Ein kostbares Gut: Wertschätzung
Über das schrecklich Ereignis in Winnenden wird genug geschrieben. Ich möchte nur kurz auf ein Wort hinweisen, das ich im traurigen Zusammenhang heute in einer Regionalzeitung gelesen habe. Dort wurde ein Schulpsychologe interviewt und gefragt, wie man denn solchen Amokläufen vorbeugen könne. Durch Sicherheitsvorkehrungen vielleicht? Nein, meinte der Fachmann. Aus Schulen Sicherheitsburgen zu machen, sei nicht der richtige Weg.
Dann wurde er gefragt, woran es jungen Leuten heutzutage mangle. Es seien nicht die materiellen Dinge, sagte der Psychologe, die ihnen fehlten. Was sie sich wünschten seien Freunde, verständnisvolle Eltern und Lehrer, mit denen sie reden könnten.Wertschätzung und Anerkennung und Anerkennung sei ihnen wichtig.
Ich denke, das sind Wünsche, die nicht nur die jungen Leute haben, sondern wir alle.
Wertschätzung wird oft verwechselt mit Dankbarkeit. Für mich ist Dankbarkeit so etwas wie positive Revanche. Ich bekomme etwas, also revanchiere ich mich mit einem vermeintlichen Gegenwert – und seien es nur Worte des Danks.
Bei der Wertschätzung dagegen hat man – aktiv – nichts bekommen. Man schätzt einen Menschen oder etwas Bestimmtes an ihm. Seine Verhalten, seine Kreativität, sein Engagement, seinen Humor, seinen Geist oder was auch immer. Wertschätzung hat nichts mit Taten oder Leistungen zu tun, sondern mit den ideellen Werten eines Menschen. Diese Wertschätzung zeigt man – durch sein eigenes Verhalten dem anderen gegenüber.
Wertschätzung ist es, was wir brauchen. Ob jung oder alt. Wertschätzung ist überhaupt das Zauberwort im sozialen Miteinander. Uneingeschränkt alle Menschen, mit denen ich gesprochen haben, empfinden einen Mangel an Wertschätzung. Egal, in welchen Lebensbereichen. Oft ist es nicht nur ein Bereich, die Partnerschaft beispielsweise, sondern gleich mehrere Bereiche. Und je größer das Defizit an Wertschätzung ist, desto schlechter fühlt sich der Mensch. Fühlt er sich ganz schlecht, wird er aggressiv. Viele behalten diese Aggression für sich. Manche zeigen sie verbal, manche zeigen sie durch Taten. Taten, mit denen sie anderen Schaden zufügen aber auch oft sich selbst. In Deutschland sterben jährlich mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Gewalt und Aids zusammen genommen.
Die wirklichen Ursachen für schreckliche Ereignisse lassen sich oft nur vermuten. Aber mangelnde Wertschätzung ist meistens dabei. Wir sollten uns deshalb mehr auf ideelle Werte konzentrieren als auf materielle. Und wenn wir Wertschätzung empfinden, was oft eine Sache der Bewusstmachung ist, sollten wir sie auch zeigen. Dadurch würde die Welt bestimmt ein kleines bisschen besser. Und das Lächeln im Gesicht eines anderen, wenn man ihm Wertschätzung entgegenbringt, ist ein wunderbarer Anblick.
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Nachsatz:
“Wenn wir erst einmal festgestellt haben, dass die Grundnatur des Menschen eher mitfühlend als aggressiv ist, dann verändert sich die Beziehung zu unserer Umwelt völlig. Zu sehen, dass die anderen Menschen grundsätzlich von Mitgefühl geprägt sind, anstatt sie als feindliche und egoistische Wesen anzusehen, entlastet uns von vielen Spannungen und führt uns zu Vertrauen und einem Leben in Gelassenheit. Es macht uns, kurz gesagt, viel glücklicher.”
… aus „Der Weg des Dalai Lama” von Michael von Brück
Dieses Wort steht auf der Homepage der Organisation “Power for peace”. Ein Netzwerk, das sich aktiv um die Belange und Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in negativen Lebenssituationen kümmert und ihnen hilft, einen eigenverantwortlichen Weg zu finden.










Liebe Renate, deine Einsichten zur Wertschätzung habe ich gerne gelesen. Das ist ein Gut, welches sich in den letzten Jahrzehnten etwas rar macht.
Mit deinem Nachsatz dagegen habe ich ein Problem. Es scheint eher so, als wenn der Mensch von Natur aus aggressiv ist und nur durch kulturelle Einflüsse zum Mitfühlen fähig ist.
Lieben Gruß Bernd
Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen stimmt deine Meinung zu dem Wort vom Dalai Lama. Wir verhalten uns sozial, weil die Gesellschaft sonst nicht existieren könnte. So die Wissenschaft.
Ich teile diese Meinung, lieber Bernd.
Lieber Gruß von Renate
in der heutigen zeit hat man ideelle werten, respekt, liebe und achtung durch materielle dinge ersetzt. sie scheinen eine unumstößlich und begreifbare norm ( erstatznorm ) für scheinbar alte längst überfällige werte zu sein.
wenn der mensch verstanden hat, daß aber genau diese alten werte ein schlüssel zum besseren leben sein wird, befürchte ich, ist die zeit abgelaufen.
Liebe Renate,
Wertschätzung und Gesehen werden sind elementar wichtige Dinge die wir einfach alle brauchen.
Unauffällig, Unscheinbar sind Begriffe die mich in diesem speziellen Fall peinlich berührten und der Begriff “normale Familie” ist auch fragwürdig.
Leider wird fehlende Wertschätzung und Beachtung viel zu oft mit Geldgaben seitens der Eltern versucht zu ersetzen.
Das ist schade.
Liebe Grüsse//Erika