Ein hartes Brot: freier Journalist

Um ein Haar wäre ich Journalistin geworden. Das Angebot der “Badischen Zeitung” zu einem Volontariat hatte ich – vor vielen Jahren. Aus verschiedenen Gründen habe ich es nicht angenommen, und so ist was anderes aus mir geworden, was ich auch nicht schlecht finde, weil mir meine verschiedenen Berufe wirklich Spaß machen. Ich würde sie sogar als bezahltes Hobby bezeichnen.

Vor kurzem war ich bei einer Autorenlesung. Eine Freundin von mir hat ihr neues Kinderbuch vorgestellt und ich habe dem “Landsberger Tagblatt” angeboten, einen Artikel darüber zu schreiben. Das Angebot wurde angenommen, und ich habe den Bericht geschrieben. Am 31. Mai wurde er veröffentlicht und am 11. Juni habe ich das Honorar dafür bekommen.

Das Honorar ist ein Witz, fast schon eine Frechheit. Für diesen Bericht wurden mir 22,50 Euro überwiesen und für das Foto 6,00. Davon, dass ich 50 Kilometer zur Lesung fahren musste (hin und zurück) und die ungefähr zwei Stunden gedauert hat, will ich gar nicht reden. Insgesamt habe ich einen halben Tag mit der Angelegenheit verbracht und dafür schlappe 28,50 Euro bekommen. Das sind rund 7,12 Euro in der Stunde.

Ich froh darüber, dass ich keine freie Journalistin geworden bin. Meine Zugehfrau verdient nämlich mehr.

P. S.: Für solche Artikel sieht der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger ein Zeilenhonorar von 62 – 68 Cent vor. Aber selbst damit kann man sich nur trocken Brot leisten. Wenn überhaupt. Und ich frage mich, wovon freie Journalisten leben.

3 Antworten auf Ein hartes Brot: freier Journalist

  • Da ist es wohl kein Wunder, wenn Zeitungen sowie andere Druckwerke voll von schlecht recherchierten und schlampig geschriebenen Artikeln sind oder einfach n ur noch kopiert wird – copy and paste, dann verdienste wenigstens an der Vervielfältigung was.
    Ist es aber nicht erstaunlich und höchst bemerkenswert, wenn Autoren und Journalisten ihre Arbeit sehr ernst nehmen und ihr Ehrgefühl, einen guten Artikel zu veröffentlichen, über die mageren Verdienstmöglichkeiten stellen? Egal, ob es sich um einen kurzen Zeitungsartikel für den Lokalteil handelt oder um ein tiefgründiges Sachbuch.
    Manchmal frage ich mich, warum überhaupt noch jemand schreibt…
    Karin

  • Renate sagt:

    Ja, liebe Karin, unter diesem Aspekt war es ganz gut, mal selbst zu erleben, was für Hungerhonorare an freie Journalisten gezahlt werden. Denn nun wundert es mich genauso wenig wie dich, dass es so viele schlecht recherchierte und lieblos dahin geschluderte Presseartikel gibt. Das geht im Grunde auch nicht anders, denn wer sich tatsächlich von dieser Arbeit ernähren muss, hat schlichtweg keine Zeit für “gute” Artikel. Denn so ein wirklich guter braucht Zeit, viel Zeit.

    Und was Sachbuchautoren bekommen, steht auf demselben sehr traurigen Blatt. Rund tausend Euro für ein 200 Seiten-Buch. Das Stundenhonorar des Autors dürfte sich so um die fünf Euro bewegen – wenn überhaupt. Aber das weißt du besser als ich…
    Liebe Grüße – Renate

  • Bernd sagt:

    Liebe Renate, aus Zeitungskreisen höre ich des öfteren von den fast unüberwindlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das wir der Grund für die geringe Entlohnung sein. Andererseits, hier in Brandenburg (ehem. DDR) werden für einen guten Handwerker oder eine gute Bürokraft meist nicht mehr wie 6 Euro gezahlt. Viel Leut, wenig Arbeit.

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Redaktion "Geliebte Katze"

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