Archiv für Januar 2009

Als Gott am siebten Tag den Menschen erschuf,
war er schon etwas müde.
Manchen Menschen merkt man das auch an.

Mark Twain

Heute Abend habe ich erfahren, dass Traudl sich von der irdischen Welt verabschiedet hat.

Traudl war keine Freundin von mir aber ein Mensch, mit dem ich mich auf gewisse Weise freundschaftlich verbunden fühlte. Wir standen uns nur einmal persönlich gegenüber, bei einer Jubiliäumsfeier von Freunden, ansonsten haben wir miteinander telefoniert. Aber auch das nur aus beruflich-sachlichen Gründen. Dies Telefonate hätten normalerweise nur wenige Minuten, manchmal nur Sekunden gebraucht. Aber fast immer hat sich ein privater Austausch daraus ergeben, der länger dauerte.

Ich mochte Traudl. Sie hatte so eine pragmatische aber sehr liebevolle Art. Ich erlebte sie als kluge Frau, die mit wachsamen Augen und sensiblem Herzen durchs Leben ging, aber kein Aufheben machte – um gar nichts. Nicht mal dann, als sie erfuhr, dass sie eine Krankheit hatte, deren Ausgang keinerlei Hoffnung offen ließ. Als ich davon erfuhr, war mein spontaner Impuls, ihr einen Brief zu schreiben. Was ich geschrieben hätte … ich weiß es nicht. Aber ich habe diesen Brief nicht geschrieben. Weil ich dachte, ich kann einer Frau, die ich kaum kenne, doch nicht so einen persönlichen Brief schreiben.

Eines Tages hatte ich sie dann aber am Telefon. Und ich war sehr überrascht darüber, denn ich dachte, dass jemand, der so krank ist, sich total zurück zieht – aus dem aktiven Leben. Dem war aber nicht so. Und als ich dann mit ihr sprach, habe ich ihr das gesagt … das mit dem Brief, den ich schreiben wollte, ihn aber nicht geschrieben habe. Sie hat das bedauert. Ich auch. Und dann wir haben wieder miteinander geredet. Über ihre Krankheit und wie sie damit umgeht. Sie sagte mir, dass sie die Zeit, die ihr verbleiben würde, bewusst durchleben möchte. Ihr Mann hat sie dabei unterstützt. Sie haben soviel Zeit wie möglich miteinander verbracht. Mit dem Bewusstsein, dass es nicht mehr viel gemeinsame Zeit geben würde. Das hat er mir erzählt, vor wenigen Wochen. Als ich ihn fragte, wie es Traudl denn ginge.

Und nun ist sie gegangen. Mit 63 Jahren.

Leb wohl, liebe Traudl, dort, wo du jetzt bist. Ich umarme dich in Gedanken.

Nachsatz: Traudl und ich waren immer per Sie. Doch jetzt, wo ich an sie denke, hat sich das Du als ganz selbstverständlich ergeben.

Als ich vor vielen Jahren einen hoch positionierten Job bei einer namhaften Firma antrat, sagte mein Vater: “Gib damit nicht an. Erzähl’s nicht rum. Sei bescheiden!”

Diese Geisteshaltung habe ich wohl auch in den Genen, denn auf den “Putz zu hauen” mit meinen (sehr vielseitigen) Fähigkeiten, war noch nie meine Ambition. Bisher habe ich auch nicht darüber nachgedacht, ob das falsch oder richtig ist. Heute jedoch mache ich das. Anlass dazu ist folgende Begebenheit: Vor einigen Tagen wurde ich von einem Geschäftsfreund und Mitglied meiner Regionalgruppe bei “Xing” gefragt, ob ich bei einer seiner Verstaltungen einen Vortrag über Kommunikation oder ähnliches halten wolle. Da ich mit Kommunikation und den dafür notwendigen Medien meine Brötchen verdiene, brauchte ich nicht lange zu überlegen und machte auch einen Vorschlag, was und wie ich das Thema behandeln wolle – allerdings nicht mit einem Vortrag, sondern mit einem Workshop. Denn selbst bei anschließender Diskussion ist ein Vortrag relativ einseitig, bei einem Workshop hingegen findet Dialog statt. Und in dem gegebenen Fall ist das für die Teilnehmer der Veranstaltung eindeutig sinnvoller.
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In der Nachbarschaft gab es vor einigen Tagen was zu feiern, und ich war zu einem Umtrunk eingeladen. Unter den Gästen war ein mir unbekannter Mann, der mit folgenden Worten vorgestellt wurde: „Das ist Armin, unser neuer Freund.“

Diese Worte gingen mir nicht aus dem Kopf, weil mich irgend etwas an der Formulierung störte. Ich brauchte nicht lange nachzudenken, es war die Wortkombination „neuer Freund“, die so klingt wie „neue Couch“ oder „neue Handtasche“. Ein Gegenstand, den man gestern oder vor kurzem erworben hat.

Wie sich dann heraus stellte, hatten die Nachbarn diesen Armin in der Tat erst vor kurzem kennengelernt. Und es stellte sich sehr schnell noch was heraus: Armin ist ein bekannter Fotograf und arbeitet für renommierte Redaktionen und Verlage. Die Gastgeber waren sichtlich stolz darauf, so einen Zeitgenossen „Freund“ nennen zu können. Macht ja auch nichts, die Engländer und Amerikaner pflegen auch jemanden als „friend“ zu bezeichnen, den sie eben erst kennengelernt haben.
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Am 31. August habe ich Post von der Rechtsverdreherinanwältin Katja Günther bekommen. Diese Dame ist berühmt berüchtigt dafür, dass sie unter anderem ein Onlineportal namens “Gedichteserver” vertritt. Auf dem Gedichteserver kann man Gedichte abrufen – aber für Geld. Für 59,95 Euro genauer gesagt. Darüber habe ich hier vergangenen Sommer bereits geschrieben und hier kurze Zeit später nochmal.

Der ganze Ablauf der Mahnerei ging so:

22. Juli 2008: Sogenannte “Letzte Mahnung”erhalten – direkt von der Firma “Online Content Ltd”. Darauf hin habe ich der Firma ein Fax geschickt und darauf hingewiesen, dass ich weder eine Rechnung noch eine 1. Mahnung erhalten habe. Reaktion der Firma: keine.

26. August 2008: “Mahnung” von Frau Günther erhalten. Ich habe ihr eine Email geschickt, in der ich ihr mitgeteilt habe, dass ich die Rechtslage kenne und sie sich weitere Schritte sparen könne.

10. Januar 2009: letzte außergerichtliche 2. Mahnung von Frau Günther erhalten – mit Androhung eines Gerichtsverfahrens.

Dieses Verfahren werde ich nun in aller Ruhe abwarten, rechne allerdings nicht damit, dass die Dame tatsächlich ein Gericht bemüht, denn die Rechtslage ist eindeutig: wer kostenpflichtige Dienstleistungen im Internet anbietet, muss die Kosten deutlich sichtbar machen und nicht im Kleingedruckten verstecken. Siehe auch den Artikel bei Computerbetrug.de

Falls ich wider Erwarten doch einen Mahnbescheid erhalte, werde ich Widerspruch einlegen. Das ist wichtig und geht ganz einfach: lediglich ein Kreuzchen auf dem Mahnbescheid abei “Widerspruch” machen und den Bescheid ans Gericht zurück schicken. Näheres zum Thema Mahnbescheid gibt es hier Artikel bei Computerbetrug.de.

Und hier der Link zu einem Blog, wo über das Thema ausgiebig diskutiert wird – von Betroffenen. Fazit: NICHT ZAHLEN!

Christof Hintze, der mir gestern per Zufall im Internet über den Weg gelaufen ist (ich suchte nach einer Information über das “Dschungelbuch”!), hat einen Beitrag über seine kranke Bank geschrieben. Und ich finde, den Beitrag sollten viele Menschen lesen. Vor allem Politiker sollten ihn lesen. Das werden sie aber nicht tun. Weil sie für solche Gedanken weder Zeit noch Lust haben. Denn dann müssten sie hin und wieder ihr eigenes Tun in Frage stellen. Das aber machen Politiker nicht.