Monats-Archive: Januar 2012

Der Fall (von) Wulff

Prof. Gertrud Höhler bereitet mir immer wieder Freude. Egal, wo diese kluge und pragmatisch denkende Frau auftritt und egal, zu welchem Thema sie sich äußert, ich nicke mit dem Kopf.

Eben wurde sie im “heute journal” von Claus Kleber zur Causa Wulff befragt. Frau Höhler äußerte sich kurz, knapp und treffend. Wenn ich sie richtig verstanden habe, ist sie der Meinung, unser – gegen den Willen des Volkes – ins Amt gekommene Bundespräsident habe ausgedient. Und schuld sei er selbst. Nicht wegen des Kauf eines Eigenheimes, sondern wegen der Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen ist.

Sie meinte, er hätte sich nicht verteidigen, sondern “auf die Knie gehen sollen”, um sich für sein Verhalten zu entschuldigen. Das wäre beim deutschen Volk gut angekommen.

Das sehe ich ähnlich. Fehlerfrei ist keiner von uns. Und Wulff hat ja schließlich kein Verbrechen begangen. Aber was gestern und heute wieder ans Tageslicht gekommen ist, lässt nicht auf die Souveränität und Gradlinigkeit schließen, die von einem Bundespräsidenten erwartet wird.

Die Parteien halten sich mit Meinungsäußerungen zurück und alle sind gespannt auf die Reaktion unserer Bundeskanzlerin, die übermorgen aus dem Urlaub zurück sein wird. Ich bin auch gespannt. Wobei ich mir sehr sicher bin, dass sie mich nicht überraschen wird. Was sie im übrigen noch nie getan hat … weil sie sehr vorhersehbar ist, in allen ihren “Ansagen”.

Gottfried der Stinker

Es ist Jahre her, dass ich diese Geschichte geschrieben habe. An Aktualität hat sie trotzdem nichts verloren, im Gegenteil. Menschen kümmern sich immer weniger um andere – habe ich zumindest den Eindruck. Kommunikation läuft zunehmend virtuell ab und ob das Gegenüber tatsächlich so ist, wie man es wahrnimmt, darf bezweifelt werden. Wie dem auch sei: hier eine meiner ersten Geschichten.

Gottfried, der Stinker

Es gibt Menschen, mit denen meint das Schicksal es einfach nicht gut. Zu ihnen gehörte Gottfried.

Gottfried war der jüngste Sproß einer Bauernfamilie im Schwarzwald und hatte nur deswegen das Licht der Welt erblickt, weil die Bäuerin es nicht übers Herz brachte, eine Engelsmacherin aufzusuchen. Für kurze Zeit hatte sie es zwar in Erwägung gezogen, sich dann aber anders entschieden, weil sie gläubige Katholikin war. Entgegen den zornigen Forderungen ihres Man­nes, der meinte, die vorhandenen fünf Kinder seien mehr als genug, und wenn sie es nicht wegmachen ließe, würde er es gleich nach der Geburt an die Gartenmauer hinter dem Haus schmeißen. Genauso, wie er es zweimal im Jahr mit den kleinen Kätzchen tat.

Gottfried wurde geboren und nicht an die Mauer geworfen, was möglicherweise die gnädigere Variante gewesen wäre. Als er ein Baby war, ignorierte der Vater ihn komplett. Seine von diesem aufgehetzten Geschwister konnten ihn auch nicht leiden. Großeltern hatte er keine, die waren bereits alle verstorben. So war der einzige Mensch, der Gottfried Zuneigung entgegenbrachte, seine Mutter. Die zurückhaltende und durch ihren Mann eingeschüchterte Frau nahm ihn – wenn niemand anwesend war – aus dem Weidenkorb, wiegte ihn in ihren Armen, spielte mit seinen kleinen Fingern, küßte die pausbäckigen Wangen und sang ihm Liedchen vor, was er unter Strampeln und Lächeln mit gutturalen Lauten quittierte. War die Mutter aber im Stall, auf dem Feld oder sonstwo, konnte der kleine Kerl so laut schreien wie er wollte, niemand kümmerte sich um ihn. Die einzige Reaktion auf seine Ver­zweiflung war höchstens die, daß eines seiner Geschwister mit einer unwilligen Bewegung den Korb unsanft in ein anderes Zimmer zerrte und demonstrativ die Tür zuknallte. Dort, in der Einsamkeit, brüllte Gottfried so lange, bis er vor Erschöpfung einschlief.
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Wie im Himmel

Es gibt einen Film, der mich ganz tief in meinem Inneren berührt. Ich habe ihn schon mehrmals gesehen und gestern habe ich mir eine Aufzeichnung angeschaut. Es war wie gewohnt: mir liefen die Tränen über die Wangen. Warum?

Weil der Film mich mitten ins Herz trifft und viele andere Menschen bestimmt auch. Handelt er doch von einer großen menschlichen Sehnsucht: authentisch sein zu dürfen und Gemeinsamkeit zu (er)leben.

Gerade in den Zeiten der Internetkommunikation fällt mir immer mehr auf, wie einsam doch viele Menschen sind. Facebook, Twitter und Konsorten boomen, Blogs schießen aus dem Boden wie die Pilze, die Mobiltelefone laufen heiß … die Menschen wollen sich mitteilen. Wollen wahrgenommen werden.

Dass viele sich dabei in Oberflächlichkeit verlieren, ist bedauerlich. Deshalb finde ich den Film “Wie im Himmel” so wunderschön. Weil er zeigt, dass es auch anders gehen kann. Nämlich dann, wenn wir nicht gegeneinander kämpfen, uns nicht in Egoismus verlieren, sondern gemeinsam ein Ziel verfolgen und uns dabei gegenseitig stützen, wo Kraft und Hilfe gebraucht wird.

In dem Film singt eine Frau ein Lied, und den Text habe ich aufgeschrieben.

Jetzt gehört mein Leben mir.
Meine Zeit auf Erden ist so kurz.

Meine Sehnsucht bringt mich hierher.
Was mir fehlte und was ich bekam,
es ist der Weg, den ich wählte.

Mein Vertrauen liegt unter den Worten.
Es hat mir ein kleines Stück gezeigt
vom Himmel, den ich noch nicht fand.

Ich will spüren, dass ich lebe,
jede Tag, den ich habe.

Ich will leben, wie ich es will.
Ich will spüren, dass ich lebe,
wissen, ich war gut genug.

Ich habe mein Selbst nie verloren,
ich habe es nur schlummern lassen.
Vielleicht hatte ich nie eine Wahl,
nur den Willen zu leben.

Ich will nur glücklich sein,
dass ich bin, wie ich bin.
Stark und frei sein.
Sehen, wie die Nacht zum Tag wird.

Ich bin hier
und mein Leben gehört nur mir.
Und der Himmel, den ich suchte,
den finde ich irgendwo.

Ich will spüren,
dass ich mein Leben gelebt habe.

Diese berührenden Zeilen werden mich durch 2012 begleiten.

Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr. Seid stark und frei und lebt EUER Leben.

Herzliche Neujahrsgrüße – Renate

Buch

"Ein Buch, das verzaubert"
Jutta Aurahs
Redaktion "Geliebte Katze"

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