Einfach nur lustlos oder burnout-gefährdet?
Es gibt Tage, da möchte man (ich) absolut gar nichts tun. Also nichts Vernünftiges, meine ich. Im allgemeinen neige ich dazu, an mehreren Baustellen gleichzeitig zu arbeiten. Aber das geht mir mittlerweile selbst auf die Nerven. Erst die eine Baustelle, dann die andere. So hat mein Vater das immer gemacht. Aber ich bin nicht mein Vater, sondern seine Tochter, und die Tochter fällt halt doch ab und zu weiter weg vom Stamm als ein Apfel.
Ich bin auch längst nicht so diszipliniert wie mein Vater. Denn der war die persifonizierte Disziplin. Und während ich das schreibe, kommt mir die Idee, dass das vielleicht der Grund für seine häufige schlechte Laune war. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, zwischendurch die Dinge einfach mal schleifen zu lassen. Aber dazu war die Generation meiner Eltern einfach nicht erzogen worden. “Sei arbeitsam, rechtschaffen und fleißig!” Das war das Motto der damaligen Zeit. Und ich hab das auch in den Genen – trotz meiner zeitweisen Unlust. Dabei ist es ja nachgewiesen, dass der Mensch sich nicht überfordern soll/darf. Früher wurden die Menschen bei Selbst- oder Fremdüberforderung depressiv, heute bekommen sie ein “burnout”, was natürlich besser klingt. Dahinter vermutet man nämlich einen Menschen, der etwas für die Gesellschaft getan hat, sich bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit eingesetzt hat und dabei zusammengebrochen ist. So jemandem schenkt man doch gern seine gesamte Bewunderung, während man einem Depressiven lediglich abschätziges Mitleid schenkt … wenn überhaupt.
Depression ist eine (Gemüts-)Krankheit, das Burnout-Syndrom ist eine Zeiterscheinung. Jeder wertvolle Zeitgenosse sollte eigentlich ein Burnout bekommen. Ja, burnouts sind Mode heutzutage, Pflicht sozusagen. Wer kein burnout vorzuweisen hat, gibt ohne Worte zu, mit seiner Leistungsfähigkeit hinterm Berg gehalten zu haben. Ein Zeitgenosse, ohne burnout oder zumindest der ärztlichen Warnung davor – ist im Grunde ein Egoist und damit kein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Zumindest kommt es mir manchmal so vor, wenn die ehemaligen Burnouter mit gewissem Stolz von ihrem Zusammenbruch erzählen…
Was mich betrifft, so habe ich heute einfach keine Lust mehr. Ob es sich dabei einfach nur Antriebslosigkeit handelt oder vielleicht doch ein Burnout droht, das ist mir egal. Sollen doch die anderen sich ins Zeug legen – ich mach für heute Schluss und haue mich jetzt aufs Sofa … jawoll!











das ist ok, Renate.
Soll doch der liebe Gott mal ein guter Mann sein.
Ich mache es Dir gleich nach.
Mein Schatz kommt später und die Zeit nutze ich
zum Faulenzen.
bis dann
Deine Christiane.
hab noch was vergessen:
Katzenknuddeln ist im Moment die Therapie, oder??
Lieben Gruß an die “Mäuse/Vogel/Rattenfänger
und Dich.
Christiane
Einen Begriff, den ich genau so nicht mag wie das sog. ‘Burn out’ ist das Wort ‘Potential”. Was soll denn das heissen? Erreiche ich mein ‘Potential’, kriege ich einen Burn out. Lebe ich nicht dazu auf, bin ich ein Versager? Kann man’s wieder keinem rechtmachen. Da habens die Katzen doch einfacher, die scheren sich nicht drum.
Ich frage mich langsam, ob das gleichzeitige Herumtanzen auf diversen Baustellen nicht einfach Ausfluss (und das soll sich igitt anhören) eines modernen Lebens ist. Mal ehrlich… Arbeit außer Haus. Arbeit im Haus. Finanzen. Fitness. Liebesleben. Gesellschaftliches Engagement. Freizeitgestaltung. Alles soll Mensch in gleicher Qualität vor sich her jonglieren- ich hab oft keine Lust mehr, und da wirken auch Ausflüge auf die Couch nicht lang. Und dann ist schon wieder Montag, und alles geht von vorn los.
Viel Spaß auf dem Sofa, ich beneide dich :-)
Lily
Liebe Freundinnen, ja, woran es bei mir liegt, weiß ich genau: diese permanente Erwartung an mich selbst, immer Leistung zu bringen – anstatt mal einfach nur rumzuhängen.
Lieber Gruß an Euch alle – von Eurer Renate