herabschaut. In meinem Freundeskreis ist so jemand. Kaum zu ertragen für mich, deshalb habe ich mich zurückgezogen.
    Schade, dass du dich nicht gemeldet hast, als du hier am Ammersee warst. Wir hätten eine Tasse Kaffee oder Tee miteinander trinken können. Ich hätte mich sehr gefreut, dich auch persönlich kennenzulernen.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag!

    Herzliche Grüße von Renate

    P. S.: Das Wörtchen “Stolz” hat es übrigens auch in sich. Und ich denke, es gibt zweierlei Stolz. Darüber sollten wir beide auch mal schreiben, jeder für sich und uns dann verlinken. Was hältst du davon?

  • Liebe Renate, wenn schon dann Kaffee. Tee trinke ich eigentlich nur während des Fastens oder, was seltener vorkommt, bei Krankheit. Vielleicht das nächste Mal, würd’ mich freuen.

    Am Ammersee war ich zum ersten Mal. Normalerweise machen wir immer am Starnbergesee Zwischenstopp. Den Ammersee kannten weder mein Mann noch ich. Wir waren begeistert. Gewohnt haben wir in Herrsching, direkt am See. Allerdings hatte ich nicht mit so viel Tourismus gerechnet. Wir waren an einem Wochenende mit Bilderbuchwetter dort. Es war die Hölle los.

    “Stolz” – ein schöner Schreibimpuls. Allerdings stehen im Moment bei mir ganz andere Arbeiten an als mein Blog mit Beiträgen zu füllen. Ich bin heilfroh derzeit meine Seiten mit Beiträgen aus meinem persönlichen “Archiv” füllen zu können.

    Liebe Grüße aus einem inzwischen nasskalten Mannheim sendet dir Christa.

  • Renate:

    Lieb Christa, das machen wir, wenn wir Zeit und Muße haben. Ich bin zur Zeit auch mit anderen Dingen beschäftigt, und ich muss – mal wieder – aufpassen, dass ich mich nicht verzettle. Dazu neige ich nämlich … auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, meine ich. Wie in der Küche, wenn ich koche: da ein bisschen rühren, und dort ein bisschen rühren.

    Herzlicher Gruß vom sonnig-stürmischen Ammersee – Renate
    P. S.: Ja, im Sommer ist am Ammersee sehr viel los. Und besonders in Herrsching, DEM Touristenort. Dabei ist die Westseite viel schöner, finde ich. Klar, weil ich dort wohne … ;-)

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