Ein bisschen Wehmut

Zwölf Jahre bin ich ohne Musik in den Ohren gejoggt, vor kurzem hat sich das geändert. Mit meinem iPod kann ich Musik von meinem Computer runterladen. Und zur Zeit höre ich Oldies. Ich stelle auf “zufällig” und lass mich überraschen, was ausgewählt wird. Und dann höre ich: “Hey jude” (Paul McCartny), “Nights in white satin” (Moody Blues), “Evil woman” (ELO), “Stairway to heaven” (Led Zeppelin), “Wish you were here” (Pink Floyd), “The turn of a friendly card” (Alan Parsons Project), “Take the long way home” (Supertramp) und so weiter.

Und dann fühle ich mich blitzartig zurück versetzt. In die Zeit als junge Frau. Wo ich fast jeden Abend in der Disco verbrachte. Discos waren damals anders als heute. Wobei ich sagen muss, dass mir die aktuelle Meinung dazu fehlt, denn ich war schon Jahre nicht mehr in der Disco. Vermutlich würden sie mich dort gar nicht reinlassen. Oder nur aus Respekt vor dem Alter. Vielleicht würden sie auch freundlich grinsen … ein Versuch wäre es wert.

Aber zurück zu den Gefühlen, die mich übermannen, wenn ich joggend durch den Wald laufe und diese Musik höre. Die Musik, die mein damaliges Leben begleitet hat. Aktiv. In allen Lebenslagen. Nicht nur in der Disco, sondern auch sonst. Liebesnächte mit wunderbaren Männern. One-night-stands mit irgendwelchen Idioten. Aufgegabelt in eben jener Disco.

Hoffnung, das war es, was mich damals getragen hat. Hoffnung auf ein friedliches, glückliches Leben. Ein Leben mit Respekt, denn den hatte ich in der Beziehung zwischen meinen Eltern nicht erlebt. Falsch. Meine Mutter war sehr wohl respektvoll, nur mein Vater hat den Respekt im Umgang mit anderen Menschen, besser gesagt mit Familienmitgliedern verloren. Fremden war er nämlich die personifizierte Höflichkeit. Daheim, in den vier Wänden ließ er die Sau raus. Im Gegensatz zu meinem Bruder, der den Hass gegen seinen Erzeuger bis ans (eigene) Lebensende pflegen wird, bin ich meinem Vater nicht böse. Er konnte nicht anders. Außerdem waren damals selbstreflektorische Gedanken nur Intellektullen überlassen. Wobei diese Gabe auch heute noch ein seltenes Gut ist … nicht nur bei Intellektuellen.

Also, damals, als junge Frau, sehnte ich mich nach einer glücklichen Beziehung. Das kann ich heute so sagen – wenn ich mich frage, warum ich mich so oft in dieser Diskothek rum getrieben hab. Es war eine wunderbare Diskothek übrigens. “Caveau” hieß sie und den Namen trug sie zu Recht. Im Keller eines schönen alten Hauses mit Stuckaußenwänden gelegen, war sie DER Treffpunkt der Studenten. Zweistöckig, schummriges Licht, und super Musik. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten. Ich wohnte damals in einem winzigen Einzimmer-Appartment, und war verliebt. In Franz, in Werner, in Oliver, in Detlev, in Heino, in Karl, in Gero, in Hajo … nacheinander selbstverständlich, mit kurzfristigen Überschneidungen.
Fortsetzung folgt

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Jutta Aurahs
Redaktion "Geliebte Katze"

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