Gottfried der Stinker
Es ist Jahre her, dass ich diese Geschichte geschrieben habe. An Aktualität hat sie trotzdem nichts verloren, im Gegenteil. Menschen kümmern sich immer weniger um andere – habe ich zumindest den Eindruck. Kommunikation läuft zunehmend virtuell ab und ob das Gegenüber tatsächlich so ist, wie man es wahrnimmt, darf bezweifelt werden. Wie dem auch sei: hier eine meiner ersten Geschichten.
Gottfried, der Stinker
Es gibt Menschen, mit denen meint das Schicksal es einfach nicht gut. Zu ihnen gehörte Gottfried.
Gottfried war der jüngste Sproß einer Bauernfamilie im Schwarzwald und hatte nur deswegen das Licht der Welt erblickt, weil die Bäuerin es nicht übers Herz brachte, eine Engelsmacherin aufzusuchen. Für kurze Zeit hatte sie es zwar in Erwägung gezogen, sich dann aber anders entschieden, weil sie gläubige Katholikin war. Entgegen den zornigen Forderungen ihres Mannes, der meinte, die vorhandenen fünf Kinder seien mehr als genug, und wenn sie es nicht wegmachen ließe, würde er es gleich nach der Geburt an die Gartenmauer hinter dem Haus schmeißen. Genauso, wie er es zweimal im Jahr mit den kleinen Kätzchen tat.
Gottfried wurde geboren und nicht an die Mauer geworfen, was möglicherweise die gnädigere Variante gewesen wäre. Als er ein Baby war, ignorierte der Vater ihn komplett. Seine von diesem aufgehetzten Geschwister konnten ihn auch nicht leiden. Großeltern hatte er keine, die waren bereits alle verstorben. So war der einzige Mensch, der Gottfried Zuneigung entgegenbrachte, seine Mutter. Die zurückhaltende und durch ihren Mann eingeschüchterte Frau nahm ihn – wenn niemand anwesend war – aus dem Weidenkorb, wiegte ihn in ihren Armen, spielte mit seinen kleinen Fingern, küßte die pausbäckigen Wangen und sang ihm Liedchen vor, was er unter Strampeln und Lächeln mit gutturalen Lauten quittierte. War die Mutter aber im Stall, auf dem Feld oder sonstwo, konnte der kleine Kerl so laut schreien wie er wollte, niemand kümmerte sich um ihn. Die einzige Reaktion auf seine Verzweiflung war höchstens die, daß eines seiner Geschwister mit einer unwilligen Bewegung den Korb unsanft in ein anderes Zimmer zerrte und demonstrativ die Tür zuknallte. Dort, in der Einsamkeit, brüllte Gottfried so lange, bis er vor Erschöpfung einschlief.
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Wunderschöne Weihnachtsgeschichten
Neues aus der Edition Blaes
Das Buch mit fröhlich-besinnlichen Weihnachtsgeschichten von Markus Lein ist fertig. Wie es entstanden ist … hier.
Neues Buch: “Viktoria rettet das Weihnachtsfest”
Wieder ist ein Buch in meinem kleinen Verlag “Edition Blaes” fertig. Wunderschöne und im Sinn des Wortes besinnliche Weihnachtsgeschichten von Markus Lein. Wie er die Arbeit mit mir erlebt, kann man hier lesen.
Illustriert sind die Geschichten übrigens von seinen Töchtern Sharon und Nastassja. Das Titelbild des Hardcover-Buches ziert eine Illustration der Geschichte “Die Kerze”. Eine zauberhafte Geschichte über Nächstenliebe.
Kleine rosa Nelke
Dieses schöne Blümchen trägt den Namen “Lichtnelke”. Und man kann die Blüten essen – am besten über den Salat streuen.
Dieses Foto ist eines von vielen in meinem Wildkräuterbuch-Projekt mit Karin Greiner, das im Herbst erscheinen wird. Und ich kann jetzt schon verraten: es wird ein ganz wunderbares und zauberhaftes Buch.
Traummann aus dem Internet
Ab heute werde ich jeden Montag eine Geschichte aus einem meiner Kurzgeschichtenbücher veröffentlichen. Ich beginne mit dem Traummann aus dem Internet.
Fast zwei Jahre Jahr lang hatte ich mit Männern nichts am Hut. Wundenleckend hockte ich in meiner neuen Wohnung und verarbeitete die Trennung von meinem Lebensgefährten. Doch eines Tages dabei ertappte ich mich dabei, wie ich begehrlich einem hübschen Kerl hinterher schaute. Die Zeit des Selbstmitleids war offensichtlich vorbei. Ich ging auf die Pirsch.
Was tut Frau auf der Suche nach dem Mann ihrer Träume? Eine bequeme Möglichkeit ist die einer Kontaktanzeige. Im Zeitalter der elektronischen Medien veröffentlicht man die aber nicht in der Tageszeitung, sondern im Internet.
Einen Text zu verfassen war berufsbedingt nicht schwierig, und ein aktuelles Foto von mir hatte ich auch. Also rein damit, ins AOL.
Normalerweise kann Frau in meinem Alter (ein paar Jährchen über vierzig) sich glücklich schätzen, wenn sie auf eine Bekanntschaftsanzeige 20 Zuschriften bekommt. Realistisch sind zehn bis zwölf. Und genau diese Menge bekam ich dann auch. Aber nicht insgesamt, sondern täglich. Wochenlang. Da ging die Post ab, im wahrsten Sinn des Wortes. Endlich kam Leben in meine einsame Bude.
Ich, die morgens normalerweise nur widerwillig das Bett verläßt, stürzte in aller Herrgottsfrühe ins Büro und knipste erwartungsvoll den Computer an. „Sie haben Post“ verkündete die freundlich-strahlende Frauenstimme jedes Mal, und ich machte mich genüßlich und mit Kaffetasse in der Hand daran, die Vielzahl der Angebote zu studieren. Und die war überwältigend. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht die leiseste Ahnung, wieviele einsame Männer-Herzen quer durch Deutschland pochen.
Zum Beispiel das von Mario. Musiker, Komponist und Songschreiber. Er war äußerst attraktiv, hatte aber zwei Nachteile. Er war zwanzig Jahre jünger und lebte in Düsseldorf. Trotzdem beharrte er darauf, mich kennenzulernen. Man könne ja nie wissen … meinte er, und ich gab ihm recht. Außerdem schrieb er so süße Briefe, und ein Liedchen für mich hatte er auch komponiert. Großmütig gestattete ich ihm einen Besuch. Wir verbrachten ein paar angenehme Stunden miteinander und versprachen, Freunde zu bleiben.
Dann der redegewandte Oliver, Werbetexter aus Frankfurt. Wir überschütteten uns mit Mails, kommunizierten ganze Nächte lang per AOL, Fax und Telefon. Er liebäugelte schon mit der Idee, sein Domizil nach München zu verlegen und ich hörte die Hochzeitsglöckchen klingeln, als sich zufällig herausstellte, daß auch er zwei gravierende Nachteile hatte. Er rauchte wie ein Schlot und war allergisch gegen Katzen. Ich bin militante Nichtraucherin und Besitzerin eines Katers. Also auch nichts für mich. Obwohl wir uns wirklich klasse verstanden hatten. Pech!
Karlheinz, der Fotograf aus Berlin war ein Mann der leisen Töne. Er schrieb schmachtende Liebesbriefe, sah auch nicht schlecht aus, war aber ein Softy. Softies sind nichts für mich. Weil sie mit ihrer allzeit verständnisvollen Sanftheit meine Nerven strapazieren. Außerdem war er bereits dreimal geschieden. Die Damen hatten ihn verlassen und werden schon ihren Grund gehabt haben …
Dann Bodo. Geschäftsmann aus Stuttgart. Stolzer Besitzer einer Villa, mehrerer Hausangestellten und zweier Luxus-Karossen. Einmal im Jahr ging er auf Safari, Tiere schießen. Auf mich war er auch ganz wild. Ich aber nicht auf ihn. Weil ich Angeber nicht leiden kann. Und Menschen, die aus Gaudi Tiere erlegen, erst recht nicht.
Auch Rudolf, der Unternehmensberater aus Nürnberg war nichts für mich. Wir schickten uns erst ein paar Tage lang erotisch angehauchte Mails hin und her, dann schickte er sein Foto. Letzeres veranlaßte mich abrupt dazu, den Kontakt zu ihm abzubrechen. Obwohl erst fünfzig, sah er aus wie sechzig, und außerdem ähnelte er fatal dem übergewichtigen Hähnchenröster, der einmal die Woche mit seinem fahrbaren Stand hier in Ort aufkreuzt. Wenn ich an die Mails denke, da schüttelt’s mich förmlich. Wozu zwei Jahre Enthaltsamkeit einen verleiten können …
Dann der Esoterik-Freak aus Augsburg. Zwängte sich jedes Wochenende in eine indianische Schwitzhütte, murmelte Mantras und zauberte seine negativen Energien ins Nirwana. Ich hab ja nichts gegen meditierende Mitmenschen, aber ein bißchen sollten sie schon auf dem Boden der Realität stehen.
Nicht zuletzt der Sportjournalist aus Rosenheim. Praktizierender Verbalerotiker. Ich bin wirklich nicht prüde, aber die schweinischen Texte, mit denen er mich zu beglücken glaubte, waren dann doch zu viel für mich. Ich habe ihm empfohlen, das Fach zu wechseln und Pornogeschichten zu schreiben. Danach habe ich ihn auf die Liste der unerwünschten Zuschriften gesetzt.
Alles in allem war die Aktion aber sehr interessant. Ich habe weit über 400 Zuschriften bekommen (darunter auch einige Heiratsanträge), viele kurzweilige Stunden vor dem Bildschirm verbracht, mich oft königlich amüsiert, mit sympathischen Zeitgenossen kommuniziert und einen guten Einblick in die Gedanken, Nöte und Sorgen deutscher Männer bekommen. Natürlich waren auch ein paar ausgemachte Idioten dabei. Aber die gibt’s schließlich überall.
Was letztendlich dabei herausgekommen ist? Christian ist dabei herausgekommen. Er ist Zahnarzt, vier Jahre älter als ich, nicht allergisch gegen Katzen, raucht nicht, lebt in München und … ja, wir mögen uns.
(Namen alle geändert)
Geschichte aus meinem Buch “Mit einem Lächeln durchs Leben”. – Hier kann man es bestellen.
Aktuelle Arbeit: Buchlayout
Eine schöne Herausforderung, die viel Freude macht: das aktuelle Buchprojekt von Karin Greiner und mir. Ein Buch über wilde Kräuter. Mehr wird heute noch nicht verraten. Außer, dass es im Herbst erscheinen wird. Und zwar in meinem kleinen Verlag, der “Edition Blaes”. Und eines verrate ich auch noch: ein Buch dieser Art gibt es noch nicht!











