Archiv für Juni 2007
Otto Gabriel saß auf einem hölzernen Klappstuhl in seiner eingeglasten und von Efeu überwucherten Loggia. Die in Schafwollsocken steckenden Füße ruhten auf einem Schemel, über den Beinen lag eine verblichene Wolldecke mit zahlreichen Mottenlöchern, aus den oberen Ecken des Raumes strömte die Wärme zweier Heizstrahler auf ihn herab, an die Scheiben peitschte der Regen.
Die Stimmung war wie gewohnt: hervorragend. Der Abend im Restaurant des Golfclub Wörthsee verlief wieder harmonisch und fröhlich. Interessante Menschen, leckeres Drei-Gänge-Menue und gute Gespräche. Ein Netzwerk-Treffen, wie man es sich wünscht.
Und alle waren sich einig:
Wie immer wachte Charlotte in aller Herrgottsfrühe auf und machte sich, in Bademantel eingewickelt, mit Filzlatschen an den Füßen und einer Tasse Kaffee in der Hand, auf den Weg zum Computer und öffnete ihre Mailbox. Eine gewisse Neugierde konnte sie nun doch nicht verhehlen.
„Willkommen!“ sagte eine weibliche Stimme mit einstudierter Freundlichkeit. „Sie haben Post“.
Und tatsächlich – Charlotte hatte Post.
„Job ist Job“ murmelte Charlotte am Nachmittag, als sie Zuhause an ihrem Schreibtisch saß und sich wie befohlen an die Arbeit machte.
Die Software war im Handumdrehen installiert, jetzt musste sie ein Pseudonym angeben. „Charly“ tippte sie. „Der von Ihnen gewählte Name ist schon vergeben“ teilte der Computer mit. Auch mit „Charlotte“ war er nicht zufrieden, mit „Klara“, dem Vornamen ihres Kindermädchens, auch nicht. Sie überlegte. Plötzlich kam ihr der Kosename den Sinn, mit dem Klara sie eine zeitlang gerufen hatte. „Dornroeschen“ tippte sie. Der Computer war’s zufrieden. Jetzt noch das Passwort. Sie gab den Namen ihres Katers ein, und begann mit dem Text für die Anzeige.
Und nun die Beschreibungen der Männer – interpretiert.









