Einsamer Teddybär

Vor ein paar Tagen Joggen entdeckt. Einsamer Bär. Das dazugehörige Kind wird seinen Liebling bestimmt vermissen.

Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Viele Jahr her. Ich war ungefähr fünf oder sechs. Und natürlich hatte ich damals auch einen Teddybären. Er war bereits ziemlich abgegriffen und an manchen Stellen arg ramponiert. So hatte er beispielsweise auf dem Bauch einen Flicken, mit dem meine Mutter ein Loch repariert hatte. Ich liebte diesen Bären viel mehr als meine Puppen. Eigentlich hätte ich gar keine Puppen gebraucht, weil ich mit ihnen gar nichts anfangen konnte. Ich kann mich noch erinnern … eine Puppe hatte einen Zelluloidkopf mit im Kopf formierten Haaren. Die andere Puppe hatte Haare zum Kämmen und schloss die Augen, sobald sie in horizontale Lage geriet. Also, diese beiden Puppen interessierten mich herzlich wenig. Mein Liebling war der Teddy, der gemütlich brummte, wenn ich auf seinen Bauch drückte. Vermutlich habe ich das sehr oft gemacht, denn sonst wäre ja kein Loch entstanden.

Eines Tages kam meine Tante zu Besuch. Sie war Köchin bei einem sehr reichen Mann in Luzern, verdiente also recht ordentlich und brachte bei ihren Besuchen immer Geschenke mit. Geschenke, die sich meine Eltern nie hätten leisten können. Tante Rosel, so hieß sie, besuchte uns also wieder mal, und ich warf einen erwartungsvollen Blick auf ihre Koffer. Sie öffnete einen davon und kramte umständlich darin herum. Ich konnte kaum erwarten, was sie zu Tage beförderte aber sie kramte und kramte – absichtlich natürlich. Endlich war es soweit und sie zog einen Stofftiger aus ihren Klamotten. “Jetzt kannst du deinen ollen Teddy endlich wegwerfen”, meinte Tante Rosel und überreichte mir den Tiger. Er roch ganz neu und fremd, und ich konnte ihn vom ersten Moment an nicht leiden. “Den will ich nicht”, sagte ich und warf den Tiger in Tante Rosels Koffer zurück. Dann griff ich meinen alten Bären, drückte ihn fest an mich und stapfte erbost von dannen. Meinen heiß geliebten Teddy wegwerfen … was für ein unsinniges Ansinnen.

10 Antworten auf Einsamer Teddybär

  • strolche sagt:

    Tja, ich habe meinen Teddy selbst “entsorgt” als ich meines Erachens dafür zu alt wurde (muss so ca. 14 Jahre alt gewesen sein). Heute frage ich mich, warum ich so “blöde” war und ihn nicht einfach in irgendeine unterste Kiste gestopft habe. Er hätte mittlerweile seine Renaissance gefeiert. ZU SPÄT!
    Also immer erst 2mal überlegen

  • Renate sagt:

    Meinen Teddy hat meine Mutter einem der Kinder meiner Geschwister geschenkt. Ich war damals damit einverstanden, ähnlich alt wie du, so um die 14. Kurze Zeit später war der Teddy völlig aus den Fugen geraten, weil er natürlich nicht besonders liebevoll behandelt wurde. Ich finde das auch schade – aus heutiger Sicht. Ich fände es heute sehr schön, den alten ramponierten Teddy auf meinem Bett sitzen zu haben. An sein tiefes und gemütliches Brummen kann ich mich noch gut erinnern…

  • Die Geschichte hat mir so gefallen, daß ich sie vorübergehend in unserer Rubrik “Neues aus der Bärenwelt” auf http://www.nicy.de verlinkt habe. Und auch ich verkaufe nicht nur Bären, sondern habe auch selbst unter anderen einen, der kaum noch Fell besitzt, der aber auf meinem Kopfkissen nie fehen DARF.

    Und auch bei mir ist es so: Den Vorgänger hatte meine Mutter weggeworfen – was mir heute noch weh tut. Seitdem kommt grundsätzlich kein Stofftier mehr in den Müll.

    Ansonsten: Eine wunderschöne Site, die ich hier (dank Google) entdeckt habe …

  • Pingback: Moritz’ plüschiger Zwillingsbruder : Das kunterbunte-katzen-blog

  • Evi sagt:

    niemals würde ich meinen teddy hergeben…er ist nach wie vor mein begleiter und wird in schwierigen lebenslagen immer mal wieder geknuddelt!
    das ist wahre liebe :-)

  • Christa sagt:

    “Ich hatte als Kind einen Teddy, ein Tierchen aus Stoff und Papier und weiß ich nicht ein und weiß ich nicht aus, mein Teddy, der hilft mir heraus.”

    Oh, liebe Renate, du weckst Erinnerungen. O.g. Schlager, ich weiß nicht wer ihn gesungen hat, war einer meiner Lieblingsschlager.

    In meinem Arbeitszimmer tummeln sich ganz viele dieser “Seelenwärmer”. Ein jeder erzählt eine Geschichte. Von keinem meiner Teddies könnte ich mich trennen.

    Lieben Gruß
    Christa

  • Bis heute liegt ein schlafender Hase von Steiff in meinem Schlafzimmer. Seinen Knopf im Ohr habe ich vor laaaanger Zeit herausgepult, sein Fell ist strubbelig, weil ich ihn mal mit in die Badewanne genommen habe. Der rosa Samt in den Ohren ist völlig abgegriffen, weil er sich immer so schön sanft unter meinen Fingern anfühlte. Der Hase liegt neben einem kleinen Eisbären, den einst meine Mutter geschenkt bekam und ihn dann später mir überließ. Und neben zwei kleinen Bärchen von Steiff. Alle werden heiß und innig geliebt – und sind Erinnerungsstücke an glückliche Momente.
    Karin

  • Sandy sagt:

    Oh,

    der sieht fast aus wie meiner, den ich vor über 30 Jahren von meinen Großeltern bekommen habe.

    Wahnsinn!

    Meinen hab ich noch und werde ihn auch nie hergeben!

    Liebe Grüße
    Sandy

  • Christiane sagt:

    Hallo, ich habe meine Tiere alle noch. Meinen ersten Bären hat mir mein Vati zur Geburt geschenkt, er wurde oftmals geflickt und bekam neue Pfoten und als das Fell dünn wurde eine Seppelhose und und gestrickte Jacke. Die trägt er heute noch mit Stolz. Liegt zwar nicht auf dem Bett aber ist wohlbehütet bei den Puppen.
    Liebe Grüße von Christiane.
    PS. der kleine Schwarze könnte wirklich ein Bruder von Moritz sein.

  • katerchen sagt:

    finde es nicht unsinnig..man soll seine ALTEN Freunde nicht vernachlässigen..nur weil man einen NEUEN kennengelernt hat..
    LG vom katerchen

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