Die berühmtesten Augen Deutschlands
Hätte er damals gewusst, dass seine Augen über 38 Jahre das unverwechselbare Kennzeichen des “Tatort” sein würden, hätte er sich bestimmt nicht mit 400 Mark abspeisen lassen.

Doch wer rechnete damals schon mit dem sensationellen Erfolg dieser Sendereihe. Und andererseits sprach der Umstand, dass der junge Schauspieler Horst Lettenmayer mit dem Gerichtsvollzieher ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, auch dafür, keine langwierigen Honorar-Verhandlungen zu führen. Er ließ sich filmen, steckte die vierhundert Mark ein und konnte ein paar Wochen davon leben. Und nur darauf kam’s ihm an, damals.

Horst Lettenmayer kenne ich seit fast vierzig Jahren und unsere Bekanntschaft begann ungewöhnlich: er ist der Bruder von Peter, eines Mannes, der damals – in Freiburg – zu meinem Freundeskreis gehörte. Und dieser Peter sagte zu mir “wenn du mal München kennenlernen möchtest, ruf einfach meinen Bruder an, bei dem kannst du wohnen”. Dabei drückte mit einen Zettel mit Horsts Telefonnummer in die Hand, und diesen Zettel verwahrte ich in meiner Schreibtischschublade – man kann ja nicht wissen, wozu das Nümmerchen mal gut sein könnte.
Wozu es gut war, stellte sich ein paar Monate später heraus. Ich hatte schwersten Liebeskummer. Das Objekt meiner Begierde war fremd gegangen. Zum wiederholten Mal. Bis dato hatte ich das zähneknirschend hin genommen, doch dieses Mal hatte ich die Faxen dick und holte aus zur Revanche: ich beschloss, nach München zu fahren. In München gab es bestimmt viele attraktive Männer und überhaupt wollte ich einfach mal raus aus dem Kleinstadt-Mief. Ich kramte den Zettel mit der Nummer hervor und griff zum Telefon.
Horst war direkt an der Strippe und war von meinem Vorschlag, München eine Stippvisite abzustatten, sehr angetan. “Klar kannst du bei mir wohnen.” Einer wildfremden Frau kostenlose Logie anzubieten, das war damals in den 68ern ja nichts Ungewöhnliches – im Gegenteil. Es gehörte eigentlich zum guten Ton. Man gab sich (war) frei- und großzügig – in allen Lebensbereichen.
Ich machte meinen klapprigen Fiat 1100 reisefertig und zuckelte nach München. Ein mittelschweres Schneegestöber auf der Schwäbischen Alb bereitete mir zwar ein wenig Kopfzerbrechen – aber sowas gehört zu einem richtigen Abenteuerurlaub und nach fünf Stunden Fahrt kam ich wohlbehalten in Schwabing an.
Horst und ich verbrachten eine vergnügte Zeit miteinander. Auf dem Beifahrersitz seiner Vespa lernte ich die Gegend kennen,vor allem die “Flaniermeile” Münchens, die Leopoldstraße, auf der Horst mit atemberaubender Geschwindigkeit entlang bretterte. Ein Ausflug zum Ammersee stand auch auf dem Programm und im Biergarten von Kloster Andechs trank ich meine erste “Maß”.

Schauspieler ist Horst schon lange nicht mehr. Seine Leidenschaft war nicht, in die Haut eines anderen zu schlüpfen, sondern die technische Tüftelei. Klammheimlich absolvierte er ein Studium zum Elektroingenieur und seit vielen Jahren ist er ein kreativer und erfolgreicher Lampenproduzent. So setzen unter anderem seine patentierte Bilderleuchten weltweit Kunstobjekte von Museen, Galerien und Sammlern ins richtige Licht. Das Spezielle an seinen Lampen ist die Reduktion auf das Wesentliche. Sie nehmen sich vornehm zurück und tun das, was ihre Aufgabe ist: leuchten ohne aufzufallen. In meinem Badezimmer zum Beispiel diese schlichte Röhre.

Wir verstehen uns auch nach so langer Zeit noch gut und hin und wieder verbringen wir einen Abend miteinander. Und wenn manchmal die Sprache auf den “Tatort” und die 400 Mark Honorar kommt, dann grinst er nur noch milde…
P. S.: Mehr über Horst Lettenmayers Lampen gibt es übrigens hier.











Hallo Renate,
ja, wenn Du alles kennst. ;-) Faszinierend! Ich habe die Geschichte “der Augen” am Wochenende in der Zeitung gelesen und war irgendwie berührt. Dieser eindringliche Blick begleitet mich eigentlich mein ganzes Fernsehleben lang. Danke, Herr Lettenmayer. Sie sind eine der wenigen Konstanten in unserer hektischen Zeit!
Viele Grüße von Doris
Gell, da staunste, wen ich alles so kenne. Unter anderem so berühmte Persönlichkeiten wie Horst …. ;-)
Herzlicher Gruß an dich – von Renate
die sind aber sehr schön, wir suchen z.Zt. Lampen fürs Schlafzimmer zum Lesen, die den anderen nicht stören.
ich schau mir heute abend die Seiten mal an.
Liebe Grüßé von Christiane