Adieu – Traudl
Heute Abend habe ich erfahren, dass Traudl sich von der irdischen Welt verabschiedet hat.
Traudl war keine Freundin von mir aber ein Mensch, mit dem ich mich auf gewisse Weise freundschaftlich verbunden fühlte. Wir standen uns nur einmal persönlich gegenüber, bei einer Jubiliäumsfeier von Freunden, ansonsten haben wir miteinander telefoniert. Aber auch das nur aus beruflich-sachlichen Gründen. Dies Telefonate hätten normalerweise nur wenige Minuten, manchmal nur Sekunden gebraucht. Aber fast immer hat sich ein privater Austausch daraus ergeben, der länger dauerte.
Ich mochte Traudl. Sie hatte so eine pragmatische aber sehr liebevolle Art. Ich erlebte sie als kluge Frau, die mit wachsamen Augen und sensiblem Herzen durchs Leben ging, aber kein Aufheben machte – um gar nichts. Nicht mal dann, als sie erfuhr, dass sie eine Krankheit hatte, deren Ausgang keinerlei Hoffnung offen ließ. Als ich davon erfuhr, war mein spontaner Impuls, ihr einen Brief zu schreiben. Was ich geschrieben hätte … ich weiß es nicht. Aber ich habe diesen Brief nicht geschrieben. Weil ich dachte, ich kann einer Frau, die ich kaum kenne, doch nicht so einen persönlichen Brief schreiben.
Eines Tages hatte ich sie dann aber am Telefon. Und ich war sehr überrascht darüber, denn ich dachte, dass jemand, der so krank ist, sich total zurück zieht – aus dem aktiven Leben. Dem war aber nicht so. Und als ich dann mit ihr sprach, habe ich ihr das gesagt … das mit dem Brief, den ich schreiben wollte, ihn aber nicht geschrieben habe. Sie hat das bedauert. Ich auch. Und dann wir haben wieder miteinander geredet. Über ihre Krankheit und wie sie damit umgeht. Sie sagte mir, dass sie die Zeit, die ihr verbleiben würde, bewusst durchleben möchte. Ihr Mann hat sie dabei unterstützt. Sie haben soviel Zeit wie möglich miteinander verbracht. Mit dem Bewusstsein, dass es nicht mehr viel gemeinsame Zeit geben würde. Das hat er mir erzählt, vor wenigen Wochen. Als ich ihn fragte, wie es Traudl denn ginge.
Und nun ist sie gegangen. Mit 63 Jahren.
Leb wohl, liebe Traudl, dort, wo du jetzt bist. Ich umarme dich in Gedanken.
Nachsatz: Traudl und ich waren immer per Sie. Doch jetzt, wo ich an sie denke, hat sich das Du als ganz selbstverständlich ergeben.










hallo,
ist es nicht komisch, daß floskeln – das SIE – im angesichts des todes unwichtig erscheinen ? man ist sich so nahe, was viel wichtiger ist.
Ja, der Tod macht Vieles unwichtig. Wenn nicht sogar alles…