Das perfekte Dinner – Wette gewonnen

Ich habe mich vor geraumer Zeit ja schon geoutet … ich gucke “Das perfekte Dinner”. Als vor zwei Jahren Freunde mich auf dieses Vorabendsendung aufmerksam machten, dachte ich, “nie im Leben werde ich so einen Quatsch anschauen”. Da man nur verurteilen sollte, was man kennt, habe ich es angeschaut. Und … es hat mir gefallen. Die Mischung aus Voyerismus, Kochrezepten und Psychologie mag ich.

Diese Woche wurde und wird mal wieder bestätigt, was ich schon lange weiß: Selbstkritik ist nicht jedermanns Sache. Und diese Woche kann man das beim PD wieder mal prima verfolgen. Da gibt es den nämlich Kochteilnehmer Stefan, der am ersten Abend, an dem eine junge hübsche Frau ziemlich gut gekocht hat, an allem irgendwas zu meckern hatte, unter anderem meinte er, dass bei einem perfekten Dinner mit Fisch unbedingt ein Fischbesteck gehöre. Nun, so Unrecht hatte er er nicht, aber so schlimm ist es ja nun auch nicht, Fisch mit normalem Besteck zu verspeisen. Also, er vergab sieben Punkte für das Menue. Sieben Punkte sind nicht schlecht, aber auch nicht gut, andere haben deutlich besser bewertet. Wie dem auch sei, ich war gespannt auf seine Kochkünste, die man vorgestern Abend bestaunen konnte.

Als Vorspeise servierte er gebratenes Fischfilet mit Kartoffeln, also nicht unbedingt der lukullische Brüller. Die Gäste verzehrten den ersten Gang ohne Murren aber auch ohne auffallende Begeisterung. Als Hauptspeise kochte der Gastgeber einen “Irish stew”, einen schnöden Eintopf. Mittelmäßige Hausmannskost also und keinesfalls als Hauptgang für ein perfektes Dinner geeignet. Doch Herr Stefan schien das anders zu sehen, denn er meinte, sein Irish-Stew sei der Hit schlechthin. Als Nachspeise schmiss er sich erneut in die Bresche und präsentierte eine Panna Cotta mit “Waldfrüchten”.

Ich esse zwar sehr gern Panna Cotta, behaupte aber, diese italienische Nachspeise ist so ziemlich das Einfachste, das man als Nachspeise auf den Tisch stellen kann. Sahne in den Topf, Zucker dazu, kurz kochen, Gelatine auflösen und unter die Flüssigkeit geben, das Ganze in Förmchen oder Tassen füllen und im Kühlschrank fest werden lassen. Fertig ist die Laube.

Herr Stefan hat dann seine “Waldfrüchte”, eine Unmenge an Himbeeren, Blaubeeren und Erdbeeren um die gestürzte Panna Cotta dekoriert, und das war’s. Abgesehen davon, dass es im Winter keine frischen Waldfrüchte gibt und ganz normale Erdbeeren auch nicht im Wald, sondern in der Plantage wachsen, ist die Bezeichnung “Wald” nur ein hilfloser Versuch, der Nachspeise den besonderen Kick zu geben, damit gründlich in die Hose gegangen – weil es nämlich definitiv keine Waldfrüchte waren. Was den Geschmack des Ganzen betrifft, so kann ich ihn nicht beurteilen, weil ich beim Essen ja nicht dabei war, aber die Gäste meinten übereinstimmend, die Konsistenz der “gekochten Sahne” sei zu wenig fest gewesen, vergaben ihre Punkte aber trotzdem noch relativ wohlwollend – für so ein mickriges Menue. Der Gastgeber selbst hätte sich übrigens zehn Punkte gegeben. Zehn Punkte! Die Höchstzahl also…

Gestern Abend nun war war Holly dran, eine in seit vielen Jahren in Deutschland lebende Amerikanerin. Erwartungsgemäß servierte sie ein amerikanisches Menue, auch nichts Besonderes, wie ich sagen muss, aber definitiv kein bisschen schlechter als das Menue von Herrn Stefan. Aber wieviele Punkte vergab Herr Stefan? Vier!

Ich wusste am ersten Abend schon, dass bei diesem an allem herum mäkelnden Herrn eine erhebliche Schieflage zwischen Eigen- und Fremdbeurteilung besteht. Dass er aber sein eigenes – weit unterdurchschnittliches – Menue mit 10 Punkten bewertet und ein anderes, das kein Deut schlechter ist, mit nur 4 Punkten, das bestätigt meine Meinung über derartige Zeitgenossen. Denn ich hatte am Montag Abend mit mir selbst gewettet, dass dieser Typ sich selbst völlig überschätzt und andere Menschen analog dazu völlig unterbewertet. Und: ich habe die Wette gewonnen. Leider, denn solche Typen wie Herr Stefan rennen massenweise rum und vermehren sich zudem wie die Karnickel. Allerdings wird Herr Stefan sich aufgrund seiner persönlichen Neigung vermutlich nicht vermehren – und so hat auch Homosexualität ihre Vorteile.

Eine Antwort auf Das perfekte Dinner – Wette gewonnen

  • Bernd sagt:

    Das, liebe Renate, nenne ich einen perfekten Verriss. Zu deinem letzten Satz kann ich nur feststellen, ich kenne seit kurzem einige Herren, von denen ich wünschte, sie wären schwul.
    Liebe Grüße
    HD und Bernd

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