Monats-Archive: Januar 2011

Zum Thema Zuschussverlage …

… habe ich eben einen Artikel auf der Webseite der Edition Blaes geschrieben.

Nachtrag zu gestern

Nach dem ersten Teil von “Die Flucht” gab es vorgestern einen Beitrag über die “mutigen Frauen” der damaligen Zeit. Interviewt wurden ausschließlich Adelige mit renommierten Titel – solche wie die Protagonistin des Films.

Das hat mich gestört.

Es ist tragisch, sein Schloss mit allem Drum-und-Dran zu verlieren. Es ist aber genauso tragisch, seine Wenig-Zimmer-Wohnung und seine Arbeit zu verlieren. Der eine lebt in Pomp und mit Dienern, der andere kommt gerade so über die Runden und schält seine Kartoffeln selber.

Ich habe bei dem Beitrag gestern deshalb Gespräche mit Kartoffelschälern vermisst.

Aber “Gräfin Veruschka” ist natürlich medienwirksamer. Obwohl die adelige und ehemals sehr prominente Dame auffallend wenig zu sagen hatte. Zumindest nichts Substanzielles …

Aus der Heimat vertrieben

Der Film “Die Flucht”, der zur Zeit wieder im Fernsehen läuft, weckt Erinnerungen in mir. Erinnerungen an das, was ich von meiner Mutter weiß.

Meine Familie stammt aus Schlesien und meine Mutter wurde mit gerade mal 14 Jahren zur Halbwaise – meine Großmutter ist an einem ärztlichen Kunstfehler gestorben. Nun musste sich der Teenager um die 11 (!) jüngeren Geschwister kümmern.

Als sie achtzehn war, wurde sie Haushaltshilfe und mit 26 hat sie geheiratet. Meinen Vater, einen fleißigen Mann – Kürschnermeister mit gutgehendem Pelzgeschäft in Breslau.

Erst kam meine Schwester auf die Welt, dann kam mein Bruder und dann kam der Krieg. Mein Vater wurde eingezogen, die Russen warfen Bomben auf Breslau. Meine Mutter flüchtete mit meinen Geschwistern ins Haus ihrer Eltern nach Goldbach, einem kleinen schlesischen Dorf.

Mich gab es damals noch nicht.

Dann kamen die Polen und besetzten das Haus meiner Großeltern. Das war ihnen aber nicht genug, sondern sie meinten eines Tages, die wenigen aus Angst noch nicht geflüchteten Bewohner des Ortes sollten auch noch verschwinden. Die hätten hier nichts mehr zu suchen.

Meine Mutter packte einen Leiterwagen mit ein paar Habseligkeiten und machte sich mit ihren beiden Kindern, Verwandten und vielen anderen Menschen in einem Treck auf den Weg nach Westen. Dass sie nicht misshandelt oder vergewaltigt wurde, grenzt an ein Wunder. Denn das war an der Tagesordnung. Nicht nur das, es gab auch viele Tote. Erschossen, erschlagen, erfroren, durch Krankheiten dahin gerafft … der Film die “flucht” zeigt das anschaulich.

Ob und wo mein Vater noch lebte, wusste meine Mutter nicht. Sie war damals Anfang dreißig, völlig mittellos und ohne Heimat.

Sie landete schließlich in Ostfriesland. Und dorthin kam – wie durch ein Wunder – einige Jahre nach Kriegsende dann mein Vater und ich bin das Ergebnis ihrer Wiedersehensfreude.

Ohne jeglichen Habseligkeiten war meine Familie, als mein Vater nach längerer Suche in Freiburg eine Stelle als Kürschner fand. Wir zogen nach Süddeutschland, lebten erst in einem Lager und bekamen dann Möbel und eine kleine Wohnung zugeteilt. In einem kleinen Dorf im Hexental. Erst war das Dachgeschoss der Schule unser neues Zuhause, später dann eine Wohnung in einem ausrangierten Bauernhaus, mit Plumpsklo neben dem Schweinestall.

Mein Vater war ein sehr eigenwilliger Mann, der ungern nach der Pfeife anderer tanzte. Es dauerte nur wenige Monate und erkündigte seine Stelle im Pelzgeschäft und machte sich selbständig. Es waren nicht viele Menschen, die sich damals einen Pelzmantel leisten konnte, und um die Familie mit dem Notwendigsten zu versorgen verdiente mein Vater als Hausierer noch ein paar Mark dazu. Verkaufte Dosenöffner, Schnürsenkel und anderen Kleinkram.

Wir waren am und konnten uns nur das Lebensnotwendige leisten. Jeder Pfennig wurde dreimal umgedreht und wir hätten ziemlich darben müssen, hätte die Nachbarn – wohlhabende Bauern – uns nicht mit Lebensmitteln versorgt. Hühnersuppe, selbstgemachte Wurst, Speck, Brot, Obst, Quark, Milch …

Meine Mutter hat gearbeitet von früh morgens bis spät abends. Genäht (auch für andere), gebacken, gekocht, gewaschen, einen Garten angelegt und meinem Vater in der Kürschnerwerkstatt geholfen. Wir hatten keinen Kühlschrank, keine Waschmaschine, keinen Fernseher und kein Badezimmer. In der Küche tummelten sich die Schaben, auf dem Speicher tanzten Mäuse und Ratten. Warmes Wasser spendierte der mit Kohle befeuerte Küchenherd, gebadet wurde am Samstag, in einer Zinkwanne in der Küche, das Wohnzimmer heizte ein Kachelofen. Die restlichen Zimmer waren kalt, im Winter konnte man vor lauter Eisblumen nicht durch die Fenster schauen.

Trotz dieser Umstände war meine Mutter immer gut gelaunt und optimistisch und sorgte unverdrossen und mit Hingabe für ihre Familie. Dank dafür bekam sie nicht. Weder von meinem Vater, noch von meinen Geschwistern. Von mir auch nicht. Denn erst heute ist mir so richtig klar, was sie geleistet und für uns getan hat. Und wenn ich mir Fotos von ihr anschaue, auf denen sie so alt ist wie ich heute, schaut mir eine Großmutter entgegen. Kein Wunder, verglichen mit ihr führe ich ein Luxusleben …

Sehr bewegte Grüße an dich, liebe Mama – auf welchem Wölkchen du auch sitzen magst. Deine Liebe hat mich 36 Jahre durchs Leben getragen und trägt mich heute noch. Dafür danke ich dir aus ganzem Herzen!

Heulsuse!?

Eigentlich wollte ich heute Pause machen – aber aus gegebenem Anlass schreibe ich halt doch was.

“Heulsuse”, so hat mein Vater mich immer genannt. Weil bei mir die Tränen sehr locker sitzen, ja, ich hab “nah am Wasser gebaut”. Eine blöde Bemerkung von irgendjemanden, absichtlich oder unabsichtlich, und schon ging es los. Wie oft gab es Situationen, in denen ich mir sagte: “Beiß die Zähne zusammen und zeig ja keine Tränen!” Vergeblich. Die Tränen waren stärker als mein Vorsatz. Ich bin auch heute noch sehr leicht zu Tränen zu rühren – in unterschiedlichsten Situationen. Neulich hat mit eine Internetfreundin von ihrem kleinen Enkelkind berichtet. Es ist gerade mal ein paar Wochen alt und musste schon am Herzen operiert werden, weil seine Aorta zu eng ist. Als ich das hörte, liefen mir die Tränen runter, weil mir das Kerlchen so sehr leid tat. Es geht ihm übrigens wieder gut, und alle hoffen, dass das auch so bleibt.

Als ich gestern Abend mein “nächtliches Wort zum Samstag” gepostet habe, war mir sehr wohl bewusst, was ich da schreibe. Denn ich habe auch keine Lust (mehr), meine Gefühle zu verstecken. Warum sollte ich das machen? Warum sollte ich mich generös geben, wenn ich es gar nicht bin. Warum sollte ich meine Betroffenheit verbergen? Was ist so schlimm an Betroffenheit? Ich kann wirklich nichts Negatives daran entdecken. Erstens denkt man sich Betroffenheit nicht aus, sondern sie entsteht wie alle Gefühle von allein und zweitens hat jedes Gefühl seine Daseinsberechtigung. Schade und sehr bedauerlich ist allerdings, dass so viele Menschen ihre Gefühle verstecken. Noch schlimmer ist es, wenn sie Gefühle kompensieren oder sublimieren. Denn dabei kommt meistens nichts Gutes heraus. Schlimmstenfalls entstehen Kriege daraus. Hitlers Großvater übrigens war mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Jude … das nur am Rande.

Eine Leserin schreibt heute als Kommentar zu meinem gestrigen Artikel, sie sei betroffen. Sie ist also betroffen über meine Betroffenheit. Das ist bedauerlich und ich verstehe es auch nicht so ganz. Vielleicht ist sie betroffen, weil ich was ausspreche, was nicht besonders populär ist: Ja, ich brauche Wahrnehmung. Ja, ich brauche Wertschätzung.

Jeder braucht das, und wer das leugnet, lügt sich selbst in die Tasche.

Jeder will wahrgenommen werden. Jeder. Vor allem auch die Blogger, denn sonst würden sie sich die Zeit und Mühe des Bloggens sparen. Und sonst würden sie auch die Kommentarfunktion ausschalten. Ich kenne aber kein Blog, wo die Kommentarfunktion ausgeschaltet ist. Ein Blogger bloggt, weil er Reaktionen haben möchte. Auf beruflichen oder privaten Gründen. Weil er wahrgenommen werden möchte. Aus beruflichen oder privaten Gründen. Darum geht es, um nichts anderes.

Selbst Tiere brauchen Wahrnehmung. Hin und wieder erlaube ich mit einen kleinen Scherz mit meinen Katzen. Mit Lili zum Beispiel. Sie kommt auf mich zu und “spricht” mich an. Also sie schaut mich an und miaut. Nicht, weil sie was zu futtern haben möchte, sondern weil sie mit mir kommunizieren möchte. Reagiere ich nicht, nehme sie also nicht wahr, dann ist sie völlig irritiert. Sie nimmt Körperkontakt mit mit auf, stubbst mir das Köpfchen an die Beine oder ins Gesicht und tut alles, damit ich reagiere. Mach ich das dann endlich, ist sie sichtlich erfreut, miaut laut und schnurrt. Und ich bin immer wieder berührt, wie deutlich diese kleine Katze ihre Bedürfnisse zeigt.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche – mit vielen positiven Erlebnissen und viel Wahrnehmung Eurer Mitmenschen. Denn Wahrnehmung ist eine Streicheleinheit für die Seele … für den, der sie schenkt und für den, der sie bekommt.

“No milk today”

Der Pausenclown macht Pause.

Nächtliches Wort zum Samstag

Die Überschrift lautet deshalb so, weil ich einfach den heutigen Tag noch abwarten wollte, und die Veröffentlichung dieses kleinen Beitrags von gestern am späten Abend auf heute verschoben habe. Also, hier nun der Text:

Über 700 Besucher hat dieses Blog heute (mit heute fast doppelt so viele). Ein bisschen mehr als durchschnittlich.

Kein einziger hat mir gratuliert – zu meinem kleinen Verlag. (Gestern.)

Heute hat Olga gratuliert und alles Gute gewünscht. Darüber freue ich mich, liebe Olga. Danke dafür!

Ansonsten finde ich es traurig und auch für Euch, die Besucher, beschämend, dass bis zum aktuellen Zeitpunkt von über 1.100 Lesern in den letzten beiden Tagen nur ein einziger – Olga – alles Gute wünscht. Ja, es ist wirklich beschämend. Aber es ist auch aufschlussreich, zeigt es doch das geringe Interesse, die Gleichgültigkeit meiner Blogbesucher. Bleibt doch alle weg! Ich brauche keine Konsumenten und die Besucherzahlen meines Blogs sind mir letztendlich auch wurscht. ich brauche keine Voyeuristen, sondern Menschen um mich herum. Menschen, die Anteil nehmen und gönnen können. Die brauche im übrigen nicht nur ich, sondern jeder von uns. Das scheint vielen aber nicht bewusst zu sein.

In meinem Alter ein neues Vorhaben zu wagen, den Grundstein für eine kleine Firma zu legen – ich finde, das ist schon einen kleinen Kommentar wert. Zumindest gute Wünsche. Da es die aber ganz offensichtlich nicht gibt, sehe ich, wie groß, beziehungsweise wie gering die Anteilnahme meiner Leser an meinem Leben ist. Sie tendiert gegen Null … es sei denn ich schreibe über irgendwelche Männergeschichten oder sonstige populäre Themen. Ich bin aber nicht die Bildzeitung und sonst ein Klatschblatt. Ich bin Renate, die hier schreibt, was sie denkt, was sie fühlt, was sie erlebt und was sie tut. Und nun habe ich halt einen Verlag ins Leben gerufen. Na und … scheint ein sehr langweiliges Thema zu sein.

Warum ich das mache, das interessiert keinen. Was für ein Anliegen dahinter liegt … es ist nicht nur das Geld verdienen. Es geht dabei auch um Sinn. Den Sinn meines ganz persönlichen Lebens. Dass das – bis auf Olga -keinen interessiert … wirklich beschämend – für Euch, die Leser. Nicht für mich.

P. S.: Auf meinem Katzenblog habe ich wesentlich weniger Besucher als hier. Aber Katzenbesitzer haben wohl ein anderes Gefühlsleben. Denn auf dem Katzenblog (mit halb so vielen Besuchern wie auf diesem Blog) habe ich mehr als einen Kommentar. Zwei Besucherinnen haben sogar auf ihrem eigenen Blog einen Beitrag mit Hinweis auf meinen neuen, kleinen Verlag geschrieben. Kann man mal sehen – und sich so seine Gedanken darüber machen …



 
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"Ein Buch, das verzaubert"
Jutta Aurahs
Redaktion "Geliebte Katze"

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