Das perfekte Dinner II. – die extra (Tofu)Wurst

Dass ich von Montag bis Freitag allabendlich auf dem Sofa liege und “Das perfekte Dinner” anschaue, habe ich ja schon berichtet. Gefällt mir immer noch. Es ist wirklich interessant, voyeuristische Blicke in Küche und Wohnung anderer Menschen zu werfen. Das gebe ich gern zu. Und ich denke, in (fast) jedem von uns steckt dieser Hang – ist auch nicht besonders verwerflich, finde ich.

Zusätzlich macht es mir Spaß, psychologische Mutmaßungen anzustellen, und die einzelnen Kandidaten in Psycho-Schubladen zu stecken. Auch das gebe ich gern zu. Ich kenne meine Abgründe recht gut… Aber zurück zum Thema, und das heißt heute “die Extra-Wurst”.

“Jemandem eine Extra-Wurst zu braten”, darunter versteht der Voksmund eine Sonderbehandlung, und eine Sonderbehandlung erwarten gewisse Zeitgenossen auch beim perfekten Dinner – es handelt sich dabei um die Vegetarier. Nun bleibt es ja jedem Menschen selbst überlassen, womit er sich ernährt, und ich esse auch sehr gern Gemüse und Salat und entsprechend oft auch fleischlos. Aber genauso gern esse ich auch Fleisch, Schinken und Wurst. Früher, als Kind, habe ich völlig ungerührt zugeschaut, wie auf dem Bauernhof nebenan geschlachtet wurde. Heute würde ich das bestimmt nicht mehr machen, das hat vermutlich auch damit zu tun, dass heutzutage Schlachtvieh anders behandelt wird, als die Hühner, Gänse, Rinder und Schweine von damals, die bis zu ihrem schmerzlosen Ableben ein glückliches und artgerechtes Leben führen durften. Aber das ist ein anderes Thema…

Zurück zu der Extra-Wurst.

Es ist bekannt, dass beim Perfekten Dinner gekocht und gegessen wird, und dass die Fleischesser in der Überzahl sind. Ich frage mich deshalb, warum sich jemand für diese Veranstaltung bewirbt, der weder Fleisch noch Fisch isst und mit absoluter Selbstverständlichkeit erwartet, dass die Mitkocher darauf Rücksicht nehmen. Die Montags-Kandidaten sind mittlerweile schon ganz kirre, weil sie ja nicht wissen, ob wieder ein (oder mehrere) Vegetarier im Anmarsch ist und statt der Wurst aus Schweinefleisch also eine Tofu-Wurst erwartet – zum Beispiel. So mancher PF-Koch kocht aus diesem Grund Vor- und Hauptspeise in zwei Varianten und hat den doppelten Aufwand (und den doppelten Stress). Andererseits “beglücken” die Vegetarier dann aber ihre Mitstreiter mit vegetarischen Gerichten – wobei die Fleischesser umgekehrt denselben Anspruch haben dürften, nämlich auf ein Stück Fleisch auf ihrem Teller. Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass die vegetarischen Köche durch die Bank weg relativ schlechte Bewertungen bekommen. Dies allerdings nicht, weil die Nicht-Vegetarier ohne ihr “Dope” nicht leben können, sondern schlichtweg deshalb, weil der Gastgeber nicht besonders gut kocht.

Und da bin ich auch gleich beim nächsten Thema, denn ich frage mich, warum Menschen an dieser Sendung teilnehmen, die (manchmal) selbst einräumen, nicht besonders gut (oder gern) kochen zu können. “Publicity-Geilheit” ist die eine Antwort, “Selbstüberschätzung” die andere. Eine dritte Möglichkeit wäre noch, dass ihnen das Wohl ihrer Gäste scheißegal ist.

Relativ häufig staune ich auch, welche Begriffe auf den Menulisten den Kandidaten nichts sagen. Die Wörter “Mousse”, “Hippe” und “Gnocchi” zum Beispiel sollten einem Zeitgenossen, der meint, ein perfektes Dinner hinlegen zu können, eigentlich bekannt sein. Meine ich zumindest. Und den Unterschied zwischen Thymian und Rosmarin zu erkennen, sollte ebenfalls kein Problem darstellen. Tut es aber immer wieder.

So, nun aber genug gemeckert. “Nichts ist so gut oder so schlecht wie man meint”. Diesen Spruch hat mir neulich meine Leserin Barbara gemailt. Ihr Vater hat ihn oft zitiert. Er stammt von Guy de Maupassant, und gebe Monsieur Maupassant Recht. Aber ich meckere nun mal gern. Loben aber macht mir auch Spaß. Und in diesem Zusammenhang kann ich sagen, dass die PF-Kandidaten dieser Woche ausgesprochen sympathisch sind, bis auf eine Ausnahme und die heißt “Tom”. Dieser Tom kann sich vermutlich selbst nicht leiden – sein Gesichtsausdruck ist immer so grießgrämig. Dabei hat er bisher die meisten Punkte eingeheimst, aber das weiß er ja nicht. Vielleicht liegt’s daran…

P. S.: Der norddeutsche Stinkstiefel hat sein Bestes getan, um auch wirklich an allem rumzumeckern. Trotzdem hat ein anderer gewonnen. Und das ist gut so!

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