Aus dem Leben einer Freiberuflerin

30 Jahre Freiberuflerin … da gibt es schon das eine oder andere lustige oder weniger lustige Erlebnis. Was ich jetzt beschreibe, ist beides.

Vor etlichen Wochen habe ich einem Kunden eine Honorar-Rechnung in die Hand gedrückt – für Leistungen, die ich über einen Zeitraum von rund drei Monaten geliefert habe: Fotos für Medien aller Art (Homepage, Flyer, Präsentatioen) und Videofilme seiner Veranstaltungen. Zahlungsfrist war Ende Mai

Über die Zahlungsmoral meiner Kunden kann ich im Großen und Ganzen nur Positives berichten. Die meisten zahlen pünktlich, manche sogar überpünktlich. Doch Anfang Juni suchte ich auf meinen Kontoauszügen vergeblich nach dem Eingang meines Honorars. Auch Mitte Juni hatte ich kein Glück und mailte eine freundliche Erinnerung – mit neuem Zahlungsziel. Reaktion: keine, weder Geldeingang noch sonst irgendeine Nachricht.

Doch auch das neue Datum verstrich – wieder ohne Zahlungseingang. Dieses Mal schickte ich die Erinnerung per Post – mit neuem Zahlungsziel. Reaktion am Zahltag: keine, weder Geldeingang noch sonst eine Nachricht.

Ein paar Tage später war das Honorar trotz meiner zwei Erinnerungen immer noch nicht auf meinem Konto, und da hatte ich die Faxen dann dick: Ich habe viel Leistung für wenig Honorar (start-up-Unternehmen mit kleinem Etat!)erbracht und zum Dank bekam ich: nichts. Nicht mal eine Reaktion oder vielleicht die Bitte um Splitten der Überweisung. Nein, der Kunde gab den “toten Käfer”. So was kann ich gar nicht leiden und rief kurzerhand meinen Anwalt an. Der diktierte seiner Sekretärin eine kleine Erinnerung und mailte sie meinem zahlungssäumigen Kunden. Plus anwaltlicher Gebührenrechnung selbstverständlich.

Das war vorgestern.

Gestern Vormittag (oh Wunder!) plötzlich bekam ich eine Mail – von meinem zahlungssäumigen Kunden, der bislang weder auf Rechnung noch auf Erinnerungen in irgendeiner Form reagiert hatte. Und was schrieb der Mann? Ich musste wirklich grinsen bei der Maillektüre, denn er schrieb: Er fände es nicht “nett” (wortwörtlich!), dass ich ihm eine Mahnung mit Zahlungsfrist schicke. Er fände es auch nicht nett, dass er Post von meinem Anwalt bekommen habe – mit Gebührenrechnung.

Ist das nicht putzig? Er findet es nicht “nett”, dass ich meine rechtlichen Möglichkeiten nutze, um zum wohlverdienten Honorar zu kommen. Da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln

Demnächst schreibe ich eine kleine Serie über Dinge, die ich nicht “nett” finde … und ich finde einiges nicht “nett”.

4 Antworten auf Aus dem Leben einer Freiberuflerin

  • Lena sagt:

    Wahrscheinlich fand dein Kunde es auch nicht lustig, dass du ihm überhaupt eine Rechnung geschickt hast. ;-)

    Amüsierter Gruß
    Lena

  • Uwe sagt:

    Also ich muss schon sagen, das ist wirklich dreist von dir, liebe Renate, erst schreibst du eine Rechnung und dann erwartest du auch noch, dass sie bezahlt wird. Ja wo sind wir denn?

    Schwer enttäuschte Grüße
    Uwe ;-)

  • gokui sagt:

    …und on Top, wenn auch der letzte rechtliche Weg versagt hätte, wäre er bestimmt nict begeistert gewesen, wenn Du ihm zwei weniger nette freiberufliche Selbstständige geschickt hättest, die in solche Fälle – nun sagen wir mal – eine positivere Zahlungsmoral auslösen.

  • Renate sagt:

    Zwischenbescheid … ich sage momentan nix, weil das nix nutzt.
    Ich werde erst wieder was sagen, wenn es was zu sagen gibt.
    Dauert aber nicht mehr lange. Mein Anwalt hat heute Betriebsausflug. Glückspilz … perfektes Betriebsausflugswetter …

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